Ein Jahr nach Ausbrauch der Flüchtlingskrise in Deutschland und ein Jahr vor den nächsten Bundestagswahlen gibt sich Bundeskanzlerin Angela Merkel im „Bild“-Interview selbst Recht: Auch aus heutiger Sicht würde sie wieder genauso vorgehen würde wie im September 2015.

 

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Auf die entsprechende Interview-Frage sagte Merkel der „Bild“ vom Samstag:

 

„Ja, das würde ich.“

Es sei ihr ja gar nicht darum gegangen, „die Grenze für alle zu öffnen, sondern sie für diejenigen nicht zu schließen, die sich in großer humanitärer Not aus Ungarn zu Fuß auf den Weg zu uns gemacht hatten“.

 

Außerdem sei durchaus schon am 4. September klar gewesen, dass Berlin eine „große Herausforderung“ bevorstehe.

 

„Schon Mitte August hatte der Bundesinnenminister die Prognose abgegeben, dass wir im Jahr 2015 mit 800.000 Flüchtlingen rechnen müssten“, so Merkel.

 

Dass Merkels Entscheidungen weltweit als Einladung und Ermunterung für Flüchtlinge verstanden worden seien, will die Bundeskanzlerin so nicht sehen: Die Prognose des Innenministers Thomas de Maizières sei erst „dann allerdings in der Tat zum Beispiel in Afghanistan von Schleppern als Bereitschaft Deutschlands, 800.000 Afghanen aufzunehmen, missbraucht und von manchen in der Folge missverstanden worden. Da wurde sichtbar, dass eine eigentlich an Länder und Kommunen hier bei uns gerichtete notwendige Prognose anderswo verdreht werden kann und wie vorsichtig man in einer Welt der globalen Kommunikation mit solchen Informationen umgehen muss.»

 

Bereuen würde sie trotzdem keine der Entscheidungen, die Anfang September 2015 von ihr getroffen wurden, und verweist weiter auf ihre internationalen Ansätze zur Lösung der Flüchtlingskrise:

„Nein. Ich habe schon im August 2015 öffentlich darauf gedrängt, dass wir einen EU-Afrika-Gipfel brauchen, dass wir mit der Türkei reden müssen, dass wir uns mit der Bekämpfung der Fluchtursachen beschäftigen müssen.“

 

Versäumnisse bei der Versorgung der Menschen in Flüchtlingslagern im Libanon, in Jordanien oder in der Türkei habe es tatsächlich gegeben, teilweise seien dort Lebensmittelrationen sein aus Geldmangel gekürzt worden. „Das darf sich nie wiederholen“, so die Kanzlerin. „Auch hatten wir die Türkei mit ihren gut drei Millionen Flüchtlingen zu lange alleine gelassen. Deshalb war und ist die EU-Türkei-Vereinbarung so wichtig, weil wir nur so den Schleppern das Handwerk legen und den Menschen besser helfen können.» Ebenjene Vereinbarung sei entscheidend für die Eindämmung des Flüchtlingsstroms gewesen, nicht die Schließung der Balkanroute.

Von „Wir schaffen das“ rückt Merkel nicht ab, sondern betont: „Vieles ist erreicht, aber die Krise ist längst nicht überwunden.“ Nachdem Tausende Flüchtlinge und illegale Migranten Anfang September am Hauptbahnhof in der ungarischen Hauptstadt Budapest festgesessen hatten, bereits ein Zug von Hunderten Flüchtenden zu Fuß über Autobahnen in Richtung Westeuropa aufgebrochen war, entschieden Wien und Berlin in der Nacht auf den 5. September 2015, den Notleidenden doch eine Weiterreise zu erlauben. Allein am folgenden Morgen kamen 20.000 Menschen per Zug in München an. Bis Ende des vorigen Jahres stieg die Zahl der eingereisten Migranten auf bis zu einer Million.

Quelle: Sputniknews