Oppositionelle Politiker, einfache Bundesbürger und selbst CDU-Mitglieder sind der „Wir schaffen das“-Losung der Kanzlerin inzwischen überdrüssig, wie das US-Magazin „Politico“ schreibt. Ein Jahr nach Ausbruch der Flüchtlingskrise wird die Parole für Angela Merkel zu einem PR-Fiasko.

 

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„Wir schaffen das!“ sei Merkels übermutige Antwort auf die Herausforderung der Flüchtlingskrise gewesen, die ganz Europa ergriffen hat, schreibt das Magazin. Die Losung der Bundeskanzlerin sorge bis heute für Resonanz – mittlerweile allerdings für unerwünschte. Immer und immer wieder wiederholte die Bundeskanzlerin ihren Zauberspruch. Inzwischen sorge sie damit selbst bei Parteikollegen für Unmut.

 

„Die Menschen haben diesen Spruch einfach satt“, erklärt der CDU-Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann. „Die Bundesregierung hat im Umgang mit der Flüchtlingskrise hervorragende Arbeit geleistet. Wenn sie aber ständig ‚Wir schaffen das‘ wiederholt, sendet sie ein falsches Signal“, ist der CDU-Politiker überzeugt.

 

Im vergangenen Jahr habe die Bundeskanzlerin mit ihrem Spruch Tausenden Flüchtlinge Tür und Tor geöffnet. „Angela Merkel hatte gute Absichten“, schreibt Politico. Nachdem sie diesen Satz aber monatelang verwendete, um ihre Politik zu rechtfertigen, sei er für die deutsche Regierungschefin zu einem Kommunikations-GAU geworden.

 

„Diese Phrase ist ein schillerndes Beispiel dafür, dass die Sprache nicht nur ein schmückendes Beiwerk zur Politik ist. Sprache ist Politik“, kommentiert die Kognitionswissenschaftlerin Elizabeth Welling von der Berkeley University Merkels Strategie.

 

Das Ziel der Bundeskanzlerin habe darin bestanden, bei den Bürgern ein Gefühl von Gemeinschaft und Empathie zu erzeugen. Doch sie habe ihren Satz ohne Gegengewicht eingesetzt, weshalb nun, so die Wissenschaftlerin, Merkels Kritiker diese Phrase gegen sie verwenden können. Am meisten haben letztlich die Rechtspopulisten von der AfD vom beschwörenden Spruch der Kanzlerin profitiert, wie „Politico“ schreibt.

 

„Wir wollen das überhaupt nicht schaffen“, sagte beispielsweise AfD-Vize Alexander Gauland.

Dr. Joachim Scharloth, Professor für angewandte Linguistik an der TU Dresden, sagt, dass Merkels Leitspruch geradezu prädestiniert für Fehlinterpretationen sei: „Wenn sie sagt ‚Wir schaffen das‘, was meint sie damit eigentlich? Für sich genommen trägt der Satz keinen besonderen Inhalt“, erklärt der Linguist. „Wichtiger aber ist, dass sie es für notwendig erachtete, diesen Satz immer und immer wieder zu verwenden. Das sieht nicht gerade nach einer effektiven Kommunikation aus“, betont der Professor.

 

Jüngsten Umfragen zufolge glauben zwei von drei Bundesbürgern nicht, dass die Bundesrepublik „das“ schaffen kann. Nur noch 27 Prozent der deutschen Bevölkerung unterstützen Angela Merkels Politik in der Flüchtlingskrise.