WikiLeaks-Gründer Julian Assange erhebt weitere Vorwürfe gegen Hillary Clinton. Gestern berichtete Contra Magazin, dass die US-Präsidentschaftskandidatin enge Verbindungen zu einem französischen Konzern pflegte, der ISIS finanziell direkt unterstützte. Medienberichten zufolge soll Clinton unter Berufung auf Assange bereits 2011 Terroristen in Syrien Waffen geliefert haben.

 

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In den westlichen Leitmedien wird sich kaum mit den Inhalten der E-Mail-Leaks beschäftigt, insbesondere in Deutschland zieht man es vor Vorwürfe in Richtung Russland zu erheben, die hinter den E-Mail-Enthüllungen stecken sollen, die sowohl Clinton als auch die Demokratische Partei in den USA schwer belasten. Wenn es nicht der Kreml war, dann muss wohl der Republikaner Donald Trump hinter den kompromittierenden Enthüllungen stecken. Nachdem Assange und sein Team der Transparenz-Plattform bereits im Februar eine komplette Edition geleakt haben, folgte im Juni der nächste Streich und inzwischen sind alle E-Mails mit einer Suchfunktion ausgestattet, so dass man konkrete Vorgänge in der US-Außenpolitik recherchieren kann.

 

Bereits im Februar berichtete Contra Magazin unter Berufung auf die damalige WikiLeaks-Enthüllung, dass Hillary Clinton keine Reformen in Libyen wollte, sondern den damaligen Regierungschef Muhamar al-Gaddafi stürzen wollte. In amerikanischen Interviews war Clinton stolz auf diesen Staatsreich, der im Zuge des arabischen Frühlings den ehemaligen Oberst Gaddafi stürzte.

 


 

Auch Gaddafi kam durch einen Militärputsch Ende der 1970er Jahre an die Macht, wobei dieser Prozess über ein Jahrzehnt hinweg andauerte und vermeintlich ohne Blutvergießen verlief. Weniger unblutig verlief allerdings der Sturz Gaddafis und die westlichen Leitmedien verkauften sowohl den Mord an Gaddafi als auch die chaotischen Verhältnisse im Maghreb als einen „Erfolg der Demokratie“, woran sich bis heute wenig geändert hat. Heute wird Libyen vom Terrorismus heimgesucht und stabile Verhältnisse werden wohl in den nächsten Jahren dort nicht herrschen.
 
Das Chaos verbreitete sich zudem auf die benachbarten Staaten und Europa wird seit Jahren durch eine Flüchtlingswelle auf die Probe gestellt. Der Flüchtlingsstrom vom Nahen Osten, der laut Medien durch den seit 2011 andauernden Bürgerkrieg über die Türkei nach Europa vor einem Jahr medial erstmals breit aufgegriffen wurde, ist auch auf Terrorismus, der durch ISIS, Al-Nusra, Al-Kaida sich in Syrien und im Irak großflächig ausbreitete zurückzuführen.

 

Prominent wurde ISIS als neue Gefahr für die freie westliche Welt erstmals 2014, während die anderen Terror-Milizen als Freiheitskämpfer verniedlicht wurden. Bis heute fragen sich viele Politiker, Journalisten und Wissenschaftler wie es dazu kommen konnte, dass die um die Jahrtausendwende gegründete Miliz rund 15 Jahre lang nur eine Randerscheinung war und innerhalb weniger Monate die größte terroristische Bedrohung weltweit werden konnte. Logisch, das kann nur mit viel Geld, Waffen, Personal und einer breit angelegten Propaganda funktionieren. Bislang galten als große Geldgeber die arabischen Länder, die von Sunniten beherrscht werden. Nun wissen auch, dass auch aus der westlichen Welt viele Millionen an die Terroristen im Nahen Osten geflossen sind, die sich dadurch günstige Öl-Geschäfte und die Realisierung ihrer Interessen in der Region erhoffen.
 
In Frankreich wurde bereits durch Le Monde die Lafarge-Untersützung der Terroristen enthüllt und WikiLeaks enthüllte die seit Jahrzehnten andauernden engen Beziehungen zwischen Clinton und dem Zement-Riesen. Die Rede war hier bislang lediglich von einer finanziellen Unterstützung, nun geht Assange einen Schritt weiter und belastet die Demokratin mit dem Vorwurf, bewusst Waffen an die Terror-Milizen geliefert zu haben – und das seit dem Umsturz in Libyen.

