Nachdem die von der CIA (mit-)gesteuerte Gülen-Bewegung offenbar am Putschversuch in der Türkei beteiligt war, geht Ankara nun gegen die Kontaktleute der US-Geheimdienste vor. Entlassungen und Verhaftungen treffen viele davon.
 
Im Kampf gegen die Gülen-Strukturen im Land geht die türkische Regierung inzwischen auch gegen jene Leute vor, die eng mit den US-Geheimdiensten – allen voran die CIA – kollaborieren. Denn das offene Geheimnis, dass sich der US-Auslandsgeheimdienst der Strukturen des radikalislamischen Predigers (der auch auf Druck der CIA eine Daueraufenthaltsgenehmigung erhielt) bedient, sorgt in Ankara verständlicherweise für Unmut.

 

In den Vereinigten Staaten freut man sich natürlich nicht über diesen Streich. «Viele unserer Gesprächspartner sind entlassen oder verhaftet worden», beklagte Geheimdienstdirektor James Clapper am Donnerstag auf einer Sicherheitskonferenz im Bundesstaat Colorado. «Es steht außer Frage, dass das unsere Kooperation mit den Türken zurückwerfen und schwieriger machen wird.»
 
Doch welche Kooperation soll das sein? Scheinangriffe auf IS-Stellungen und die Unterstützung von Rebellengruppen, die in Grausamkeit und Brutalität eben diesem «Islamischen Staat» um nichts nachstehen? Erdogans Kehrtwende in Sachen IS, nachdem dieser auch in der Türkei Anschläge verursacht hat, dürfte einer der Mitauslöser für den gescheiterten Putschversuch gewesen sein. Immerhin hatten von den Geschäften mit dem IS einige Leute – sowohl in der Türkei als auch in den USA – sehr gut verdient. Mit den Gülen-Leuten an der türkischen Staatsspitze wäre die Zusammenarbeit mit und die Infiltration der islamistischen Gruppen in Syrien und im Irak ein Leichtes gewesen.
 
In der transatlantischen Mainstreampresse wird die türkisch-amerikanische Zusammenarbeit in Sachen «Islamischer Staat» wie üblich beschönigt. So schreibt beispielsweise die FAZ: «Die Türkei ist für die Vereinigten Staaten ein äußert wichtiger Partner im Kampf gegen den IS. Die von den Amerikanern angeführte Allianz fliegt von der türkischen NATO-Basis Incirlik aus Luftangriffe gegen die Terrormiliz.»

 

Danach wird jedoch gleich wieder relativiert, weil ja die Amerikaner immer die Guten sein müssen: «Dennoch gibt es zwischen den beiden Staaten Spannungen: So haben Vertreter der Vereinigten Staaten beklagt, dass die türkisch-syrische Grenze für IS-Kämpfer nicht geschlossen sei.» Auch die «mutmaßliche» Unterstützung der «gemäßigten Rebellen» durch die CIA von türkischem Boden aus darf nicht fehlen. Dabei ist es doch schon längst bekannt, dass die CIA dort in der Region aktiv operiert.
 
Alles in allem jedoch ist die Beschneidung der CIA-Aktivitäten in der Türkei eine sinnvolle Sache, zumal der US-Auslandsgeheimdienst in den vergangenen Jahrzehnten genug Unsinn angestellt und Chaos angerichtet hat – inklusive Regime-Change-Operationen. Wer sich die CIA ins Land holt, legt sich mit einem potentiellen Meuchelmörder ins Bett.

 

Von Marco Maier