Nachdem in der New York Times ein Artikel veröffentlicht wurde, der WikiLeaks beschuldigt von Russland aus gesteuert zu sein, setzt sich der Chefredakteur der Transparenz-Plattform zur Wehr. Die Anschuldigungen seien reine Verschwörungstheorien und WikiLeaks habe auch genügend Material veröffentlicht, wo auch Präsident Putin und die Politik des Kremls kritisch durchleuchtet werde.

 

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Nachdem immer wieder kompromittierendes und brisantes Material über die US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton veröffentlicht wurde, häufen sich in den westlichen Medien die Stimmen der Kritik über die ständigen Leaks gegen Clinton und Co., deren Inhalt allerdings weniger behandelt wird, sondern man echauffiert sich mehr über die Tatsache, dass man solche Dinge veröffentlicht. Beispielsweise kritisiert man die Tatsache, dass man den Datenschutz von einzelnen Personen nicht ausreichend achte. Das mag vielleicht richtig sein, aber nachdem die Panama-Papers durch das Internationale Konsortioum für investigativen Journalismus (ICIJ) veröffentlicht wurde, war das Vertrauensverhältnis zwischen Anwalt und Mandaten auch kein Hindernis gewesen,um lang und breit eine Anti-Putin-Story draus zu machen.

 

Über den Hintergrund des ICIJ berichtete Contra Magazin bereits. Der Hype um die Leaks war dennoch so groß, dass man bereits in den westlichen Leitmedien WikiLeaks auf dem absteigenden Ast gesehen hatte. Doch mit den DNC-Leaks mitten im US-Wahlkampf meldete sich die Whistleblower-Plattform zurück, aber erntete vor allem Kritik. Vor allem wurden Gerüchte lautet, dass WikiLeaks mit dem „russischen Geheimdienst“ kooperiere, wonach sich nun WikiLeaks veranlasst sah ein wenig länger über die Anschuldigungen der renommierten New York Times zu antworten. Die folgende Twitter-Meldung verlinkt auf Twitlonger, wo man Erklärungen mit mehr als die vorgeschriebenen 140 Zeichen schreiben kann.

 

 

Assange dementiert hier unter anderem, dass Russland dem Journalisten ein Visum angeboten hat, nachdem er nun seit über fünf Jahren politisch von den USA verfolgt werde. Weiterhin weist er auch den Vorwurf der Einseitigkeit zurück, da er auch über Russland und Partner Syrien kritisches Material veröffentlicht habe, speziell über Präsident Bashar al-Assad, der auch gegen Aktivisten im eigenen Land vorgehe.

 

Russland wird im übrigen in Assanges aktuellem Buch „The WikiLeaks Files“ kritisch behandelt, so dass der Vorwurf der Einseitigkeit entkräftet ist. Gerüchte über eine Zusammenarbeit mit Russlands Diensten wie FSB, GRU oder SWR wurden immer lauter, nachdem sich die Leaks über Clinton und die Demokraten häuften, die man in westlichen Leitmedien längst zur heiligen Kuh machte. Seltener griff man die Möglichkeit auf, dass die Leaks aus interenen Kreisen der Demokraten stammen könnte. Beispielsweise wurde der Datenanalyst Seth Rich vor gut sechs Wochen in Washington umgebracht. WikiLeaks bestätigte, dass Rich hinter den Leaks stünde, aber dennoch wurden die Beziehungen zwischen WikiLeaks und dem Kreml durch weitere Berichte und Gerüchte befeuert, um wohlwollend den Wahlkampf der Demokraten zu begleiten.

 

 

Nicht Clinton sei der Dämon, sondern der Neo-McCarthysmus, der sich in den liberalen Medien abzeichne. Eine Anspielung auf den Republikaner Joseph McCarthy, der nach dem Ende des Zweiten Weltkrieg in den 1950er eine Kommunistische Verschwörung im Regierungsapparat der Vereinigten Staaten vermutete, was viele Denunziationen nach sich zog. Ähnlich verhalten sich nun die Medien in den USA und seinen Bündnispartnern, die in den aktuellen Enthüllungen von WikiLeaks eine pro-russische Kampagne erblicken.

 

 

Von Christian Lehmann