Auch in der Türkei gibt es überzeugte Transatlantiker, welche die Bindung des Landes an die Vereinigten Staaten weiterhin gewahrt wissen wollen. Eine Umorientierung nach Russland würde die «Gleichgewichte» in der Region verändern.
 
Der türkische Journalist Can Dündar hat vor einer Abkehr der Türkei von den USA gewarnt. «Es ist kein Geheimnis, dass die USA religiöse Kreise in der Türkei im Allgemeinen und Gülen im Besonderen als `gemäßigte‘ Alternative zu dem aufsteigenden radikalen Islam sehen», so Dündar in einer «Zeit»-Kolumne. Er beobachte eine neue Kluft zwischen der Türkei und den USA, die dem Wunsch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan nach einer Auslieferung Gülens wahrscheinlich nicht nachkommen würden.

 

Russlands Präsident Wladimir Putin hingegen sei nach dem gescheiterten Putschversuch gegen Erdogan der erste aus dem Ausland gewesen, der seine Solidarität mit dem türkischen Präsidenten geäußert habe. «Geht die US-Perspektive verloren, könnte sich die Achse der türkischen Politik, die sich seit 150 Jahren nach Westen orientiert, verschieben», schreibt Dündar. «Das würde für die Politik nicht allein in der Türkei, sondern in der Region und weltweit eine ganz neue Ära mit völlig veränderten Gleichgewichten bedeuten.»

 

Quelle: Contra Magazin