Die Starts der russischen Langstreckenbomber vom iranischen Stützpunkt Hamadan aus, der von größter Bedeutung für den Anti-Terror-Kampf in Syrien ist, verändern das Kräfteverhältnis im Nahen Osten: Ein neues „Schwergewicht“ in der Region überwiegend sunnitischer Länder ist der schiitische Iran, wie die Zeitung „Kommersant“ am Freitag schreibt.

 

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Laut den „Kommersant“-Experten löst Teheran mit der Bereitstellung des Stützpunktes für Angriffe gegen die Islamisten in Syrien gleichzeitig auch eigene Herausforderungen – zum Beispiel das Feilschen mit dem Westen um die Stärkung seiner Position im Kampf gegen Saudi-Arabien. Die militärische Partnerschaft mit Moskau wird für den jüngst von westlichen Sanktionen befreiten Iran zum Instrument, um zum Global Player aufzusteigen.

 

Moskau und Teheran rechnen damit, dass die am 16. August begonnene Nutzung des iranischen Stützpunktes für russische Luftangriffe gegen IS-Stellungen den Verlauf des Syrien-Einsatzes ändern wird. Er könnte letztlich gar DIE entscheidende Rolle im andauernden Kampf um die zweitgrößte syrische Stadt Aleppo werden.

 

„Jetzt ist eine Euphorie über die Erweiterung der Möglichkeiten Russlands dank der neuen Kooperation mit dem Iran in Syrien zu spüren. Mit dieser Zusammenarbeit stärkt Moskau aber auch seine geopolitische Präsenz in der gesamten Nahost-Region“, sagt der Experte des Russischen Rats für internationale Angelegenheiten, Maxim Sutschkow.

 

Und trotzdem tat sich Teheran schwer mit dem Beschluss, Moskau den Stützpunkt zur Verfügung zu stellen: Der Vorschlag wurde von den iranischen Konservativen stark kritisiert. Allerdings überzeugte der Parlamentsvorsitzende Ali Laridschani sie von den Vorteilen des neuen Deals mit Moskau. Moskau teile Teherans Position im Jemen-Konflikt und habe das richtige Verständnis von der Situation in der Region, so Laridschani.

 

„In Moskau stellt sich bislang kaum jemand die Frage nach dem iranischen Interesse an der Bereitstellung des Stützpunktes Hamadan. Doch neben konkreten Aufgaben in Syrien, die in der Unterstützung der Regierungskräfte und der Sicherung der Kontrolle über die wichtigsten Gebiete besteht, nutzt Teheran die militärtechnische Kooperation mit Russland auch zur Lösung eines breiteren Spektrums von Aufgaben zur regionalen Dominanz“, so Sutschkow.

 

Teheran könne damit an Gewicht bei Konfrontationen mit Saudi-Arabien und allgemein an geopolitischem Status gewinnen.

 

Für Moskau sei es nun wichtig, sich nicht zum Teil des iranischen Spiels machen zu lassen. „Eine solche Entwicklung würde eine Schwächung der russischen Außenpolitik in der Region fördern und von den realen Aufgaben ablenken“, warnt Sutschkow.

 

Dieser Meinung ist ebenfalls der Experte des Moskauer Carnegie-Zentrums, Alexej Malaschenko.

 

„Mit der Bereitstellung des eigenen Stützpunktes an Russland löst der Iran zugleich mehrere Probleme: Erstens bekommt er ein gewichtiges Argument zum Feilschen mit dem Westen – er erinnert diesen an sein Bündnis zu Russland, das dem Iran ein sicheres Hinterland gewährleistet. Zudem sendet der Iran ein eindeutiges Signal an Saudi-Arabien, dass Teheran mit der Stationierung von russischen Fernfliegerkräften in Hamadan in der Region russische  Deckung bekommt. Die Kooperation mit Moskau wird im Ganzen zum Instrument, um sich nicht mehr als regionaler, sondern als Global Player zu positionieren“, so Malaschenko.

 

Übersetzt auf Deutsch von Sputnik