Sämtliche deutsche Leitmedien haben über den Besuch des britischen Journalisten Graham William Phillips berichtet, der das Recherchezentrum von Correctiv in Berlin besuchte, um mit seinen Kollegen zu diskutieren. Erstaunlich wie viele Medien sich solidarisch mit den Kollegen aus Berlin zeigten, die doch sehr unsouverän auf den Besuch reagierten.

 

Gestern hat Contra Magazin bereits über den Vorfall berichtet und das Video eingebettet, wo man aus Sicht des britischen Journalisten sehen konnte, wie offen sich die Leute von Correctiv über den Besuch von Phillips zeigten. Das Video aus Sicht des britischen Reporters, der mit dem deutschen Kollegen Billy Six dem Recherchezentrum einen Besuch abstattete wurde mehrmals auf Twitter geteilt.

 

 

Das Video erinnert ein wenig an die Reportagen aus dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen, wo hin und wieder im Genre Verbraucherschutz über die Machenschaften von dubiosen Geschäftsleuten berichtet wird, die kein Interview geben wollen. Organisatoren von Kaffeefahrten, betrügerische Finanzdienstleister, aber auch Aktivisten aus dem rechtsextremen Spektrum reagieren ähnlich, wenn sie von Reportern aufgesucht werden. Man kann diesen Vorfall in Berlin nun als skandalösen Vorgang sehen oder einfach so interpretieren, dass die Herrschaften des Büros einfach unhöflich waren und keine Lust hatten, mit dem Kollegen über ein Thema zu sprechen, was beide behandelt haben. Die Rede ist vom Fall MH-17 aus dem Jahre 2014, wo es doch gravierende Unterschiede zwischen den Ergebnissen von Phillips und Correctv gibt.

 

 

Die Reaktionen in den Berliner Medien sind eindeutig. Sämtliche Portale meinen, dass „Pro-Russische Inforkrieger“ die das Büro von Correctiv „stürmten“, wobei selbstverständlich der Bild-Mitarbeiter Julian Röpke wohl am aggressivsten über den Vorfall twitterte und Phillips mit Rebellen aus der Ukraine zeigte. Gut wir wissen nun alle, dass westliche Leitmedien ein anderes Bild aus der Ukraine ihren Lesern präsentieren. Aber wer sich das Video oben anschaut, der sieht allerdings, dass die zwei Reporter keineswegs das Büro „gestürmt“ haben, sondern ganz normal in das Büro reingelassen wurden.

 

 
Mehrmals wurde auch fälschlicherweise berichtet, dass sowohl Phillips und Sixx Journalisten von „Russia Today“ seinen. Richtig ist, dass der Brite lange Zeit als freier Mitarbeiter beim internationalen Auftritt engagiert war und zuletzt in der Ukraine berichtete, wo er seit 2014 inzwischen ein Einreiseverbot hatte, nachdem er kritisch über die Ukraine berichtete. Seit etwa mehr als 2 Jahren berichtet der Reporter allerdings auf eigene Faust und gibt verschiedenen Medien Interviews zu den Ereignissen im Donbass aus seiner Sicht. Dazu gehört auch RT mit denen er wohl nicht im Streit auseinandergegangen ist.

 


 

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung spricht von „Pseudoreportern“ und scheint wohl auf den aktuellsten Stand zu sein. Man könnte hier noch viele andere Berichte aufzeigen, die ähnlich einseitig berichten. Der Berliner Journalistenverband spricht von „Propaganda-Kriegern“ und zeigt sich nicht gerade als einen Verband, dem man sich als freier Schreiber anschließen sollte und noch unnötig Beiträge zu zahlen.
 

 

„Wer Journalist ist, bestimme ich“, könnte der Tenor lauten, den man aus den Berichten der deutschen Leitmedien herauslesen kann. Vor allem ist auch erstaunlich, dass die Presseberichte sich so darauf stützen, dass Phillips bei RT international gearbeitet hat und deswegen die Kreml-Keule schwingen. Nicht beachtet wird, dass Phillips zuvor auch Mitarbeiter beim jüdischen Presseportal Jewish News One gearbeitet hat und die ehemaligen Kollegen ihn auf der Business Plattform LinkedIN ihn als guten Kollegen in Erinnerung haben.
 


 

Insoweit ist es auch kaum verwunderlich, wenn viele aus der Twitter-Netzgemeinschaft dem Briten zustimmen, wenn er von „Nazi-Propaganda“ spricht. Denn irgendwie ist die Art und Weise der Berichterstattung wohl schon als eine hybride Mischung aus Hermann Göring und Joseph Goebbels, an die der Mainstream erinnern lässt. Ein Wunder ist es, dass dieses Presse-Konglomerat nicht noch die lettischen Behörden lobte, nachdem diese im April den Reporter aus dem Land geschmissen hat, nachdem er über eine Demonstration kritisch berichtet hatte, die sich ehemalige Angehörige der Waffen-SS abgehalten haben. Hervorzuheben ist am Ende vielleicht noch der Artikel der Berliner Tageszeitung taz, die dann neutral über den Vorgang schrieb.

 
Von Christian Lehmann