Die jüngsten Terroranschläge haben Europa erschüttert. Nach Nizza ist nun auch Bayern Opfer einer Anschlagsserie geworden. Die letzte Woche wurde nach den Gewaltexzessen in Würzburg, München und Ansbach als Terrorwoche in die Schlagzeilen gekommen. Obwohl die aktuelle Flüchtlingspolitik sehr wohl kritikwürdig ist, feiern sich Islam-Gegner und rechte Parteien selbst – auf Kosten der Opfer.

 

stift-bombe-jpg--70c6aedc7a595b02-

 

Vor gut einem Jahr startete die Flüchtlingswelle in Europa und Politik und Medien feierten Deutschlands Willkommenskultur. Wer zu diesem Zeitpunkt in den Medien Ängste oder Zweifel an der Flüchtlingspolitik äußerte landete schnell ins rechte Eck und wurde schnell vom Mainstream als rechter Hetzer diskreditiert. Selbst die Möglichkeit zu äußern, dass sich unter den Millionen Flüchtlingen, die sich nach Europa machten, ein Terrorist befinden könnte reichte aus, um ins rechte Abseits gedrängt zu werden.

 

Das diese Möglichkeit existiert hat Bayern und Frankreich nun erfahren. Frankreich schon im letzten Jahr, nachdem im November in Paris mehrere Terroristen an verschiedenen Orten Anschläge verübten. Nachdem es nun die ersten Toten in Bayern gab, gibt es an dieser Möglichkeit nichts mehr zu rütteln.

 

Die Tatsache, dass selbst zuvor unbescholtene Politiker und Publizisten wegen kritischen Äußerungen im Hinblick auf die Flüchtlingsfrage als „rechte Hetzer“ diskreditiert wurden, ist mehr als schäbig und lässt am Verstand der sogenannten „Bahnhofsklatscher“ durchaus Zweifeln.

 

Genauso schäbig verhalten sich nun manche Journalisten, Politiker und Aktivisten, die sich nach den jüngsten Anschlägen bestätigt fühlen. Nahezu selbstgerecht zeigen sie mit dem nackten Finger auf vermeintliche Verantwortliche wie die Regierung, die westliche Leitpresse und viele andere, die sich zuvor euphorisch in der Flüchtlingsfrage engagiert haben.

 

Angefangen hat das aber schon zu Jahresbeginn, nachdem bekannt wurde, dass in der Kölner Silvesternacht mehrere Sex-Attacken auf Frauen verübt wurden, wobei bereits – ohne umfassende Faktenlage – auf den Islam und die Flüchtlinge verwiesen wurde. Ob es sich wirklich immer um Flüchtlinge oder Muslime handelte war erstmal egal. Wichtig war, dass man irgendwie „recht hatte“ und man selbstgerecht auf die anderen zeigen konnte, die alles falsch gemacht haben.

 

Daran hat sich auch nichts in München geändert, wo nach überwiegend verbreiteter Faktenlage ein Deutsch-Iraner einen Amoklauf verübte, wo zehn Menschen ums Leben kamen. Im übrigen waren davon 90 Prozent Anhänger des muslimischen Glaubens. Genauso wenig interessiert es die Islam-Gegner, dass wohl keine religiös motivierte Tat vorlag, sondern wohlmöglich ein Amoklauf, wie er sich bereits zuvor an Deutschlands Schulen ereignete. Der letzte ereignete sich im Jahre 2009 in Winneden, wo ein 17jähriger Schüler 15 seiner Mitschüler erschoss.

 

Damals wie heute wurden psychische Motive als Hauptmotiv der Tat genannt. Aber in München scheint es den selbstgerechten Minderheiten-Hassern egal zu sein, es bleibt für sie weiter eine religiös motivierte Tat, wo ironischerweise dann auch mehr Muslime starben als Christen. Viel wichtiger ist mal wieder, dass man „recht behielt“ und die teilweise widerliche Hetze in Wort, Schrift und Bild berechtigt ist.

 

Auch die Tat in Nizza, die der IS für sich beanspruchte, wird von Islam-Gegnern für ihre selbstgefällige Darstellung benutzt, um weiter Stimmung gegen die ungeliebte Religion zu machen. Auch hier wird gerne unterdrückt, dass über 30 Muslime der vermeintlichen IS-Tat zum Opfer gefallen sind. Zudem wird hier auch die Tatsache unterdrückt, dass der Täter eine sexuelle Beziehung zu einem 70jährigen Opa pflegte, was im islamischen Glauben eine schwere Sünde, also haram, ist. Auf einmal ist auch jede dubiose Quelle seriös genug, um einen islamistischen Hintergrund glaubhaft zu belegen.

 

Der vermeintlichen „Lügenpresse“ wird auf einmal fast alles geglaubt, was sie einem auf den Tisch servieren. Ein mögliches Hinterfragen nach den Hintergründen bleibt nahezu aus. Während man noch im Syrien-Konflikt berechtigerweise davon spricht, dass ISIS oder Al-Kaida ein Kind des Westens sind, so will man hiervon nichts mehr hören und der Islam wird als „böse Religion“ angeprangert. Von Pegida bis zur alternativen Presse herrscht hier ein selbstgerechter Einheitsbrei, der droht nun über zu quillen. Es wird bewusst Wahres und Falsches miteinander vermischt, um weiter die Bevölkerung gegeneinander auszuspielen.

 

Die großen wirtschaftlichen Gewinner sind nun die Sicherheitsfirmen, die den Überwachungsstaat weiter ausbauen. Verbote, die noch vor einem Jahr unmöglich erscheinen, werden nun Realität. Nach dem Anschlag in Ansbach wird man nun nicht mehr mit einem Rucksack durch den Bahnhof laufen können, ohne damit rechnen zu müssen von schwer bewaffneten Polizisten durchsucht zu werden. Aber als Russland vom Terrorismus heimgesucht wurde, sprach der westliche Mainstream gerne vom staatlichen Terrorismus.

 

Ohne einen Beleg zu haben, wurde der Kreml dafür verantwortlich gemacht, die Anschlagsserie selbst verübt zu haben, um neue Sicherheitsgesetze populär machen zu können. Gleichzeitig wurden zu jener Zeit mögliche Gladio-Anschläge und False-Flag-Aktionen als „üble Verschwörungtheorie“ verschrien, woran sich trotz immer größerer Beweislage sich nicht viel geändert hat, wo man wieder beim kritischen Hinterfragen ist.

 

Letztlich bleibt zu sagen, dass es hier nicht darum gehen soll, Terrorismus zu verniedlichen oder Regierungsverantwortliche wie Merkel oder Maas für ihre Übertreibungen in Schutz zu nehmen. Vielmehr soll es darum gehen, aufzuzeigen, dass auch die vermeintlichen Schreier gegen die Lügenpresse oder Merkel-Gegner es auch nicht immer so genau mit der Wahrheit nehmen und viele der selbsternannten alternativen Journalisten oftmals Journalismus und politischen Aktivismus miteinander vermischen. Solche Mixturen sind in anderen Ländern, wo es mit dem Journalismus weitaus besser bestellt ist, zu Recht ein No-Go. Am Ende bleibt zu sagen, dass hier bewusst auf Namen und Portalen verzichtet wird, da die üblichen Verdächtigen eh bekannt sind.

 

Von Christian Lehmann