Das Gezänk zwischen dem türkischen Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu und seinem österreichischen Amtskollegen Sebastian Kurz droht sich zuzuspitzen: Nach dem Rassismus-Vorwurf hat Kurz Çavuşoğlu zu Zurückhaltung und Mäßigung in der Wortwahl aufgerufen.

 

„Ich weise die Kritik des türkischen Außenministers an Österreich scharf zurück. Ankara ist dazu aufgerufen, sich in Wortwahl und Vorgehen im Land zu mäßigen sowie die Hausaufgaben zu machen», zitieren mehrere lokale Medien die Aussage des österreichischen Außenamtschefs.

 


 

​Früher am Freitag hatte Çavuşoğlu Österreich als „Hort des radikalen Rassismus“ bezeichnet. Er übte zudem harte Kritik an Österreichs Kanzler Christian Kern für dessen Vorschlag, die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abzubrechen.
 
Zuvor kündigte Kern an, mit den Staats-und Regierungschefs der EU-Staaten den Abbruch der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei wegen der demokratischen und wirtschaftlichen Probleme im Land zur Diskussion zu stellen.
 
EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hat in einem ARD-Interview die Forderung Kerns allerdings bereits abgelehnt.
 

„Ich sehe nicht, dass es jetzt von Hilfe wäre, wenn wir einseitig der Türkei bedeuten würden, dass die Verhandlungen zu Ende sind“, sagte er. Einem Abbruch der Verhandlungen müssten alle Mitgliedstaaten zustimmen: „Und diese Bereitschaft aller Mitgliedstaaten sehe ich im gegebenen Moment nicht.“

 
Im April 1987 hatte die Türkei die Aufnahme in die Europäische Gemeinschaft, die heutige EU, beantragt. Seit dieser Zeit bemüht sich das Land, allen für den Beitritt notwendigen Anforderungen nachzukommen. Dennoch sind viele europäische Politiker wegen der Massenfestnahmen nach dem Putschversuch und den Überlegungen zu einer Rückkehr zur Todesstrafe in Bezug auf einen EU-Beitritt der Türkei nun negativ eingestellt.