Die Kontroversen zwischen den USA und der Türkei im Zusammenhang mit der Situation in Syrien werden zunehmend größer, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Donnerstag.

 

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Der Sprecher des Central Command der US-Armee, Oberst John Thomas, verkündete jüngst, die Türken und die Kurden hätten eine Waffenruhe vereinbart.

 

„Das ist zwar eine provisorische Vereinbarung für wenige Tage, aber wir hoffen, sie wird auch weiter eingehalten“, betonte er.

 

Auch der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, begrüßte den Waffenstillstand.

 

Allerdings wurden diese Informationen von einer Gruppierung der so genannten „moderaten Opposition“ Syriens dementiert. Auch Reuters berichtete unter Berufung auf eigene Quellen, die Streitkräfte hätten sich mit den Kurden nicht auf eine Waffenruhe geeinigt.

 

Der Sprecher des türkischen Außenministeriums, Tanju Bilgic, konnte diese Behauptungen auf eine entsprechende Anfrage des Senders Al Jazeera ebenfalls nicht bestätigen. Nach seinen Worten wird der Einsatz „Schutzschild Euphrat“ weitergehen, allerdings unter Berücksichtigung der territorialen Integrität Syriens.

 

Experten zweifeln daran, dass sich die Türken und die Kurden tatsächlich auf eine Waffenruhe einigen konnten.

 

„Ich denke, die Meldungen über den Waffenstillstand in Syrien entsprechen nicht der Wahrheit“, sagte die Vizeleiterin des Russischen Instituts für strategische Forschungen, Anna Glasowa.

 

„Die türkische Führung (…) zeigte sich immer entschlossen, gegen die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und auch gegen das Volksheer zu kämpfen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass der Einsatz ‚Schutzschild Euphrat‘ vor allem gegen die syrischen Kurden gerichtet ist, und Ankara wird diese Kampagne fortsetzen“, vermutet sie.

 

Die Expertin verwies zudem darauf, dass die USA bereits ihre Besorgnis über die jüngsten Ereignisse zum Ausdruck gebracht und die Türkei zur Einstellung der Kriegshandlungen gegen die Kurden aufgefordert haben.

 

„Das bedeutet, dass Washington die Kurden nicht aufgeben wird: Die Amerikaner halten dieses Volk für ihre wichtigste Stütze in der Region und eine der stärksten Kräfte im Kampf gegen die Islamisten. Sollte die Türkei ihre Offensive fortsetzen, könnte sie auf eine noch heftigere Reaktion der USA stoßen.“

 

Auch die innenpolitische Situation in der Türkei ruft Besorgnis hervor. Der deutsche EU-Abgeordnete Elmar Brok stellte fest, dass die Beziehungen zwischen Brüssel und Ankara sich immer mehr anspannen, und ergänzte, dass die Europäer die Tragweite des gescheiterten Machtsturzes in der Türkei unterschätzt haben. Nach dem Putschversuch seien Tausende Menschen, darunter Richter, Polizisten und Professoren, festgenommen worden oder hätten ihre Arbeit verloren. Zudem wurde jüngst bekannt, dass der frühere Polizeichef von Istanbul sowie mehrere Gouverneure und Journalisten festgenommen wurden.

 

Übersetzung: Sputnik