Auch im ehemaligen Leningrad wurden unsere Friedensfahrer aufs Herzlichste begrüßt. Ergreifende Szenen spielten sich beim Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkrieges ab. Jeweils mehrere hundert Menschen beider Nationen besuchten die Gedenkveranstaltung.

 

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Owe Schattauer (v.li.) und Rainer Rothfuß gelobten, alles in ihrer Macht stehende gegen den Ausbruch eines weiteren Krieges zu unternehmen

 

NuoViso-Reporter Daniel Seidel berichtet: Wir kommen kurz nach elf mit einem Dutzend Friedensfahrern, in großen Wohnmobilen, am Partisanenmahnmal Luga an. Ein hohes Denkmal, das eine Frau zeigt, es ist mindestens 30 Meter hoch, steht auf Hügel. Als wir ankommen, sind nur wenige da. Ich sehe, dass mehrere Hundert Russen da sind. Tänzerinnen in Kostümen, Soldaten in Uniformen. Eine Handvoll Polizisten, die sich sehr zurückhalten. Die Russen waren alle sehr diskret festlich gekleidet. Ich habe mit Filmen alle Hände voll zu tun.
 
Ungefähr eine Stunde nach unserer Ankunft kommen dann auch die anderen Friedensfahrer aus Pskow am Denkmal an. Als Owe Schattauer und Rainer Rothfuß eintreffen, werden sie von Politikern und Repräsentanten begrüßt. Inzwischen sind mehrere Hundert Menschen da. Ein Meer von Autos parkt am Rande des Geländes.

 

Mit viel Musik und Tanz wurden unsere Friedensfahrer am Kriegsmahnmal Luga begrüßt.

 

Wie bei den Russen üblich, werden wir mit Brot und Salz begrüßt. Es kommt Kalinka-Musik. Owe, Rainer und andere Teilnehmer gehen die Treppe zum Denkmal hoch. Zwei Dutzend Journalisten sind anwesend. Jeder versucht, das beste Bild einzufangen. Auf dem Podest vor der Statue sind Lautsprecher aufgebaut. Auch zwei sehr attraktive Damen mit einem Sowjetstern auf den Mützen, stehen da.  Ich entdecke Kriegsveteranen zwischen ihnen, trotz ihres hohen Alters gingen sie ohne Stock und würdevoll die Treppe hoch. Sie stehen die ganze Zeit, während der Reden. Ich habe großen Respekt vor ihnen.

 

Juri Andrejewitsch Minin, Vorsitzender des Komitees für auswärtige Beziehungen, des Bundeslandes Leningrader Gebiet, begrüßt die Angereisten: „Viele Menschen die heute hier sind, sind ungeachtet des politischen Klimas, das um unser Land herum geschaffen wird, über viele Kilometer hier her gefahren, und sind somit ein Symbol für unsere Freundschaft, zwischen unseren Staaten. Sie sollen wissen, dass die Einwohner Russlands Ihre Friedensfahrt aufmerksam verfolgen.“ Das russische Staatsfernsehen habe den Beginn der Tour in Berlin sogar Live übertragen.

 

Eine Einwohnerin St. Petersburgs spricht: „Das deutsche und das russische Volk haben im Laufe ihrer Geschichte sehr viele schmerzliche Erfahrungen machen müssen, und gerade unsere Völker wissen, wie wichtig der Frieden ist.“

 

Oleg Michailowitsch Malaschenko, Bürgermeister des Landkreises Luga: „Wir wollen alle nur Eines: Einen friedlichen Himmel über unseren Köpfen, wir wollen, dass in unseren Häusern Kinderlachen erklingt, und wir wollen für unsere Kinder eine friedliche Zukunft.“

 

Rainer Rothfuß spricht: „Danke, dass Sie uns so herzlich empfangen haben. Wir müssen es uns ganz lebendig vorstellen, wie schlimm Krieg ist. Das Leid, das damals geschehen ist, darf nie wieder geschehen! In den letzten Jahren hat uns allen das Herz geblutet, als wir gesehen haben, wie unsere Medien einseitig Propaganda gegen ein ganzes Volk gemacht haben, gegen Russland, und die Politik nach und nach mitgeholfen hat, die Gräben tiefer zu machen.

