Russland testet einem Zeitungsbericht zufolge eine neue luftgestützte Anlage, die fähig sein soll, nicht nur gegnerische Maschinen, Leitzentralen und Radare zu orten, sondern auch im Sinne der elektronischen Kampfführung zum Einsatz zu kommen. Experten sehen darin Vorteile im Vergleich zum US-Pendant AWACS, berichtet Sputnik.

 

Wie die russische Tageszeitung „Iswestija“ am Montag berichtet, soll die luftgestützte Radaranlage A-100 Premier im März des kommenden Jahres ihren ersten Testflug absolvieren. Am Projekt arbeiten Dutzende russische Rüstungsbetriebe mit.

 

Ein Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums sagte dem Blatt, die Tests an bodengestützten Prüfständen seien bereits abgeschlossen. Als Trägersystem für den ersten Testflug komme voraussichtlich ein Il-76MD-Flugzeug zum Einsatz. Generell sei aber geplant, die modernere Il-76MD-90A (bekannt auch als Il-476) als Trägersystem zu nutzen.

 

„Derzeit stehen alle Termine fest, die Rüstungsindustrie hat ihnen zugestimmt (…) Die Arbeiten zielen darauf ab, alle Radar-Ausrüstungen mit einer Il-76MD zu testen und zu justieren, um sie dann auf eine Il-476 zu übertragen. Diese soll, wenn alles nach Plan läuft, im Jahr 2018 erstmals mit der A-100-Anlage in den Himmel steigen“, so der Sprecher.

 

Die A-100-Anlage gilt als multifunktionelles Aufklärungs-, Warn- und Leitsystem. Faktisch handelt es sich, wie das Blatt schreibt, um eine luftgestützte Führungszentrale, deren Besatzung automatisierte Systeme nutzt, um Fliegerkräfte und bodengestützte Flugabwehrwaffen zu lenken und ihnen Ziele zuzuweisen. Bei Bedarf sei diese Anlage fähig, sich selbst und neben ihr fliegende Flugzeuge durch elektronische Störungen vor gegnerischen Radaren zu schützen.

 

Das A-100-Projekt kombiniert demnach ein Phased-Array-Radar mit funktechnischen Aufklärungssystemen und Instrumenten der elektronischen Kampfführung und hat damit Vorteile im Vergleich zu US-amerikanischen AWACS-Flugzeugen, wie der russische Militärexperte Alexej Leonkow erläuterte.

 

„Die Stationen der elektronischen Kampfführung hielten das eigene Radar nieder. Dieses wurde auch von Aufklärungsstationen gestört. Deshalb musste die US-Luftwaffe auf solche Anlagen verzichten, da die Kampffähigkeiten der AWACS-Flugzeuge reduziert und so vulnerabel wurden“, so Leonkow.

 

Die genauen technischen Parameter des neuen russischen Luftradars werden geheim gehalten, doch vermutlich ist jenes nach Angaben des Blattes in der Lage, gegnerische Jagdflugzeuge aus mehr als 600 Kilometer Entfernung und Überwasserschiffe aus 400 Kilometer Entfernung zu orten.

 

Die Arbeiten am A-100-Projekt hatten bereits Anfang der 2000er Jahre begonnen. Ursprünglich war der Erstflug für 2015 geplant. Dann wurde aber beschlossen, die Il-476 als moderneres Trägersystem einzusetzen. Deswegen wurde der Termin verschoben.