Falls die Kiewer Behörden bis Oktober keinen Beschluss treffen, in welcher Stadt der Eurovision Song Contest 2017 stattfindet, könnte Russland den Sangeswettstreit austragen, schreibt die „Iswestija“ am Donnerstag.

 

Ukraine's Jamala celebrates with the trophy after winning the Eurovision Song Contest final with the song '1944' in Stockholm, Sweden, Sunday, May 15, 2016. (AP Photo/Martin Meissner)
Ukraine’s Jamala celebrates with the trophy after winning the Eurovision Song Contest final with the song ‘1944’ in Stockholm, Sweden, Sunday, May 15, 2016. (AP Photo/Martin Meissner)

 

Die Ukraine hat immer weniger Zeit, sich auf die Austragung des Eurovision Song Contests 2017 vorzubereiten. Bislang ist unklar, in welcher ukrainischen Stadt der Wettbewerb stattfinden und wie der Bau der Infrastruktur finanziert wird. Falls die Kiewer Behörden ihren Beschluss nicht in der nächster Woche bekanntgeben, kann die Europäische Rundfunkunion (EBU) das Recht auf die Austragung des Wettbewerbs an ein anderes Land weitergeben, berichtet der Pressedienst der EBU.

 

„Die Ukraine hat den Wettbewerb 2016 gewonnen. Das heißt, dass sie auch das Recht gewonnen hat, den Wettbewerb auszutragen. Der Status des Siegers kann nicht rückgängig gemacht werden. Was aber die Fristen betrifft, hätte der Beschluss viel früher getroffen werden müssen. Wir verfolgen aufmerksam, wie drei Städte um das Recht kämpfen, den Wettbewerb auszutragen, wissen aber nicht, wann der Beschluss offiziell bekanntgegeben wird. Die Deadline ist Anfang Oktober“, hieß es im Pressedienst.

Auf Platz zwei beim Eurovision Contest 2016 landete Australien, das zum zweiten Mal an dem Wettbewerb teilnahm. Laut einer Vereinbarung mit der EBU wird Australien nominell Mitveranstalter, doch der Wettbewerb selbst soll in Europa stattfinden. Laut EBU-Regeln könnte Russland, das 2016 auf Platz drei landete, zweiter Mitveranstalter werden.

 

Die ukrainischen Behörden konnten sich bislang nicht auf den Austragungsort einigen, weshalb noch keine Vorbereitungen begonnen wurden. Die Bekanntgabe des Austragungsortes wurde von Kiew bereits mehrmals verschoben. Die für 25. August angesetzte Pressekonferenz, bei der die gastgebende Stadt genannt werden sollte, wurde abgesagt.

Laut dem Generaldirektor der Nationalen Fernsehanstalt der Ukraine, Surab Alassanija, sind die Gründe für die Verschiebung unklar. Die Fristen seien zwar nicht kritisch, die größte Besorgnis sei aber damit verbunden, ob die ganze Infrastruktur bis Mai gebaut wird. Man könne vermuten, dass dahinter die Politik stecke, niemand verstehe, warum die Entscheidung verschoben werde, so Alsassanija.

 

Alassanija zufolge sind zwei Bewerber übriggeblieben – Kiew und Odessa. Zuletzt stieg Dnepr (ehemals Dnepropetrowsk) aus dem Rennen, weil in der Stadt nicht ausreichend zertifizierte Hotels vorhanden seien und der Sportkomplex Meteor zu große Investitionen erfordere. Ein weiteres Problem sei, dass diese Stadt keine Freizeitaktivitäten zwischen den Halbfinalen bieten kann, weil es eine Industriestadt ist.

Dabei gebe es auch mit Kiew und Odessa Probleme. Das Stadion „Tschernomorez“ in Odessa hat kein Dach, laut Anforderungen der EBU muss es aber ein überdachter Komplex sein. Am Flughafen seien ein Terminal und die Start- und Landebahn noch nicht fertig. Doch die größten Sorgen hängen mit der Gewährleistung der Sicherheit zusammen. Der Wettbewerb finde im Mai statt, und es könne zu Provokationen wegen des Jahrestags der Tragödie vom 2. Mai 2014 im Gewerkschaftshaus geben, bei der 48 Menschen ums Leben kamen und mehr als 200 verletzt wurden, so Alassanija.

 

Als wahrscheinlichster Austragungsort gilt Kiew, doch auch hier gibt es Probleme. Der Sportkomplex Olympiski eignet sich nicht, weil er nicht überdacht ist, und die Errichtung eines Dachs teuer ist. Der Song Contest könnte in der Internationalen Messehalle stattfinden, die allerdings ebenfalls große Finanzspritzen erfordert.