Nach dem FSB-Bericht über die Zerschlagung einer ukrainischen Einheit auf der Krim und nach drastischen Worten von Präsident Wladimir Putin, der den ukrainischen Behörden die Vorbereitung von Terroranschlägen auf der Halbinsel vorwarf, tauschen die Seiten weiter säbelrasselnde Erklärungen aus, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Freitag.

 

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Der ukrainische Staatschef Petro Poroschenko befahl, die ukrainischen Truppen an der Grenze zur Krim und im Donezbecken in erhöhte Einsatzbereitschaft zu versetzen. Zudem rief er die ukrainischen Bürger dazu auf, nicht auf die Krim zu reisen. Weiter äußerte er den Wunsch, die Situation mit den Staatschefs der USA, der EU, Frankreichs und Deutschlands zu besprechen, und beauftragte das Außenministerium, ein Telefongespräch mit Wladimir Putin zu vereinbaren.

 

Der ukrainische Aufklärungschef Valeri Kondratjuk legte derweil eine neue Version des Vorfalls vor – ihm zufolge sind die Opfer auf russischer Seite die Folge eines Schusswechsels zwischen FSB-Grenzern und russischen Soldaten.

 

Die Situation auf der Krim stand im Mittelpunkt der Sitzung des russischen Präsidenten Wladimir Putin mit den ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrats. Es seien angesichts der Vereitelung eines Terroranschlags auf der Halbinsel zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Einwohner und lebenswichtiger Infrastrukturobjekte besprochen worden. Es seien ausführlich Szenarios von Maßnahmen zur Antiterrorsicherheit an den Landgrenzen, in Gewässern und im Luftraum der Krim erörtert worden, hieß es auf der Kreml-Webseite.

 

Donnerstagabend veröffentlichte das russische Außenministerium eine Mitteilung, in der es heißt, falls Poroschenko an der Beschlussfassung von Terroranschlägen auf der Krim beteiligt gewesen sein sollte, „beansprucht er die Rolle des Zerstörers des Friedensprozesses. Falls diese Beschlüsse aber ohne seine Beteiligung gefasst wurden, ist das umso schlimmer.“ Zudem wurde hervorgehoben, dass der Tod von zwei russischen Soldaten keineswegs ohne Folgen bleiben werde. „Wir rufen unsere Partner abermals dazu auf, die Behörden in Kiew unter Druck zu setzen und sie vor gefährlichen Schritten zu warnen, die äußerst negative Folgen haben könnten“, hieß es im Außenamt in Moskau.

 

Das US-Außenministerium nahm keine Stellung zu dem Vorfall auf der Krim. Die entsprechende deutsche Behörde rief zur Deeskalation auf.

 

Laut dem Politologen Alexander Guschtschin versucht die Ukraine mit punktuellen Handlungen und ohne eine bestimmte Grenze zu überschreiten, die Spannung aufrechtzuerhalten und die Aufmerksamkeit vom Donezbecken auf die Krim zu lenken, wobei der Friedensprozess verzögert wird. Das sei sowohl für bestimmte Kräfte in der Ukraine als auch im Westen, darunter in den USA, vorteilhaft.

 

Dem Politologen Alexej Tschesnakow zufolge hängt der Vorfall mit dem Streben Kiews zusammen, die Situation zuzuspitzen. „Poroschenko will den 25. Jahrestag der Unabhängigkeit der Ukraine auf einer patriotischen Welle feiern. Die Folgen könnten sehr schwerwiegend sein. Der Tod der Soldaten wird nicht ohne Reaktion bleiben. Sehr viel hängt von den ukrainischen Behörden ab – falls sie jedoch beschließen, ihr radikales Spiel zu Ende zu spielen, muss Russland hart reagieren“, so der Experte.