Altkanzler Gerhard Schröder hat Brüssel der fehlenden Intelligenz, die Bundesregierung politischer Fehlleistungen in der Ost-Politik bezichtigt, wie der NDR berichtet.

 

„Russland näher an die Europäische Union heranzuführen, war Kern der Außenpolitik meiner Amtszeit“, sagte Schröder beim Deutsch-Russischen Wirtschaftstreffen im niedersächsischen Bad Pyrmont.

 

In den letzten Jahren sei davon nun aber Abstand genommen worden, was nicht als gute Entwicklung betrachtet werden könne. Trotz aller „Missverständnisse mit Russland“ sollte man zur Partnerschaft zurückkehren. Während die USA Interesse an einem schwachen Russland anstelle eines globalen Konkurrenten hätten, müsste Europa Interesse an einem starken und stabilem Russland signalisieren.

 

„Das europäische, das deutsche Interesse, ist ein ganz anderes: Wir sind interessiert daran, dass wir ein partnerschaftliches Interesse zu einem stabilen Russland haben“, betonte der Alt-Kanzler. „Wohlstand und Sicherheit gibt es nicht ohne ein gutes Verhältnis zu einem starken Russland.“

 

 

Hinsichtlich der Ukraine seien zwar Fehler von beiden Seiten begangen worden, sagte Schröder, aber die entscheidenden Fehltritte seien von europäischer Seite gekommen. So sollte zum Beispiel bei Gesprächen zur Aufnahme der Ukraine in die EU auch mit Russland gesprochen werden. Konflikte könnten vermieden werden, „wenn man in Brüssel ein bisschen intelligenter — vielleicht auch ein bisschen politischer — gewesen wäre“, hieß es.

 
Außerdem übte der Ex-Kanzler Kritik an den westlichen Russland-Sanktionen:
 

„Wir brauchen nicht nur die Ressourcen, wir brauchen auch den Markt – das sind unsere Nachbarn“, betonte er. „Wir leiden mehr unter den Sanktionen als alle anderen im Außenhandel. Und warum sollten wir das eigentlich – wenn klar ist, dass von dieser Form der Sanktionen nicht viel Gutes zu erwarten ist.“ Schröder kommentierte auch das ihm von deutschen Medien verliehene „Etikett“ eines sogenannten „Putin-Verstehers: „Wenn man einander nicht mal versteht, wie will man denn dann Dialog führen?“

 
Quelle: Sputnik