Die Entscheidung des IOC, auf den pauschalen Ausschluss Russlands von den Olympischen Spielen zu verzichten, ist laut dem Bloomberg-Korrespondenten Leonid Perschidski richtig. Angesichts schärfster Kontrollen in Rio de Janeiro können russische Athleten ihre sportlichen Leistungen unter Beweis stellen.

 

Das IOC hat entschieden, dass für die russischen Sportler keine Unschuldsvermutung gelte: „Alle Athleten aus Russland werden des Dopings bezichtigt, weswegen ihnen zusätzliche und akribische Untersuchungen bevorstehen“, schreibt der Journalist.

 

Russland wird also weitaus weniger Sportler zu den Olympischen Spielen schicken können als sonst. Das IOC hat es den internationalen Sportverbänden überlassen, die Doping-Vergangenheit der Athleten zu untersuchen, und sich dabei ausschließlich auf die Ergebnisse „vertrauenswürdiger internationaler Test-Labors“ zu stützen.

 

„Für die Athleten anderer Länder gilt das natürlich nicht – obwohl Doping längst zum großen Sport dazugehört“, heißt es im Bloomberg-Artikel.

Im diesjährigen Report der Welt-Antidopingagentur WADA über die Verletzung der Doping-Regeln heißt es, 44 Prozent aller bekannten Doping-Fälle in den Olympischen Sommerdisziplinen seien bei zehn Nationen festgestellt worden. In der Leichtathletik, dem Gewichtheben und dem Radsport ist Doping laut dem WADA-Bericht in vielen Ländern Gang und Gebe – einige sind jedoch unangefochtene Spitze: In 2014 sind 56 Radsportler aus Italien und 22 Gewichtheber aus Indien positiv auf unerlaubte Substanzen getestet worden.

 

„Wäre der amerikanische Radsportler Bobby Lee ein Russe, würde er disqualifiziert werden“, schreibt „Bloomberg“, „Denn im August letzten Jahres ist er der Verwendung von Oxycodon überführt worden.“ In einem Gerichtsverfahren hat der US-Amerikaner seine sechzehnmonatige Sperre auf sechs Monate reduzieren können. „Ähnlich verhält es sich mit der US-amerikanischen Gewichtheberin Sarah Robles, deren zweijährige Sperre wegen Anabolika-Konsums im letzten Jahr zu Ende gegangen ist“, so der Autor.

 

Trotz ihrer Doping-Vergangenheit gehören Beide der US-Nationalmannshaft an und sind zu den Olympischen Spielen in Rio zugelassen.

 

„Vielleicht wäre es sinnvoll, alle Sportler mit einem Doping-Hintergrund auszuschließen, und die übrigen Athleten in Rio ebenso gründlich zu testen wie die Russen“, mutmaßt Perschidski. „Dadurch wäre das Risiko, überführt zu werden, hoch genug, damit die Sportler auf unerlaubte Substanzen verzichten.“

WADA, westliche Medien und Athleten, die gegen die unter Verdacht stehenden Russen verloren haben, kritisieren die Entscheidung des IOC. Die Bild-Zeitung ging sogar soweit, den IOC-Präsidenten Thomas Bach als Putins Pudel zu bezeichnen.

„Dennoch war die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees weise“, so Bloomberg. Angesichts der scharfen Kontrollen, die russischen Sportlern auferlegt werden, rücke ihr sportliches Können in den Vordergrund.

 

„Wenn die Russen unter diesen Umständen einen Sieg erringen können, zeigen sie, dass Russland nach wie vor eine Sport-Weltmacht ist“, betont Perschidski.

 

 

Quelle: Sputnik