Es könnte uns am Rücken vorbeigehen, was sich bei der Wahl in einem Land abspielt, mit dem wir eine enge Zusammenarbeit pflegen. Das ist jedenfalls die Norm bei den meisten Ländern, mit denen wir es zu tun haben. Bei den USA ist das anders. Davon hängt unser Schicksal zu einem bedeutenden Teil ab, wenn wir die Erfahrungen der Vergangenheit heranziehen. Aber bei dieser Wahl ist schon vor dem eigentlichen Wahltermin erkennbar, dass nicht nur das Wohl und Wehe Deutschlands von dem möglichen Wahlergebnis in den USA tangiert ist und sein wird.

 

 

Republican presidential candidate Donald Trump speaks during a campaign rally at Silver Spurs Arena in Kissimmee, Fla., on Thursday, Aug. 11, 2016. (Stephen M. Dowell/Orlando Sentinel/TNS) Photo via Newscom picture alliance |

 

 

Schauen wir uns doch die vier Kandidaten in der Spitzenformation an. Unsere Rohrstock-Medien verweisen in ihrer täglichen Berichterstattung auch deshalb auf die beiden Spitzenkandidaten, Frau Clinton und Herrn Trump, um im deutschen Volk jenes Maß an Widerwillen Herrn Trump gegenüber sich entfalten zu lassen, das im Sinne der sogenannten »trans-atlantischen Netzwerke« ein in jeder Hinsicht auskömmliches Dasein für die erwarteten kommenden 4 Jahre garantieren soll.

 

Es ist bisher dem deutschen Außenminister, Herrn Steinmeier, vorbehalten, vor Herrn Trump ausdrücklich zu warnen. Viele im Lande erinnern sich noch an die anschließenden »Eiertänze«, die die Bundeskanzlerin beim noch im Amt befindlichen Präsidenten Obama hinlegen musste, nachdem sie ihm eine Rede als Kandidat vor dem Brandenburger Tor verweigert hatte.

 

Für die  Bundesregierung und die deutsche Rohrstock-Presse wäre es allerdings ein Gebot der Stunde, anhand der Spenderliste für beide Kandidaten das deutsche Volk darüber aufzuklären, welche amerikanischen Industriezweige für die nächsten 4 Jahre »return of investment« einfordern und von der dann im Amt befindlichen amerikanischen Regierung die staatliche Unterstützung der deutschen und europäischen Wirtschaft gegenüber bei der Durchsetzung ihrer eigenen Interessen einfordern werden. TTIP als Spielplatz für amerikanische Anwaltsinteressen in Europa ist doch ein Musterbeispiel dafür, welche Verbindung zu dem Umstand hergestellt werden kann, dass die Wallstreet-Anwälte zu den Spitzenspendern für die Demokratische Partei fast traditionell zählen.

 

Der Umstand, dass darüber die demokratische Beteiligung der europäischen Völker an ihren Gemeinwesen und die Demokratie generell auf der Strecke in Europa bleiben sollte, kann fast vernachlässigt werden. Beim »Budapest-Putsch« der deutschen Bundeskanzlerin am 4./5.

 

September 2015 konnte jeder bewundern, was eine deutsche Regierungschefin von den Grundregeln eines demokratischen Staates und seiner Rechtsordnung hält.

 

 

Es reicht aber nicht, um nur mit Clinton und Trump zu kommen

 

Es mag sein, dass bei dem inneramerikanischen Widerwillen, der sich fast in gleicher Weise gegen die beiden Spitzenkandidaten zu entwickeln scheint, nur auf diese beiden Kandidaten geblickt wird. Natürlich ist der Abstand in den Umfragen zwischen Clinton und Trump und den nachfolgenden Frau Dr. Jill Stein und Gary Johnson beachtlich groß, uneinholbar groß. Dennoch kommt bei dieser Wahl beiden nachfolgenden Kandidaten eine Schlüsselrolle alleine deshalb zu, weil sie diejenigen in den USA auffangen könnten, die beide Kandidaten Clinton und Trump für letzte Ausgeburten eines in sich kollabierenden Systems halten.

 

Es gibt sie noch, die demokratische Grundsubstanz im amerikanischen Volk. Das ist vor allem bei der Kandidatin Dr. Jill Stein zu bewundern, die sich einen klaren Blick für die demokratischen Notwendigkeiten für die amerikanische Gesellschaft bewahrt hat und amerikanische Städte und Gemeinden für aufnahmestark genug hält, wenn das Washingtoner System der Macht-Usurpation durch Interessenmonopole kollabiert. Bei dem, was sich derzeit in den USA abspielt, könnten beide Kandidaten, Frau Dr. Jill Stein und Gary Johnson, genügend Stimmen auf sich vereinen, um weder Clinton noch Trump den Zugriff auf das Weiße Haus zu erlauben.