 

Owe Schattauer (v.li.) und Rainer Rothfuß gelobten, alles in ihrer Macht stehende gegen den Ausbruch eines weiteren Krieges zu unternehmen.

 

Wir haben gesagt: Wir lassen uns nicht mehr länger manipulieren! Wir können die Ungerechtigkeiten nicht mehr hören, mit Olympia, mit Eurovision und mit NATO-Manövern. Es ist überwältigend, welche Liebe, welche Gastfreundschaft uns hier entgegen kommt. Wir haben das noch nie erlebt, in keinem anderen europäischen Land.“

 

Owe Schattauer bedankt sich, dass die Russen so gutes Wetter für die Veranstaltung bestellt hätten. „Es gibt zwei ganz wichtige Ausdrucksformen, die keine Sprache brauchen: Das Lachen und das Weinen. Ich kann Ihnen jetzt schon sagen: Auf den ersten fünf Tagen unserer Friedensfahrt hat Jeder von uns gemeinsam mit den Menschen gelacht und geweint. Das sollte uns zeigen, dass wir alle gleich sind. Wir wollen alle nur in Frieden leben.“

 

Schweigeminute für Opfer des Zweiten Weltkriegs. Trauermusik erklingt während der Schweigeminute. Das Schlagen eines Taktstocks ist zu hören, gefolgt von einem lauten Gong. Zwei Soldaten tätigen Salutschüsse, tragen einen Kranz bis hinter die Statue. Dort befindet sich eine kleine Kapelle mit Blumen und Gedenktafeln, wo sie den Kranz niederlegen.

Rainer Rothfuß und Owe Schattauer legten in der Gedenkkapelle ein Blumengesteck nieder.

 

Auch Schattauer und Rothfuß legen einen Kranznieder, gefolgt von den deutschen Friedensfahrern, die ihrerseits Blumen niederlegen.

 

In der Kapelle berichtet eine alte Russin den versammelten Friedensfahrern von Ihrem erlebten Kriegsleid, sie bricht dabei in Tränen aus. Auch Owe Schattauer weint, er sinkt auf die Knie und ergreift bittend ihre Hände: „Bitte verzeihen Sie uns, Großmutter!“ Professor Rothfuß stimmt einen Ruf im Chor mit den Deutschen an: „Nie wieder Krieg! Nie wieder Krieg!“ Die versammelten Russen wiederholen die Rufe in ihrer Sprache. Russen und Deutsche begegnen sich anschließend bei einem Imbiss, es gibt Brötchen und Gurken, der Wodka fließt dabei in Strömen. Zeit für kurze Gespräche mit den Mitreisenden. Alle sagen, dass sie sehr ergriffen seien von der Würde und Trauer bei der Gedenkveranstaltung.

 

Nach ergreifenden Gedenkreden legten die Friedensfahrer Blumen in der Kapelle am Kriegsmahnmal nieder.

 

Ab14.30 Uhr fährt der Konvoi weg. Alle Friedensfahrer sagen, die Veranstaltung sei sehr ergreifend gewesen. Von da bis ins Stadtinnere brauchen wir eine ganze Stunde.

 

19 Uhr besichtigen einige Teilnehmer eine Klinik, in der russische alternative Heilmethoden vorgestellt werden. Ich und meine Freunde sind nicht dabei. Wir haben beschlossen, heute früh schlafen zu gehen, damit wir endlich einmal wieder ausgeschlafen sind, am nächsten Tag.

 

21.30 Uhr gehen wir aber doch noch mal an die Strandpromenade der Ostseestadt. Ein überwältigender Anblick  St. Petersburger Skyline rundet den Abend ab.

 

Dieser Text ist mit der Genehmigung von www.activist4you.at übernommen worden.

 

Quelle: free21