Russland und China wollen ein gemeinsames Marinemanöver abhalten, und zwar in einem Gebiet, das für Washingtons aktuelle Eindämmungspolitik gegen Peking maßgeblich wichtig ist.

 

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Im Hinblick auf das Manöver, das Russland und China in einem Monat im Südchinesischen Meer planen, schreibt die russische Onlinezeitung vz.ru am Donnerstag: „Mindestens vier Kriegsschiffe der russischen Pazifikflotte sollen daran teilnehmen, doch es kommt nicht auf die eigentliche Zahl an. Im vergangenen Monat hatten die USA im selben Meer mit ihren Verbündeten geübt. Am demonstrativen Charakter der beiden Manöver besteht kein Zweifel.“

 

„Offiziell sind Russland und China keine Verbündeten, doch in den letzten Jahren demonstrieren sie immer anschaulicher, dass sie immer mehr gemeinsame Interessen und Ziele haben und bereit sind, sich dem Druck der USA gemeinsam entgegenzusetzen“, so der Kommentar von vz.ru.

Eine Eindämmungspolitik gegen China sei für die USA von hoher Priorität, Washington nehme den Pazifik stärker ins Visier: „Eigentlich hatten die USA nie damit aufgehört, eine Pazifikmacht zu sein: Der Atlantismus ist bloß eine Bezeichnung für die globalistische Ideologie.“

 

„Der Eindämmungs-Bogen gegen China verläuft derzeit von Südkorea und Japan über Taiwan und die Philippinen bis hin zu Singapur. Die US-Stützpunkte versperren den Chinesen die östliche Richtung und hindern sie auch daran, ihren militärischen Einfluss nach Süden auszubreiten. Dabei ist ausgerechnet der Süden für China eine maßgeblich wichtige Richtung“, postuliert vz.ru.

 

„Zwar bedeutet dies nicht, das China südostasiatische Länder annektieren will. Doch China geht zu Recht davon aus, dass diese Staaten, die von alters her kulturell, wirtschaftlich und sogar ethnisch unter seinem Einfluss stehen, in den Bereich seiner nationalen Interessen gehören. Die europäischen Kolonisatoren hatten zunächst Südostasien besetzt und von China abgeschnitten und erst dann mit einer Expansion unmittelbar nach China begonnen. Nun holt China auf“, heißt es weiter.

 

„Für die Vereinigten Staaten ist die Eindämmung gegen China im Pazifikraum und in Südostasien grundsätzlich wichtig. Sonst sind alle Ansprüche der USA darauf, den Status des Welt-Hegemonen zu behalten, sinnlos“, kommentiert die russische Onlinezeitung.

In nächster Zukunft seien die USA allerdings kaum in der Lage, China einzudämmen: „Nicht nur die geschichtlichen Zyklen, sondern auch die ‚banalen‘ Dinge wie Chinas wirtschaftlicher und militärischer Aufstieg machen alle Versuche sinnlos, die chinesische Spannfeder in dieser Richtung gewaltsam oder diplomatisch aufzuhalten. Trotzdem wird Washington mit allen möglichen Mitteln die chinesische Ausbreitung bremsen (…) Der wichtigsten Spannungspunkt zwischen China und den USA ist derzeit das Südchinesische Meer – und ausgerechnet dort soll das russisch-chinesische Manöver im September stattfinden.“

Russland mische sich nicht in den Streit um die Spratly-Inseln ein, betone aber, dass die Streitregelung unter den dortigen Ländern nicht von Kräften von außen beeinflusst werden dürfe, und verurteile damit die amerikanische Einmischung, schreibt vz.ru.

 

Quelle: Sputniknews