 

 

Assange begründet im Interview mit Democracy Now zunächst, warum die E-Mails veröffentlicht und mit einer Suchfunktion ausgestattet wurden. Weiter im Interview geht Assange auf Lybien ein und auf die Waffenlieferungen an ISIS ein, wobei er sich auf die E-Mails stützt. Diese sind auf WikiLeaks llesamt einsehbar. Zudem ist es nicht ausgeschlossen, dass weiteres Material auf den Servern der Transparenz-Plattform vorhanden ist, welche belastend für Clinton, die USA und die komplette westliche Welt sein könnten. Millionen von geheimen Dokumenten sind auf WikiLeaks zugänglich, die freilich noch nicht alle gesichtet wurden.
   

 

Zugegeben, die Dokumente alleine reichen wohl nicht aus, um die Schuld Clintons oder anderen westlichen Machthabern zweifelsfrei nachzuweisen, aber sie sind in jedem Fall ein Anknüpfungspunkt, die durchaus den Anlass bieten, zumindest auf dem medialen Wege Kritik zu üben.
 
Allerdings wird man in den konformen deutschen Leitmedien diese kaum finden, eher das Gegenteil scheint der Fall zu sein: Vorwürfe gehen eher in Richtung WikiLeaks und Assange, weil man die ständigen Clinton-Enthüllungen als einen einseitigen Feldzug gegen die Demokratin sieht, die man anscheinend gerne als neue Präsidentin von Amerika sieht. Zudem ist man auch vielmehr damit beschäftigt, brisante Enthüllungen gegen Donald Trump und seine Ehefrau zu verbreiten und jede kleinste Panne des Republikaners ist eine Meldung wert.
 
Das alles erinnert ein wenig an den zweiten Schuldigen im Terror-Desaster: Über die Rolle von Saudi-Arabien wird ebenfalls kaum ein Wort verloren und dank WikiLeaks und den arabisch-sprechenden Kollegen wissen wir auch seit über einem Jahr, woran das liegt.
 
Die westlichen Journalisten und Entscheider in der Medienwelt scheinen vielfach von dem reichen Öl-Staat geschmiert worden zu sein, damit ja kein böses Wort oder der Hauch einer kritischen Berichterstattung in der westlichen Berichterstattung über den Staat auftaucht. Kritik wird nur dann geäußert, wenn die Bundesregierung wieder mal Waffen und Panzer in die Wüste liefert, wobei hier die Kritik eher in Richtung Deutschland tendiert als an den Einfluss der Saudis auf den internationalen Terrorismus, der seit dem Al-Quaida-Phänomen nicht mehr von der Hand zu weisen ist.

 

 

Was die Medien und unsere Politiker betrifft, die etwa seit 2016 auch gerne nach den Ursachen für die Massenflucht bleibt also festzuhalten: Es ist schön Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft zu heucheln, weil es einfacher ist als die Ursachen zu bekämpfen. Es klingt aber auch intelligent vorzugeben, dass man an den Ursachen für diese Flucht interessiert ist, aber bringt uns weniger Applaus. Vor allem müsste der Westen sein bigottes Verhalten der letzten 5 Jahre revidieren, wo man ständig das Märchen von „Demokratisierung“ und „schönen bunten Revolutionen“ erzählte und sich selbstverliebt gegenseitig auf die Schultern klopfte.
 
Die Mitschuld des Westen und die Vorwürfe vieler Journalisten, dass der Westen – besonders die USA – die Gefahr des Terrorismus selbst herbeigeführt zu haben, erhärtet sich in diesen streitigen Enthüllungen der Whistleblower noch mehr. Während man noch vor Kurzem das bloße Ansprechen und Ergebnis von Recherchen über die Flüchtlingsursachen als „verschwörerisch“ oder gar „rechtsradikal“ torpedierte, werden solche Vorwürfe dank WikiLeaks mittels Beweisbarkeit entkräftet. Wen wundert es da noch, dass man nun WikiLeaks mit der Moralkeule im freien Westen gerne medial bekämpft?!

 

Von Christian Lehmann