Moskau und Ankara werden Maßnahmen zwecks Vorbeugung von neuen Zwischenfällen im Luftraum ergreifen, damit keine weiteren Kampfjets abgeschossen werden, wie im November 2015 geschehen. Dies schreibt die Zeitung „Iswestija“ am Montag.

 

„Das russische Verteidigungsministerium hat bereits ein Paket mit Vorschlägen für die türkische Seite vorbereitet“, teilte eine Quelle in der Militärbehörde mit. Unter anderem gehe es um die Einrichtung von Wegen zum Informationsaustausch sowie um konkrete Hinweise für Piloten, was sie zu tun haben, um gefährliche Situationen zu vermeiden.

 

Russland hat bereits Vereinbarungen über die Vorbeugung von Zwischenfällen im syrischen Luftraum mit den USA und Israel geschlossen. Dank dieser Maßnahmen wurden Experten zufolge mehrere Unfälle verhindert, bei denen Piloten hätten ums Leben kommen können.

 

Viktor Nadejin-Rajewski vom russischen Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen verwies darauf, dass Moskau und Ankara sich in letzter Zeit um die Überwindung der nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets im November 2015 ausgebrochenen Krise in ihren Beziehungen bemühen.

 

„Natürlich wird (beim Treffen der Präsidenten Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan) in St. Petersburg das Thema Vorbeugung von unangenehmen Zwischenfällen auf der Tagesordnung stehen, denn weder die Türkei noch Russland sind daran interessiert“, so der Politologe. „Es besteht die Hoffnung, dass die türkische Seite ihre Position zu Syrien korrigiert. Vorerst sehen beide Länder Syriens Zukunft unterschiedlich, aber von türkischer Seite verlauten inzwischen Aufrufe, mit dem dortigen Regime zu verhandeln, das Erdogan früher einfach hasste. Auch beim jüngsten Treffen der Außenminister Russlands und der Türkei wurde ein Abkommen bezüglich Syriens erörtert.“

 

Der Direktor des Zentrums für strategische Konjunktur, Iwan Konowalow, warnte, dass die inneren Probleme der Türkei die Entwicklung eines solchen Mechanismus behindern könnten.

 

„Präsident Erdogan ist es wichtig, die Situation zu stabilisieren und neue Umsturzversuche zu verhindern, und deshalb werden die Armeereihen gerade ‚gesäubert‘. Das ist mit Schwierigkeiten verbunden, denn die Kommandovertikale in der türkischen Armee ist im Moment teilweise zerstört“, betonte er. „Noch vor dem Versuch des Staatsstreichs war zu spüren, dass die Militärs mit Erdogans Politik nicht einverstanden waren, und jetzt wurde ein großer Teil der Generäle und Oberoffiziere entfernt, und die türkische Armee hat kein Kommando mehr. Einerseits bedeutet das, dass die türkische Armee de facto nicht mehr selbstständig ist. Andererseits aber ist unklar, mit wem man im türkischen Generalstab konkrete Fragen besprechen könnte.“

 

Ankara hat in letzter Zeit eine ganze Reihe demonstrativer Schritte zwecks Verbesserung der Beziehungen mit Russland unternommen. Ende Juni schrieb Präsident Erdogan einen Brief an seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin, in dem er sich für den Abschuss der Su-24 im November des vorigen Jahres entschuldigte. Danach wurde der vermutlich Schuldige am Tod des russischen Piloten festgenommen. Nach dem misslungenen Staatsstreich wurde auch der Pilot verhaftet, der laut den türkischen Offiziellen die endgültige Entscheidung über den Abschuss der Su-24 getroffen hatte.