Bundeskanzlerin Angela Merkel hat deutsche Konzerne um Hilfe bei der Integration der Einwanderer gebeten, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch.

 

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„Wenn sich Flüchtlinge über Arbeit in Deutschland integrieren, ist das ein Gewinn für alle“, sagte Merkel.

 

Laut einer Umfrage der „FAZ“ haben Dax-Konzerne bislang nur 54 Flüchtlingen einen Job gegeben.

 

Mitte September will Merkel zu diesem Thema mit Vertretern der deutschen Wirtschaft sprechen. Bereits vor einem Jahr begrüßten sie die Flüchtlingspolitik Merkels als „Chance für die deutsche Gesellschaft“. Allerdings wurde bislang wenig unternommen.

 

Laut dem Präsidenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer, ist die Integration von Flüchtlingen ein langer Weg. Darüber müsse sich auch die Politik im Klaren sein.

 

„Von dem Tag, an dem ein Flüchtling deutschen Boden betritt, bis zu dem Punkt, wo er in der Lage ist, eine Ausbildung oder Einstiegsqualifizierung anzufangen, vergehen nach unserer Erfahrung durchschnittlich zwei Jahre. Kernproblem sind die fehlenden Sprachkenntnisse – und deren Erwerb braucht Zeit“, sagte Schweitzer.

 

Wie der Nachrichtensender n-tv berichtet, kam die Bundesagentur für Arbeit in ihrer jüngsten Einschätzung zu dem Ergebnis, dass sich bis Ende Juni 297.000 Flüchtlinge als arbeitssuchend gemeldet haben – fast 74 Prozent von ihnen hätten allerdings keine Berufsausbildung. Lediglich 25,8 Prozent hätten demnach Abitur; 36,8 Prozent hätten gar keinen oder nur einen Hauptschulabschluss. Weiterhin komme für knapp 58 Prozent der Gemeldeten nur eine Hilfstätigkeit in Frage, lediglich vier Prozent seien für Expertentätigkeiten geeignet, so n-tv.

 

Nach n-tv-Angaben müssten für die Flüchtlinge die jährlichen öffentlichen Bildungsausgaben – etwa für mehr Kita-Plätze und Lehrer für zusätzliche 200.000 Schulkinder – um insgesamt 3,5 Milliarden Euro erhöht werden. Damit können die sechs Milliarden Euro Haushaltsprofizit, von dem Finanzminister Wolfgang Schäuble so gerne spricht, der Regierung zugutekommen.

 

Was bedeuten die jetzigen Handlungen der Bundeskanzlerin? Das im Juli verabschiedete Integrationsgesetz, das vor allem Maßnahmen zur Eingliederung von Einwanderern in den Arbeitsmarkt vorsieht, scheint nicht zu funktionieren. Die Bundesregierung steht unter Zeitdruck. Die Bundestagswahlen finden bereits im nächsten Jahr statt. Falls sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt zuspitzt, wird dies ein weiteres Argument für die Gegner der jetzigen Flüchtlingspolitik sein. In diesem Fall wird es für die Bundeskanzlerin schwierig sein (und vielleicht sogar unmöglich), für die vierte Amtszeit zu kandidieren.

 

Zudem stellen die Schwierigkeiten bei der Lösung der Migrationsprobleme auch die deutschen Ansprüche auf die Führungsrolle in der EU-Gemeinschaft infrage, die nach dem Brexit gestiegen sind.