Der britische Immigrationsminister Robert Goodwill hat den baldigen Beginn von Bauarbeiten zur Errichtung der „Mauer von Calais“ angekündigt, die die Migranten daran hindern soll, die in Richtung Fährenhafen kommenden Lkws zu stürmen. Darüber berichtete die Zeitung „The Guardian“ am Mittwoch.

 

Die vier Meter hohe und etwa einen Kilometer lange Mauer soll die wichtigste Zufahrtstraße zum Hafen von Calais von beiden Seiten vor Attacken der Migranten schützen, die die zum Hafen fahrenden Lastkraftwagen stürmen. Um die Lkws zu stoppen, sperren Migranten die Schnellstraße mit Steinen, Einkaufswagen und Baumstämmen ab und klettern dann in die anhaltenden Fahrzeuge. Die Mauer soll anstelle der Zäune errichtet werden, die sich als uneffektiv erweisen haben, die blinden Passagiere aufzuhalten.

 

Wie der britische Immigrationsminister Robert Goodwill im Unterhaus des Parlaments  am Dienstag mitteilte, ist die Mauer von Calais Teil des mehr als 17 Millionen Pfund (umgerechnet 20 Millionen Euro) teuren britisch-französischen Pakets der Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz des Hafens.

 

„Wir haben auch in ein Gelände für 200 Lastkraftwagen in Calais investiert, wo sie in Sicherheit  abwarten  können werden», sagte er.

Die Bauarbeiten sollen im September beginnen und  Ende des Jahres abgeschlossen werden. Die Mauer soll aus Glattbeton errichtet werden, damit  sie  schwieriger zu erklettern wäre. Von einer Seite soll sie mit Pflanzen und Blumen bedeckt sein, damit die Umgebung einen schöneren Anblick bietet. Die Baukosten sollen 1,9 Millionen Pfund (umgerechnet 2,26 Millionen Euro) betragen.

 

Die Pläne haben bereits Kritik bei den Ortsbewohnern ausgelöst, die das Projekt als  „die Große Mauer von Calais» bezeichneten. François Guennoc  von der französischen Hilfsgruppe „L’Auberge des Migrants», die in Calais tätig ist, sagte, dass die Flüchtlinge sich dann ein bisschen weiter bewegen müssten,  um die neue Mauer zu umgehen.

 

„Das ist reine Geldverschwendung. Das kann es  für die Menschen gefährlicher machen, das wird die Tarife der Menschenschmuggler in die Höhe treiben und schließlich werden die Leute  größere Risiken eingehen», sagte er.

 

Der britische Güterkraftverkehrsverband Road Haulage Association kritisierte das Projekt ebenfalls: Das sei eine „unerhörte Verschwendung des Geldes der Steuerzahler». Es wäre besser, dieses Geld  für die Erhöhung des Sicherheitsniveaus entlang den Zufahrtstraßen auszugeben, sagte eine Sprecherin des Verbandes.

Laut der französischen Polizei  sind die Schutzbauten des Hafens von Calais im Juli 20.000 Mal verletzt worden, während es im Januar lediglich 3.000 solche Fälle gegeben habe.

 

Die in der provisorischen Zeltstadt nahe der französischen Stadt Calais im Norden des Landes wohnende Migranten und Flüchtlinge wollen sich per Fähre oder Eurotunnel weiter nach Großbritannien begeben. Im August kampierten in dem sogenannten „Dschungel von Calais» mehr als 9.000 Menschen in provisorischen Unterkünften.

 

Diese Woche hatten die Lkw-Fahrer und französische Bauern gegen die Angriffe der Migranten  auf Lastkraftwagen protestiert und deswegen die Zufahrtstraßen zum Hafen  von Calais  blockiert.