Nach der Vereitelung von Anschlägen auf der Krim liefert die russische Regierungszeitung Rossijskaja Gaseta (RG) nun Details zur Entlarvung der ukrainischen Sabotagegruppen. Diese sollen an mehreren Orten die russische Schwarzmeerhalbinsel attackiert haben. Laut RG flogen sie auf, weil sie Anwohnern auf einem Friedhof aufgefallen waren.

 

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Die RG rekonstruiert den Verlauf der Ereignisse folgendermaßen:

 

Alles begann demnach in der Nacht vom 6. auf den 7. August. Einwohner der Kleinstadt Armjansk im Norden der Schwarzmeerinsel an der Grenze zur Ukraine alarmierten die lokalen Sicherheitskräfte: Sie hätten Unbekannte in Militäruniform auf dem Stadtfriedhof beim Ausheben eines Grabes beobachtet. Als die Beamten der regionalen Sondereinheit des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB am Friedhof eintrafen, eröffneten die Unbekannten gezielt das Feuer.

 

Der Kommandeur der russischen Spezialeinheit sei bereits in den ersten Sekunden des Feuergefechts getötet worden. Einen der Angreifer konnten die FSB-Beamten liquidieren, mehrere Saboteure wurden verletzt. Weitere Mitglieder einer ukrainischen Spezialtruppe sollen halbnackt über ein nahegelegenes Haff in Richtung Ukraine geschwommen sein. Am Tatort ließen sie ihre Feuerwaffen und Sprengstoff zurück.

 

In der Nacht darauf sei ein Vorposten des russischen Grenzschutzes von ukrainischem Territorium aus beschossen worden. „Der Angriff ähnelte einer regelrechten Militäroffensive“, schreibt RG. Nach Angaben des Blatts zogen sich unter diesem Deckmantel zwei weitere ukrainische Sabotagegruppen von der Krim aus in die Ukraine zurück.

 

Die Saboteure flüchteten in zwei Gruppen über das Flachwasser des Siwasch, einer Bucht im Nordosten der Kleinstadt Armjansk, in Richtung Ukraine. Ein Schützen- und ein Kampfpanzer, die am anderen Ufer der Bucht auf ukrainischem Territorium herangefahren kamen, gaben den Fliehenden Feuerdeckung. Nach Angaben des FSB konnte keiner dieser Täter gefasst werden.

 

Der ukrainische Geheimdienst soll insgesamt Dutzende Saboteure auf die Krim eingeschleust haben. Was er damit erreichen wollte, ist noch unklar. Die russischen Nachrichtendienste gehen von drei Versionen aus, die sich gegenseitig nicht ausschließen, sondern vielmehr ergänzen.

 

Version 1: Die Überfälle dienten der Vorbereitung von Terroranschlägen auf regionale und föderale Regierungsvertreter und sollten zugleich die Touristen auf dem Höhepunkt der Urlaubssaison von Reisen auf die Schwarzmeerhalbinsel abschrecken.

 

Version 2: Ausländische Geldgeber finanzierten die Saboteure, um Russland in einen Krieg auf dem Territorium der Ukraine zu verwickeln.

 

Version 3: Die Sondereinheiten der ukrainischen Militäraufklärung haben Geheimunterlagen und Wertgegenstände kiewtreuer Regionalmachthaber zurückgeholt, die während der antiukrainischen Unruhen im Frühling 2014 auf der Krim vergraben worden waren.

 

Seit jenem Jahr 2014 hatte Russland bis zu den besagten Vorfällen keine offene Aggression von Spezialeinheiten eines Nachbarstaates registriert. Bislang musste Russland in Friedenszeiten auch keine Todesopfer an seinen Grenzen infolge einer Offensive regulärer ausländischer Streitkräfte beklagen.

 

Indes gab der FSB zu den verhafteten ukrainischen Saboteuren bekannt, dass es sich dabei wohl um jene handelte, die die Operation der Aufklärungstrupps vorbereitet hatten. An den Feuergefechten seien sie allerdings nicht beteiligt gewesen. Unter ihnen ist der Oberst der ukrainischen Militäraufklärung GRU, Jewgeni Panow. Inzwischen sagt dieser zu den Zwischenfällen aus. Nach Zeitungsangaben hält er sich seit mehreren Wochen mit seiner Familie auf der Krim auf – angeblich im Urlaub. Offenbar erlaubt der ukrainische Geheimdienst seinen Mitarbeitern, ihre Freizeit auf der russischen Krim zu verbringen.

 

„Wenn sie russische Gesetze einhalten, und sich nicht an Kampfhandlungen verbotener Organisationen, dem Rechten Sektor etwa, beteiligten, dann haben wir keinen formalen Grund, sie an der Einreise auf die Krim zu hindern“, sagte ein Sprecher des russischen Grenzschutzes gegenüber der „Rossijskaja Gaseta“. Natürlich würden solche Leute besonders kontrolliert, dennoch sei es unmöglich, jeden von ihnen permanent zu überwachen, hieß es.

 

Die Zahl der Festgenommenen wird voraussichtlich steigen: In diesem Sommer sind nach Angaben der Zeitung Dutzende Mitarbeiter ukrainischer Geheimdienste auf die Krim eingereist – ebenfalls zu „Urlaubszwecken“.