Das Sicherheitsgefühl habe sich verändert, aus Angst vor Terrorangriffen würde viele Menschen ihre Lebensweise anpassen. Die Politik ist hier gefragt und müsse konkrete Lösungen anbieten, so Edmund Stoiber im Interview mit «Zeit Online».

 

«Mein Sicherheitsgefühl hat sich verändert, ich bin noch wachsamer, aufmerksamer für mein Umfeld geworden. Kürzlich kam mir die Angst sehr nah: Mein ältester, 17-jähriger Enkel war abends am 14. Juli auf der Promenade des Anglais in Nizza unterwegs, als der Anschlag erfolgte. Er hörte die Schüsse, mit denen der Lastwagenfahrer gestoppt wurde, er befand sich lediglich hundert Meter entfernt davon. Er ist in eine Menschenmenge geraten, in der Tausende Menschen in Panik wegliefen. Am späten Abend hörte ich in den Nachrichten von den schrecklichen Ereignissen und machte mir große Sorgen. Um vier Uhr in der Früh erhielt ich dann schließlich die Nachricht, dass mit meinem Enkel alles in Ordnung war», so Stoiber.

 

Der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber hat eingestanden, dass sich sein persönliches Sicherheitsgefühl verändert hat. Seine Ehefrau fahre «abends nicht mehr unbedingt mit der S-Bahn», sagte Stoiber «Zeit Online»:

 

«Ich selbst nehme die Bahn nicht sehr oft. Meine Frau allerdings fährt abends nicht mehr unbedingt mit der S-Bahn. Die Sicherheitsvorkehrungen an den Flughäfen sind hoch und ich habe Vertrauen darin. Außerdem vertraue ich auf das Glück, dass ich nicht zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort bin», sagte Stoiber.

 

Er treffe viele Menschen, «die für sich entschieden haben, aus Angst vor möglichen Terrorangriffen ihre Lebensweise anzupassen und zum Beispiel nicht mehr aufs Oktoberfest zu gehen». Es sei durchaus die Aufgabe von Politikern, diese Ängste zu thematisieren, sagte Stoiber. «Diese besorgten Bürger in die rechte Ecke zu stellen, nur weil sie ihre Ängste offen äußern, ist der falsche Weg», warnte er.
 
Wichtig sei aber, dass man die Angst nie vorrangig zur Grundlage von Entscheidungen mache. Politik müsse konkrete Lösungen anbieten, etwa mehr Polizisten anstellen oder auch ein Burka-Verbot durchsetzen, «denn in unserem Land, in unserem christlich geprägten Abendland, zeigt man die Gesichter offen. Das gehört zu unserer Leitkultur», sagte Stoiber «Zeit Online».