Die Lage der Flüchtlinge in Como befeuert die Debatte über die Schweiz als Asyltransitland. Das Grenzwachtkorps versucht, an der Grenze jene Flüchtlinge zu stoppen, die über die Schweiz in nordeuropäische Länder gelangen wollen.

 

Doch haben auch Personen, die in der Schweiz ein Asylgesuch stellen, oft nicht vor, zu bleiben: Im ersten Halbjahr 2016 sind in der Schweiz 4833 Asylsuchende untergetaucht. Das sind fast so viele wie im ganzen letzten Jahr. Die meisten stammen aus Nigeria, Eritrea, Gambia oder Marokko.

 

226 von ihnen sind unbegleitete Minderjährige. Die Kinder und Jugendlichen verschwanden vor allem in den Sommermonaten Juni und Juli. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) geht davon aus, dass Asylsuchende, die kaum eine Chance auf einen positiven Entscheid haben, die Schweiz rasch verlassen.

 

 

Nun zeigen neue Zahlen, dass ein Grossteil dieser Asylsuchenden nach Deutschland zieht: Zwischen Januar und Juni zählten die deutschen Behörden entlang der Grenze zur Schweiz 2300 Personen, die ohne gültige Papiere nach Deutschland einreisten. Mit den Juli-Zahlen dürften es mindestens 3000 sein, rechnet man in Deutschland. Viele von diesen Personen hatten bereits in der Schweiz ein Asyl­gesuch gestellt. Die Regierung des stark betroffenen Landkreises Konstanz wünscht effizientere Grenzkontrollen. Sie hat dieses Anliegen bei der Schweizer Botschafterin deponiert.

 

Die deutschen Behörden versuchten in den ersten sieben Monaten dieses Jahres, über 900 Asylsuchende in die Schweiz zurückzuschaffen. Die Schweiz bewilligte im gleichen Zeitraum jedoch nur rund 200 solche Gesuche; 71 Personen nahm sie effektiv zurück. Für jene Personen, die bereits in einem anderen europäischen Land registriert wurden, sei die Schweiz nicht zuständig, begründet das SEM die abgelehnten Übernahmegesuche.

 

Dass die Schweiz ein Asyltransitland ist, beschäftigt auch die Schweizerische Flüchtlingshilfe (SFH). Heute reist Generalsekretärin Miriam Behrens an die Schweizer Südgrenze ins Tessin. «Die stärkeren Kontrollen machen das Transitphänomen sichtbar», sagt Constantin Hruschka, Leiter des SFH-Rechtsdienstes. Es sei nicht klar, seit wann Flüchtlinge die Schweiz in diesem Ausmass als Durchgangsstation nutzten.