Ein Jahr nach Merkels „Wir schaffen das“ ist kein Ende der Migrationskrise in Sicht. Während Politiker und Bürger in Deutschland dem berühmtberüchtigten „Gebot“ ihrer Kanzlerin immer hartnäckiger widersprechen, nehmen auch Nachbarstaaten kein Blatt mehr vor den Mund und kritisieren die Willkommensformel ungewöhnlich scharf.

 

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„Die ‘Wir schaffen das’- Politik ist unverantwortlich“, sagte jüngst der österreichische Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) gegenüber der Kronen-Zeitung. Mit ihrem Motto habe Merkel die Migranten lediglich dazu ermuntert, erst nach Europa zu kommen. Das sei ein „fatales Signal“ gewesen.

 

Man brauche nur nach Italien zu schauen, das „überfordert und allein gelassen» werde.

 

„Wenn mitten in Mailand Zelte für Flüchtlinge aufgestellt werden müssen, kann doch keiner wirklich behaupten, dass wir diesen Zustrom in vernünftiger Weise bewältigen», erklärte Doskozil.

 

Und an die Adresse von Merkel sagt er:

 

„Österreich ist nicht das Wartezimmer für Deutschland.»

 

Polens Außenminister Witold Waszczykowski wiederum  meint, Deutschland verfolge oft „ausschließlich das eigene Ziel“. In der Flüchtlingsfrage müssten die Sicherheit des eigenen Landes sowie die Sozial- und Beschäftigungspolitik im Vordergrund stehen. „Nicht alle in Europa können sich so eine Politik, wie Deutschland sie vorschlägt, leisten.“

 

„Viele Länder, darunter auch Polen, haben sehr begrenzte Kapazitäten und Möglichkeiten», so Waszczykowski laut Spiegel Online.

 

Der bulgarische Ministerpräsident Bojko Borissow hat unterdessen vor einem Ende des Flüchtlingsabkommens mit der Türkei gewarnt.

 

„Wer droht, er könne Europa mit Migranten überfluten – was wird der machen, wenn dieses Europa jetzt ein Abkommen mit ihm kündigt?“, fragte der Politiker rhetorisch gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Dann muss er diese Drohung wahr machen.“

 

Sein Land fordere, dass die EU es bei der Sicherung der gemeinsamen Außengrenze zur Türkei stärker unterstütze. Im Moment werde Bulgarien praktisch alleingelassen.

 

„Ich weiß nicht, wie lange wir dem Migrationsdruck an unserer Grenze noch standhalten können.“

 

Vor diesem Hintergrund trifft sich Merkel am Freitag in Warschau mit den Regierungschefs der Visegrad-Staaten (Tschechien, Ungarn, Slowakei, Polen) zu Mittag. Das Gespräch wird alles andere als einfach sein: Die vier Länder sind die entschiedensten Gegner von Merkels Flüchtlingspolitik.

 

Europa ist mit der schwersten Migrationskrise seit dem Zweiten Weltkrieg konfrontiert. Kriege im Nahen Osten und in Nordafrika und die damit eingehgehenden Wirtschaftsprobleme veranlassen Hundertausende Menschen dazu, in der ruhigen EU ein neues Zuhause zu suchen.

 

Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) vom vergangenen Dienstag trafen seit Jahresbeginn über das Mittelmeer bereits 263.000 Flüchtlinge in Europa ein, darunter mehr als 160.000 in Griechenland und mehr als 100.000 in Italien.

Quelle: Sputniknews