 

 

Für Krieg als amerikanisches Geschäftsmodell: Clinton

Für Frieden:Trump, Dr. Jill Stein und G. Johnson

 

Die Fronten sind klar und man muss schon den Eindruck gewinnen, dass es gerade die republikanischen Angehörigen des Kriegs-Establishments mit ihrem Protestbrief gegen Trump in der letzten Woche deutlich gemacht haben, wie es eigentlich in Washington aussieht. Es ist bei Gott kein Geheimnis, dass die amerikanische »Welt-Neuordnungspolitik« zwischen Demokraten und Republikanern parteiübergreifend gestaltet worden ist. Das haben schon die jeweils der Oppositionspartei angehörenden Verteidigungsminister in Washington deutlich gemacht. Kandidat Trump bricht die weltgefährdende Kumpanei sichtbar auf und das macht ihn bei den Haydens und McCains aus seinem eigenen Lager so verhasst.

 

Was Trump über die NATO sagt, mag den Balten und Polen als Wurmfortsätze des Washingtoner Kriegs-Kartells nicht gefallen. Es steht aber in den Verträgen zur NATO drin. Das ist auch einer der Gründe, warum Frau Clinton schäumt. War es doch ihr Mann, Präsident Bill Clinton, der mit dem völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien den Krieg wieder nach Europa zurückgebracht hatte. Dabei hatte er nicht versäumt, den NATO-Vertrag in die Illegalität zu verdrehen mit allen Konsequenzen für unsere Soldatinnen und Soldaten. Unvergessen sind ihre eigenen Freuden-Ausbrüche, als der libysche Machthaber viehisch umgebracht wurde.

 

 

 

Die vor uns liegenden Wochen sind aus Gründen des amerikanischen Systems kriegsgefährlich

 

Man wundert sich als Europäer ohnehin, wenn die Bandbreite amerikanischer Politik betrachtet wird. Es mag ein Nachteil des europäischen Systems sein, wenn die eigene Regierungshandschrift bei staatlichem Handeln in jedem Teil der Welt erkannt und verstanden wird. Das ist systembedingt in den USA anders, wo die Politik der eigenen Agency, sei sie denn erfolgreich, einen ganz anderen Zugriff auf das staatliche Budget und damit die eigenen Möglichkeiten und Erlöse bedeutet. Für die vor uns liegenden Wochen bis zum ersten Wahltermin in den USA bedeutet das, mit allem rechnen zu müssen, was kriegerische Auseinandersetzungen anbelangt, die von den Kräften in Washington angezettelt werden, die einen zweckbestimmten Blick auf die Zukunft haben. Auch da ist zwischen Clinton und Trump sehr wohl zu unterscheiden.

 

Clinton, und das haben die Reden auf dem Installierungs-Parteitag deutlich gezeigt, steht für Kräfte, die für jeden Krieg gut sind. Dabei kommt es auf die Weltgegend gar nicht an, weil die Überlegenheit des amerikanischen Systems eben auf dem Schlachtfeld gesucht werden muss, wenn sonst nicht mehr viel übrig ist. Trump steht erklärtermaßen nicht dafür ein, auch wenn eine Wahl von Herrn Trump zum Präsidenten oder knapp darunter innere Verwerfungen, die man sich nicht ausdenken mag, zur Folge haben dürfte.

 

 

Wer Russland sieht, sollte an die eigene, deutsche Geschichte denken

 

Versailles hat es uns auf Dauer unter die Nase gerieben. Deutschland war an allem schuld. Die von John Foster Dulles in den Vertrag hineingeschriebenen Reparationen wurden bis vor wenigen Jahren korrekt von uns bezahlt. Schäuble sei Zeuge. Deshalb ergriff uns alle ungläubiges Staunen, von dem Autor der Schlafwandler rechtzeitig zum Jahrestag des Kriegsausbruchs im Jahre 1914 die wissenschaftlich fundierte Erkenntnis nachlesen zu können, dass von einer deutschen Alleinschuld überhaupt nicht die Rede sein könnte. Alle seien sie wie die Schlafwandler in den Abgrund marschiert.

 

Merkwürdig war bei Christopher Clark allerdings, in welchem Maße er bei dieser historischen Betrachtung das Vereinigte Königreich draußen vorließ. Vor allem die in Großbritannien cliquenhaft betriebene Organisation von internationalen Zwangsläufigkeiten, die auf die Beseitigung des überaus erfolgreichen und aufstrebenden Deutschen Reiches gerichtet waren. Man kommt langsam aber sicher dahinter, wer den Schrecken und die Katastrophen herbeigefingert hatte, auch wenn Versailles eine neue Form der übergreifenden Kriegführung gegen das taumelnde Deutschland war.

 

Warum soll das bei Russland heute anders sein? Wenn man nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in allen bekannten Einzelschritten sich das amerikanische Vorgehen gegen die Russische Föderation ansieht, war von einem Harvard-Professor über die beabsichtigte Übernahme der russischen Ressourcen bis hin zum Speer-Spitzenputsch in Kiew alles darauf gerichtet, sich Russland gefügig zu machen. Das Spiel ist nicht zu Ende. Es ist eine in Washington betriebene Dauerbeschäftigung. Was interessiert uns das? Wenn es schiefgeht, wird es niemanden mehr geben, der von uns als einem liebenswerten Land noch sprechen mag oder von unseren Nachbarn, denen wir herzlich zugetan sind, wenn wir von der Bundeskanzlerin mal absehen. Deshalb ist der Wahlkrieg in den USA eine Frage unseres Überlebens.

 

 

Von Willy Wimmer