Ein Paukenschlag folgt dem nächsten im französischen Wirtschaftsministerium. Erst das „Non“ für das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP und dann der Rücktritt von Wirtschaftsminister Emmanuel Macron. Seit längerer Zeit wird der smarte Jungpolitiker als Nachfolge von Präsident Hollande gehandelt. Nachdem Frankreichs Ex-Präsident Sarkozy seine Kandidatur bekannt gab, könnte Macron der lachende Dritte werden.

 

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Er gilt schon seit längerer Zeit als der Hoffnungsträger für das angeschlagene Frankreich. Emmanuel Macron, Jahrgang 1977, wurde vor vier Jahren überraschend von Präsident Hollande als neuer Wirtschaftsminister Frankreich berufen. Und das mit knapp 35 Jahren, nachdem er zuvor eine beachtliche Karriere bei der französischen Investment-Bank Rothschild hingelegt hatte, wo er ziemlich schnell eine hohe Position erlangte. Die Entscheidung war deswegen überraschend, weil Macron nicht wirklich links, aber auch nicht wirklich rechts gilt. Ein Pragmatiker, dem man durchaus noch viel zutrauen kann

 

So überraschend wie der Rücktritt als Wirtschaftsminister kam, umso weniger überraschend dürfte nun die Tatsache kommen, dass er nun als Präsident im nächsten Jahr kandidieren möchte. Bereits im April gründete er seine eigene politische Bewegung, die den Namen „En marche!“ (zu dt. etwa bewegend) trägt. Damals reagierte der studierte Philosoph und Politikwissenschaftler, der unter anderem an der renommierten Sciences-Po abschloss, noch zurückhaltend auf eine mögliche Kandidatur im darauffolgenden Jahr. Doch Macron war bislang immer für eine Überraschung gut und nachdem Ex-Präsident Nicholas Sarkozy seine Kandidatur bekannt gab, könnte er darin seine durchaus guten Chancen erkannt haben als lachender Dritter zwischen den rechtem Sarkozy und dem linken Hollande der jüngste Präsident der französischen Republik gewählt zu werden.

 

Auch der geopolitische Informationsdienst Stratfor spekuliert schon darauf, dass der ehemalige Investment-Banker dem Sozialsten Hollande ziemlich gefährlich werden könnte. Denn wirklich zufrieden sind die Franzosen derzeit nicht mit dem amtierenden Präsidenten, aber das waren sie auch verständlicherweise nicht mit dem rechten Gegenpart Sarkozy, der mit seinen militärischen Interventionen gegen Libyen den Grundstein für den Zorn der arabischen Welt gegen Frankreich legte.Was dem jungen Politiker noch zugute kommen könnte ist die Tatsache, dass die sozialistische Partei in Frankreich derzeit gespalten ist und mit Arnaud Monetbourg und mit Premier Manuel Valls gleich mehrere mögliche Kanidaten gehandelt werden, die ebenfalls losgelöst von der Partei um das Präsidentenamt ins Rennen gehen könnten.

 

Bislang ist es noch zu früh, um die Chancen Macrons genau einschätzen zu können, doch sicherlich ist das junge Ausnahmetalent wohl doch aus einem anderen Holz geschnitzt als Hollande oder Sarkozy, die vor allem internationale Schlagzeilen machten, wenn es um ihre besseren Hälften ging. Sarkozy, der mit der deutlich jüngeren Chanson-Sängerin zusammen ist, der man zuvor Affairen mit US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump oder Mick Jagger nachsagte, strahlte einen gewissen Glamour-Effekt auf den farblos-konservativen Sarkozy aus.

 

Und der amtierende Präsident Hollande geriet durch seine Frauengeschichten, zuletzt mit der Schauspielerin Julie Gayet, auf die Titelseiten der Boulevard-Magazine. Während die beiden Ladies doch signifikant jünger sind als ihre männlichen Partner, hebt sich Macron, der mit seiner inzwischen 62jährigen Ex-Lehrerin verheiratet ist, wohl mehr als Mature-Hunting-Nice-Guy hervor.
Man kann Frankreich ja viel nachsagen, aber in der Pariser Politik geht es weniger langweilig zu als in der Berliner Republik. Und schon zu Zeiten des eisernen Vorhangs waren die seichten Erotik-Filme ein Export-Schlager, die den sonst so angeblich tristen Alltag in der DDR erheiterten.

 

Von Christian Lehmann