Wolfgang Bosbach hat nichts mehr zu verlieren. So scheint es jedenfalls. Leider sind Politiker erst dann dazu im Stande die Wahrheit zu sagen, wenn sie aus der Politik scheiden oder schon in Rente sind. Wir hätten einfach gerne mehr Politiker im Amt, welche bei der Politik gegen die Bevölkerung sagen: Nein, ich mach da nicht mit! Aber es geht um viel Geld, Machtverlust und Existenzängste. Ein Politiker ist auch nur ein Mensch.

 

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Der scheidende CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach ist mit der Politik der Union in der Flüchtlingskrise hart ins Gericht gegangen. In einem Interview mit dem Blatt «Bild» sagte Bosbach: Die Flüchtlingspolitik sei «eine Politik, die kann ich nicht aus Überzeugung mittragen». Außerdem gebe es eine Kluft zwischen Parteispitze und Basis, sagte Bosbach. «Die Stimmung an der Basis ist in weiten Teilen eine ganz ganz andere als in der Fraktion und im Parteipräsidium.»

 

Dennoch habe ihn niemand zum Verzicht auf sein Mandat gedrängt.

 

«Nein, ich gehe freiwillig. Keiner hat mich herausgetrieben.» Der Entschluss sei schon länger gereift. «Ich bin im Juli 2015 von meinem Amt als Vorsitzender des Innenausschuss zurückgetreten. Das war der erste Moment, an dem man darüber nachdenkt, wie geht es eigentlich weiter?» Sowohl sein Alter, als auch sein Gesundheitszustand hätten bei dem Rückzug eine Rolle gespielt, sagte Bosbach. «Ich bin in der sechsten Wahlperiode. Mit Mitte 60 muss man sich gut überlegen, ob man weitere vier Jahre hart arbeiten will.»

Politiker und Prominente haben die Verdienste des bekannten CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach gewürdigt, der 2017 nicht mehr für den Bundestag kandidieren will. Der frühere Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) sagte:

 

«Ich war immer beruhigt, dass Wolfgang Bosbach die CDU/CSU-Fraktion in Wallung bringen konnte und weniger die SPD. Auch deshalb – schade, dass er 2017 nicht mehr will! Aber Respekt dem Kontrahenten. Er hat Sachkunde, und seine Meinung wird blitzschnell öffentlich. Dazu braucht man Mut, manchmal Übermut. Trotz alledem: Glück auf.»

 
Wagenkencht lobt Charakter Bosbachs
Die Fraktionsvorsitzende der Linkspartei, Sahra Wagenknecht, sagte:

 

«Ich habe oft vieles anders gesehen als Wolfgang Bosbach, aber ich habe immer gern mit ihm gestritten, weil man bei ihm spüren konnte: Da argumentiert einer aus Überzeugung und nicht aus Parteiräson. Bosbach hat seine Sicht der Dinge eben nicht nur gegenüber der politischen Konkurrenz, sondern, wenn notwendig, auch gegen die eigene Parteispitze vertreten. Dazu gehört Charakter, und den verlieren in der Politik leider allzu viele.»

Der TV-Moderator Günther Jauch sagte, Bosbach sei im besten Wortsinne ein Volksvertreter.

 

«Den Rückzug von Wolfgang Bosbach bedauere ich sehr. Er ist einfach ein sehr guter Volksvertreter, der den Artikel 38 unseres Grundgesetzes immer ernst genommen hat: Er fühlte sich an Aufträge und Weisungen nicht gebunden, sondern vertraute stets seinem Gewissen. Wolfgang Bosbach spricht immer Klartext und er geht vor dem politischen Gegner nicht in taktische Deckung. Vielleicht ist er auch deshalb nie Minister geworden.»

 

Quelle: Contra Magazin