Ein echter Präzedenzfall: Ehemalige Doping-Sünder dürfen nun doch bei Olympischen Spielen antreten, wenn sie mittlerweile „sauber“ sind. Das hat der Internationale Sportgerichtshof CAS für zwei früher gedopte russische Sportler entschieden und damit der IOC-„Doppelstrafe“ widersprochen, wie russische Sportbehörden mitteilten.

 

Konkret geht es um die russischen Ruderer Anastassija Karabelschtschikowa und Iwan Podschiwalow. Ihrer beim CAS eingereichten Klage hat der CAS teilweise stattgegeben.

 

Das Exekutivkomitee des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) entschied am 24. Juli, nicht die  gesamte russische Olympia-Auswahl von den Spielen in Rio auszuschließen, sondern dieses Recht an die internationalen Sportföderationen zu delegieren. Außerdem erließ es jedoch ein generelles Startverbot für jene russischen Athleten, die jemals Dopingprobleme hatten.

 

Der CAS entschied jedoch, dass eine doppelte Strafe für vergangene Dopingsünden aus juristischer Sicht „nicht durchsetzbar“ sei, da dies die Rechte der Athleten verletze. Somit könnten nun mehrere russische Sportler noch „grünes Licht“ für die Teilnahme an der Olympiade in Rio erhalten.

 

„Man kann das Absurde bekämpfen und siegen. Wie ich es verstehe, waren nach demselben Kriterium (die Schwimmerin – Anm. d. Red.) Julia Jefimowa und mehrere andere Sportler gesperrt worden. Ich hoffe, dass ihnen das Urteil in unserem Fall helfen wird“, sagte zu dem CAS-Urteil der Sportjurist Michail Prokopez.

Die Tatsache, dass die IOC-Regelung vom 24. Juli im Widerspruch zur Olympischen Charta steht, die eine doppelte Bestrafung für ein und dasselbe Vergehen ausschließt, galt von Anfang an als offensichtlich. Nun hat der CAS dies auf juristischem Wege bewiesen. Für Russland ist das ein enormer Erfolg.

 

In der Vergangenheit gab es schon öfter Präzedenzfälle, wo der CAS derartige Regeln aufhob und sich dabei gerade auf die Olympische Charta stützte. Das ließ Russland auf eine positive Entscheidung hoffen. Aber angesichts der jüngsten gefallenen Entscheidungen bezüglich der russischen Leichtathleten blieben doch noch Zweifel. Umso wertvoller sind nun jene Dokumente, die den russischen Juristen am Donnerstag von Mitarbeitern des CAS ausgehändigt wurden.

 

Der Begriff „Aufhebung der Regel“ bedeutet nun, dass einer beliebigen Klage, die denselben Punkt der IOC-Entscheidung anfechten will, automatisch wenigstens teilweise stattgegeben werden kann. Dies kann noch mehrere russische Sportler betreffen, deren Situation bislang unklar ist.

 

CAS-Generalsekretär Matthieu Reeb sagte zu der Entscheidung, die Aufhebung  des IOC-Beschlusses sei ein erster Schritt. „Wir können eine Berufung innerhalb von 24 Stunden annehmen, sodass jetzt alles möglich ist“, erklärte er gegenüber der Agentur Reuters.

 

Russland kann auf Grundlage dieser Entscheidung nun möglicherweise die Zahl seiner offiziell zu den Wettkämpfen in Rio zugelassenen Athleten – gegenwärtig sind es 271 – vergrößern.

 

 

Quelle: Sputniknews