Der „Doping-Krieg“ scheint das Interesse der Russen für die Sommerspiele in Rio nur geschürt und die Athleten zusätzlich motiviert zu haben, wie die russische Onlinezeitung gazeta.ru in einem Kommentar feststellt.

 

312218011

 

„Das waren zweifelsohne die skandalösesten Spiele seit jenen Olympia-Boykotten, als die USA und ihre Verbündeten die Sommerspiele 1980 in Moskau, und dann vier Jahre später die Länder des ‚sowjetischen Blocks‘ im Gegenzug die Wettkämpfe in Los Angeles boykottiert hatten. Nun balancierte Russland erstmals in seiner Geschichte am Rande einer vollständigen Olympia-Sperre“, kommentiert gazeta.ru.

 

Die Doping-Skandale und Schlagzeilen rund um Russlands Olympia-Teilnahme sollen dazu das Interesse der Russen verstärkt haben. Wie die Zeitung eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes WZIOM zitiert, haben 56 Prozent der russischen  Staatsbürger aktiv die Olympischen Spiele in Rio verfolgt.

 

„Das ist viel, und zwar nicht nur im Hinblick darauf, dass die Einschaltquoten von Sportsendern und Sportübertragungen in Russland traditionell niedrig sind. Es kommt überhaupt selten vor, dass mehr als die Hälfte der Russen ein lang andauerndes Ereignis aktiv verfolgen“, so der Kommentar.

 

Russlands Olympia-Team sei außerdem im Großen und Ganzen den Erwartungen seiner Fans gerecht geworden und habe würdig abgeschnitten: „Selbst wenn die gesperrten Leicht- und Schwerathleten dabei gewesen wären, hätten wir objektiv keine Chance gehabt, die USA abzuhängen, die als einziges Land die symbolische 100-Medaillen-Marke erreichen konnten. Aber auch China und Großbritannien, die bis zuletzt um den zweiten Rang in der inoffiziellen Mannschaftswertung kämpften. Der Thriller um die Olympia-Zulassung der russischen Sportler verschärfte nur unsere Wahrnehmung der Siege in Rio und motivierte zusätzlich die Sportler selbst.“

 

„Der Doping-Krieg Russlands (oder gegen Russland) geht mit den Sommerspielen in Rio nicht zu Ende. Die unabhängige Wada-Kommission (Welt-Anti-Doping-Agentur – Anm. d. Red.) mit Richard McLaren an der Spitze erhielt ein IOC-Mandat, um die Vorwürfe weiter zu untersuchen, wonach die Dopingproben russischer Sportler bei den Winterspielen in Sotschi manipuliert worden sein sollen (…) Möglicherweise werden diesbezüglich Fragen aufkommen, ob Russland an den Winterspielen 2018 teilnehmen darf. Unsere Sportbeamten sollten sich also nicht zu früh entspannen“, mahnt gazeta.ru.

 

Im Kommentar wird darauf hingewiesen, dass bei den Spielen nicht die Länder, sondern die Athleten wetteifern sollen: „Auch in unserem Gedächtnis bleiben vor allem die Athleten als Helden – etwa unsere nun vierfachen Olympiasiegerinnen im Synchronschwimmen, unsere Fechter und Fechterinnen, die am meisten Gold ernteten, und die Schwimmerin Julia Jefimowa, die wie durch ein Wunder zur Teilnahme gelangt war und drei Medaillen holen konnte. Und allem voran Jefimowas Tränen vor Schmerz, Freude, Erschöpfung. Auch unsere heroischen Handballspielerinnen mit ihrer Trainer-Legende Jewgeni Trefilow werden wir nicht vergessen: Am 20. August steckte unser ganzes Land wirklich im Handball-Fieber und feierte unser erstes Gold seit 36 Jahren in dieser Sportart.“

 

„Die Pfiffe auf den Tribünen und Schiedsrichter-Skandale, ohne die keine Olympischen Spiele auskommen, werden dagegen bald in Vergessenheit geraten. Die Spiele in Rio konnten uns davon überzeugen, dass die Vorschläge eines Boykotts völlig fehl am Platz waren. Mehr als 50 Medaillen, die Russland holen konnte, haben alles bewiesen“, so die Onlinezeitung weiter.

 

„Unser Land ist nach wie vor eine Sport-Großmacht. Diese Größe darf allerdings weder unsere Probleme ausblenden noch unseren Wunsch aufheben, ein würdiges Mitglied der Olympia-Familie zu sein. Wir sind fähig, fair zu siegen und zu verlieren, und müssen zu keinen verbotenen Tricks greifen“, heißt es im Kommentar zum Schluss.

 

Quelle: Sputniknews