In den vergangenen Wochen gab es in Oberbayern laut Polizei gleich drei sexuelle Übergriffe von Flüchtlingen. Auch wenn es nur Einzelfälle sind, erschweren sie die Arbeit der Flüchtlingshelfer.

 

Es ist einer von drei Fällen, die sich nach Polizeiangaben in der vergangenen Woche ereignet haben: In Übersee im Landkreis Traunstein wurde ein 25-jähriger Afghane festgenommen, er sitzt in U-Haft. Er soll um 5.00 Uhr eine 30-jährige Fußgängerin nahe der Bahnunterführung festgehalten und sie gegen ihren Willen geküsst haben. Als er sich auszog, gelang es der Frau, ihn niederzustoßen und zu flüchten.

 

Die Folgen sind spürbar. Davon berichten zwei Flüchtlingshelferinnen aus Übersee. Nach dem Überfall auf die Frau sei an der Autobahn ein großes Banner aufgehängt worden. Darauf stand: «Übersee, Grassau (Anmerkung der Red.: Dort hat sich ein weiterer Fall ereignet), schützt unsere Frauen und Kinder.»

 

«Das ist schwierig. Ein Vorfall macht alles kaputt. Man sieht gar nicht, wie viel tolle Arbeit geleistet worden ist in dem Jahr. Der Vorfall in Übersee ist eigentlich der letzte Vorfall, den ich mir gewünscht hätte. Das ist der wunde Punkt. Da trifft man die Bürger damit – verständlicherweise», erzählte eine Flüchtlingshelferin.

 

Ein knappes Jahr sind die meisten der 39 Flüchtlinge jetzt in Übersee. Die Flüchtlingshelferin sagt, in dem Jahr sei viel passiert. Die Asylbewerber hätten viel Neues lernen müssen. Jetzt hätten sie Fuß gefasst, würden wissen wollen, wie es mit ihnen weitergehe. Und sie seien auf der Suche nach Frauen.

 

«Ich habe ihnen neulich wieder einen Vortrag gehalten. Ich habe ihnen gesagt, dass sie vorsichtig sein müssen. Sie müssen schauen, wie alt die Mädchen sind. Sie haben zugehört und genickt», berichtet die Flüchtlingshelferin. Sie ist davon überzeugt, dass sich zumindest vereinzelt Frauen finden werden. Viele der Flüchtlinge würden sich auch durch einen Umzug in andere Stadt etwas erhoffen. Dort gebe es eben mehr Kulturen.

Einer der Flüchtlinge aus Übersee lebt inzwischen in Bremen, einer ist nach Schwerin gegangen und einer nach Hamburg. Für die, die bleiben, ergeben sich bei der Frauensuche Probleme.

 

«Dieses Thema ist ein großes Tabu. Darüber spricht niemand, dass der Teil einfach nicht funktioniert. Deshalb haben wir dann auch das Problem, wenn der Asylbewerber diese jungen Mädels und Frauen sieht, dann denkt er sich, warum er nicht darf. Dann nimmt er sich irgendwann die Freiheit. Er sucht irgendwann die Ausrede und sagt, dass die Frauen, so wie sie rumlaufen, es ja selbst provozieren. So wäre es in ihrem Land ausgelegt», so eine Flüchtlingshelferin.

 

Wichtig ist deswegen, so eine Flüchtlingshelferin, dass Mädchen entsprechend selbstbewusst auftreten. Sie rät Eltern dazu, ihre Kinder aufzuklären. Sie müssten ihren Mädchen erklären, wie sie sich gegenüber den Asylbewerber zu verhalten hätten, um sie nicht herauszufordern.

 

Ganz wichtig, sagt die Flüchtlingshelferin, wäre ein verpflichtender Einführungskurs in dem ganz klar gemacht wird was geht und vor allem was nicht. Nach dem Übergriff von Übersee sei in jeder Unterkunft noch einmal darüber gesprochen worden. Die Asylbewerber hätten gar nicht verstanden, warum die Polizei den Mann abgeholt hätte: «Dass unser Recht hier greift, dass man sofort ins Gefängnis kommt, dass es eben keine Lappalie ist, das hat sie sehr nachdenklich gemacht. Das haben sie sich einfacher vorgestellt.»

Deshalb ist Aufklärung so wichtig. Ein Kurs, «so funktioniert Deutschland.» Das sich die Mühe lohnt, davon ist Sozialpädagoge Christian Zech überzeugt.

 

«Dass Integration Zeit braucht und Ressourcen braucht und die dringend zur Verfügung gestellt werden müssen, sonst knallt uns das ganze Ding um die Ohren. Und dass wir eine Riesenchance vertun. Denn viele, die da kommen, das sind nicht die Pappnasen ihrer Länder, sondern es sind wirklich die Fähigen, die Aktiven. Nicht alle, aber viele. Wenn die jetzt hierbleiben, helfen die uns. Und wenn die wieder nach Hause gehen und unsere Werte nach Hause bringen zu denen, dann helfen die uns auch. Das ist eine Riesenchance. Und weder die Themen verschweigen, noch sie unter den Tisch kehren bringt uns was», so der Sozialpädagoge Christian Zech.

 

Von: Christoph Müller