Der Papst war in Polen beim Weltjugendtag, wo er die Jugend aufforderte sich vom Sofa zu lösen. Doch Franziskus hat in den letzten Tagen einige Aussagen gemacht, die ganz interessant sind. Dabei hat er selbst seinen Gastgeber nicht geschont, da er beim Thema Flüchtlinge die polnische Regierung scharf kritisiert.

 

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Der jetzige Papst hat sich auch bei Menschen, für die Religion und Kirche eher kein Thema sind, Respekt verschafft und seine Worte sind nicht immer jene, welche vom Oberhaupt der katholischen Kirche erwartet werden. Es ist seine Offenheit und seine Bereitschaft auch schwierige Themen anzusprechen, die ihm gerade bei jungen Menschen Gehör verschaffen und für die er auch von nicht Gläubigen respektiert wird. Das ist auch der Grund warum es so wichtig ist zu wissen, was Papst Franziskus zu sagen hat.

 

Vor allem die polnische Regierung sollte dahingehend noch einmal über die Kritik nachdenken, die vom sogenanntem „Nachfolger Christi“ an ihrer Migrationspolitik geäußert wurde. Denn tatsächlich ist es nur schwer nachzuvollziehen, dass ein Land seine Grenzen dicht macht, dessen Bürger selber in der ganzen Welt verteilt sind und das, würden alle so handeln wie sie, bei weitem schlechter dastehen würde. Doch spricht der Papst vor allem von Flüchtlingen aus Kriegsgebieten wie dem Irak oder Syrien, was dem „Nein“ zur Aufnahme von Kriegsflüchtlingen einen besonders negativen Beigeschmack gibt. Denn Polens Regierung gibt sich als katholisch-konservativ, handelt aber gegen den christlichen Grundsatz der Nächstenliebe.
Dass die Politiker sich ihre eigenen moralischen Grundsätze zurechtschneiden wie es ihnen gerade passt, vor allem nach den Wahlen, ist leider nichts Neues. Doch wo die Polen aus dem Grauen des Krieges einerseits eine Art Touristenattraktion und aus der Vertreibung aus Ostpolen ein Flüchtlingsdrama machen, da haben sie auf der anderen Seite die Vertreibung der Deutschen aus Ostpreußen, Pommern und Schlesien als „gerechtfertigt“ verharmlost. Daher wundert es auch nicht weiter, dass die jetzige Regierung Polens nur eine Art Kriegsflüchtlinge kennt: Ihre Eltern und Großeltern, die im Zweitem Weltkrieg von Nazi-Deutschland oder der Roten Armee vertrieben wurden. Selbst das Leid der Zivilbevölkerung in der Ukraine interessiert die Polen nicht im geringsten.
Denn die Polen sind, vor allem die Jugend, gemütlich auf ihrem Sofa installiert. Die Älteren sitzen vor der Glotze, haben ihr Bierchen in der Hand und kommentieren abwertend was im Rest der Welt so geschieht. Sie sorgen sich höchsten darum, dass ihnen die NATO nicht genug Waffen und Soldaten bereitstellt, um die bösen Russen auf Distanz zu halten. Genauso besorgt sind sie, dass ihre Söhne bald kein Geld mehr aus England schicken und ihnen womöglich sogar noch auf ihrem Sofa Gesellschaft leisten kommen, wenn sie Großbritannien verlassen müssen. Papst Franziskus weiß genau, dass er diese Menschen nicht erreicht, doch die Jugend ist noch aufnahmebereit und sucht förmlich nach einem Sinn im Leben.
An diese Jugend, nicht nur die Polens oder der Katholiken, sondern die Jugend insgesamt, die sich in virtuelle Welten flüchte und dabei vergisst zu leben, richtet Franziskus deutliche Worte. Es gab Weltjugendtage an denen es Sprüche gab wie „Ihr seit das Salz der Erde“ oder „Ich hebe meine Jungfräulichkeit für die/den Richtige/en auf“, mit denen die meisten nichts anfangen konnten. Doch dieser Papst spricht Klartext. „Ein Sofa das uns Ruhe und Frieden gibt, auf dem wir uns sicher fühlen…“ erwähnt das Oberhaupt der Katholiken und fordert die Jugendlichen auf dieses zu verlassen. Denn die Sucht der Videospiele und Stunden vor dem Computer stumpfen ab und schläfern uns ein. Inzwischen entscheiden andere über die Zukunft und wenn sie unsanft aus ihrem Schlummer geweckt werden, ist es schon zu spät.
Papst Franziskus ist, dass sollte man nie vergessen, in erster Linie das Oberhaupt seiner Kirche und als solches vertritt auch er viele Ideen die meiner Meinung nach längst überholt sind. Aber wenn der Mann etwas vernünftiges sagt – was er im Gegensatz zu seinen Vorgängern öfters macht – dann lohnt es sich auch zuzuhören. Die Jugend ist tatsächlich abgestumpft und es ist erschreckend wie unwissend die jungen Menschen heute sind. Wenn sie aber ihre Zukunft nicht in die Hände korrupter Politiker und von Verbrechern geben wollen, dann müssen sie sich von ihrem Sofa erheben. Sonst kann es sein, dass sie ihre Zukunft von anderen auferlegt bekommen, wie es mit der Generation ihrer Eltern auch schon geschah.

 

Von Rui Filipe Gutschmidt