Die Tu-22M3-Bomber der russischen Fernfliegerkräfte haben am Dienstag erstmals Angriffe gegen Terrorgruppen in Syrien vom Flugplatz Hamadan im Iran aus geflogen, wie die Zeitung „Kommersant“ am Mittwoch schreibt. Dies demonstriere, welch große Bedeutung beide Länder dem Ausgang der Kämpfe um Aleppo beimessen.

 

„Die iranisch-russische Kooperation beim Antiterrorkampf in Syrien ist von strategischer Bedeutung, wir teilen unser Potential in diesem Bereich und unsere Objekte“, sagte der Chef des Obersten Rats für Nationale Verteidigung Irans, Ali Schamchani, gegenüber der Nachrichtenagentur IRNA. Ihm zufolge stehen die Terroristen wegen des effektiven Zusammenwirkens zwischen dem Iran, Russland und Syrien kurz vor der Kapitulation. Nichts könne sie mehr vor der Vernichtung retten. Allein die Wiederaufnahme des Friedensprozesses sei noch nicht erreicht worden.

 

Einer der Gründe dafür sind die Kontroversen mit den USA in der Frage, welche Gruppierungen der syrischen Opposition als gemäßigt eingestuft werden sollten. Laut „Kommersant“-Quellen in Moskau versprachen die USA, die Vertreter der gemäßigten Opposition von den Terroristen der Bewegung Dschebhat an-Nusra zu trennen, haben dies jedoch bislang nicht getan.


 

Zudem konnte die syrische Armee die Sperrung der Grenze zur Türkei, woher die Extremisten immer wieder Nachschub und Munition bekommen, nicht selbstständig sichern. Die Situation erschwerten des Weiteren schwere Verluste auf Seiten der Assad-Truppen, die nun mehr Zeit zur Wiederherstellung ihrer Ressourcen brauchten. Diese Zeit aber fehlte ihnen: Während die Regierungsarmee die Initiative übernehmen wollte, gruppierte die Opposition ihre Kräfte um und startete Offensiven in mehrere Richtungen.

 

Im Ergebnis verzichteten die Regierungstruppen an den meisten Frontabschnitten auf Offensiven und konzentrierten sich vor allem auf die Verteidigung der bereits zurückeroberten Stellungen. Laut „Kommersant“-Quellen mussten die russischen Fliegerkräfte dringende Maßnahmen treffen: Diese folgten am 12., 14. und 21. Juli, als sechs Tu-22M3-Flugzeuge die seit Februar ersten Angriffe auf Palmyra, as-Suhna und Arak flogen.

 

So entstand die schwierige Lage um Aleppo, wo die Al-Nusra-Front nach Angaben des russischen Generalstabs eine Gruppierung aus 7000 Menschen mit Panzern, Schutzpanzerwagen, Artillerie und anderen Waffen bilden konnte. Diese Terror-Gruppierung wurde zum Hauptziel der russischen Fliegerkräfte.

 

Die Tu-22M3-Bomber waren bislang gewöhnlich vom Stützpunkt in Mosdok (Nordossetien) gestartet, mussten daher jedoch stets mindestens 2000 Kilometer zurücklegen. Laut einer „Kommersant“-Quelle in der Militärbehörde war kein syrischer Stützpunkt imstande, diese großen strategischen Fliegerkräfte aufzunehmen. Dann wurden die russischen Militärs auf den iranischen Luftstützpunkt Hamadan aufmerksam, den die russischen Fliegerkräfte bereits im Dezember 2015 als Nachtank-Flugplatz auf dem Wege nach Hmeimim nutzten.

 

Laut „Kommersant“-Quellen gab es keine Probleme bei der Abstimmung mit der iranischen Seite. In kürzester Zeit einigten sich die militärpolitischen Führungen beider Länder. Nach Angaben der Agentur Al-Masdar News ermöglicht diese Vereinbarung, die Entfernung der russischen Flüge nach Syrien um 60 Prozent zu verkürzen, was die Kraftstoffkosten deutlich senken und die Effizienz der Luftangriffe erhöhen wird.

 

Den von „Kommersant“ befragten Experten zufolge demonstrierten Moskau und Teheran mit ihrem gemeinsamen Vorgehen auch anderen Regionalmächte, dass gerade sie die Schlüsselakteure in der Syrien-Krise sind. Was Moskau betrifft, war dies schon nach Beginn der russischen Luftoperation in Syrien am 30. September klar. Die iranische Präsenz an der syrischen Front war lange zuvor zu erkennen gewesen, Teherans Hilfe für die syrischen Regierungskräfte ist von großer Bedeutung.

 

An den Kämpfen um Aleppo, von deren Ausgang in vielerlei Hinsicht auch der gesamte Kriegsausgang abhängen wird, nehmen sowohl iranische Militärs als auch schiitische Gruppierungen aus verschiedenen Ländern teil, die von Teheran finanziert und kontrolliert werden. Dabei handelt es sich vor allem die libanesische Hisbollah sowie Gruppierungen aus irakischen und afghanischen Schiiten. Allerdings brauchen diese Kräfte dringend Unterstützung aus der Luft, die im notwendigen Umfang nur Moskau leisten kann.

 

Quelle: Sputnik