Langsam aber sicher dringen die Probleme in der ukrainischen Politik- und Medienlandschaft auch in westlichen Ablegern immer mehr zutage. Ob Deutsche Welle, Handelsblatt oder die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen berichten immer kritischer über das Land, nachdem man über zwei Jahre hinweg der Maidan-Sturz zelebriert wurde und an Problemen stets Russland die Schuld zugewiesen wurde.

 

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Nach zwei Jahren der Euphorie über die „demokratische Revolution“ , die ihren Anfang auf dem Maidan-Platz in Kiew hatte, wenden in den westlichen Leitmedien sich kritische Berichte immer deutlicher an Kiew und weniger an den Kreml. Lange wurde der Eindruck erweckt, dass für alles Unheil in der Ukraine alleine Russland verantwortlich sei, die der Ukraine weder eine funktionierende Demokratie noch eine freie Presse gönnen. Faschistische Bestrebungen, die über Jahre hinweg in der Ukraine immer größer wurden, verschwieg, verniedlichte oder relativierte man häufig auf eine kleine Randerscheinung. Alles Böse habe selbstverständlich seinen Ursprung in Moskau und jede Gegenstimme versuchte man als „Putinversteher“ oder „Kreml-Troll“ abzufertigen.

 

Nachdem bereits internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen oder die OSZE in ihren berichten von Folter in Geheimdienstgefängnissen sprach und auch in internationalen Medien das Faschisten-Problem immer öfters aufgegriffen wurde, liest man in den letzten Tagen auch in der hiesigen Presselandschaft vermehrt über Skandale und Misstände in der Ukraine. Die Wirtschaftszeitung Handelsblatt berichtet nun konkret über die Folterpraktiken des ukrainischen Geheimdienst SBU, nachdem es im Donbass 2014 zum Referendum über die Abspaltung von der Ukraine kam. Und auch die der russische Auftritt des Auslandssenders Deutsche Welle berichtet über die Folter eines Bergmanns aus dem Donzek-Becken.

 

So langsam aber sicher weicht der von Steuern finanzierte Auslandssender von seinen Plänen ab, sich in einen Anti-Putin-Sender zu verwandeln. Noch vor zwei Jahren hatte Intendant Peter Limbourg solche Pläne verfolgt, wie das Handelsblatt im September 2014 titelte. Allerdings hat sich in den zwei Jahren auch vieles verändert und der andauernde Bürgerkrieg in der Ukraine sowie die Unanbhängigkeitsbestrebungen im Westen des Landes, wie beispielsweise in der Bukowina, können nicht alle auf hybride Bestrebungen des Kremls herrühren. Viele westliche Medien haben sich durch einseitige und unglaubwürdige Berichte und Reportage beim Leser unglaubwürdig gemacht, nachdem man sich auf die politische Anti-Russland-Agenda politisch eingelassen hatte.

 

Die ukrainischen Medien, die oftmals auch Grundlage für deutsche Mainstream-Berichte waren, wurden nun kritischer von der Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen durchleuchtet, wo man „Ernüchterung“ nach dem Euromaidan feststellen musste. Während man zuvor noch die Tatsache gerne verschwieg, dass auch russische Reporter wie Andrej Stenin dem Bürgerkrieg in der Ukraine zum Opfer fiel und verstärkt die „russische Propaganda“ ins Visier nahm, wurde in einem längeren Bericht die ukrainische Medienlandschaft durchleuchtet, wo man unter anderem die veraltete Ausbildung aber vor allem auch die Verflechtung der Medien mit Politik und Oligarchie anprangerte.

 

Ähnliches könnte die Regierungsorganisation allerdings auch in Deutschland feststellen, wenn man sich die Leitmedien ein wenig genauer anschauen würde. Dies würde auch die einseitige Berichterstattung in der Ukraine über die Jahre hinweg erklären, aber auch die einseitige Auseinandersetzung mit Russland, auf das man sich seit der Wiederwahl von Präsident Putin immer mehr eingeschossen hatte.

 

 

Von Christian Lehmann