Die bislang nicht von der internationalen Gemeinschaft anerkannte Republik Transnistrien plant nach Angaben ihres Außenministers Dmitri Palamartschuk den Beitritt zur Russischen Föderation. Staatschef Jewgeni Schewtschuk erließ ein entsprechendes Dekret zum Beitritt in den russischen Staatsverband. Bislang war die Dnestr-Republik (Transnistrien) ein Schauplatz für einen eingefrorenen Konflikt zwischen Ost und West gewesen.

 

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Für viele in Deutschland ist die Republik Transnistrien und ihre Hauptstadt Tiraspol noch terra incognita. Die Recht junge Republik gründete sich kurz vor dem Zerfall der Sowjetunion, als fünf Kreise Moldaus (Moldawien) am linken Ufer des Dnestr die autonome Republik Transnistrien proklamierten, die bis heute zu den nicht anerkannten Staaten gehört. Der Rote Stern sowie Hammer und Sichel zieren Flagge und Staatswappen der Dnestr-Republik, die nun ein Teil der russischen Föderation werden will.

 

„Wir haben soziologische Umfragen in der Region durchgeführt und die Mehrheit plädiert für einen Beitritt zur russischen Föderation“, sagte Transnistriens Vizeaußenminister dem Radiosender Goworit Moskwa.

 

Ein entsprechendes Dekret erließ Staatschef Schewtschuk am 9 September, das laut Sputnik den Weg zur Realisierung der Resultate eines republikfreien Referendums vom 17. September 2006, bei dem die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung für die Unabhängigkeit (von Moldau) und die Vereinigung mit Russland ausgesprochen hatte. Bislang schwieg man von russischer Seite aus über die Beitrittwünsche aus Tiraspol.

 

Die letzten kriegerischen Auseinandersetzungen fanden im Jahre 1992 statt, nachdem moldawische Truppen versuchten, die abtrünnige Region unter ihre Kontrolle zu bringen. Doch dieser Schuss ging gänzlich nach hinten los. Bis heute sind die etwa 555.000 Transnistrier de facto unabhängig von der Republik Moldau, obwohl sie rechtlich gesehen zur ehemaligen Sowjetrepublik Moldau gehören. Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in unter anderem wegen der nicht anerkannten Republik in Moldawien im Einsatz. Eine Lösung wird durch die 5+2-Gespräche angestrebt, an denen Moldawien, Transnistrien, die EU, die USA, Russland und die Ukraine teilnehmen.

 

Der verstärkte Wunsch Transnistriens zum Beitritt Russlands ist unter anderem auch auf das Scheitern der EU- und OSZE-Diplomatie zurückzuführen. Im Jahre 2014 haben die Kommunisten im Land die Wahl gewonnen, die sich für eine Annäherung mit der russischen Föderation ausgesprochen hatten. Die EU versuchte diesen Wahlsieg weitestgehend kleinzureden und versuchten von außen so gut wie es geht zu verhindern, dass die Kommunisten an die Regierung kamen. Heute regieren die Demokraten in Chisinau und streben weiter einen Kurs in Richtung EU an, obwohl das überwiegende rumänisch-sprechende Volk, das zwischen Rumänien und der Ukraine liegt, erkennen müsste, dass die EU die neu erworbenen Ostblock-Staaten systematisch ausbeutet, dies aber durch die Flüchtlingskrise geschickt kaschiert.

 

Mit Gagausien und Transnistrien existieren zwei abtrünnige Regionen in der Republik Moldau, dessen Name sich nicht von der tschechischen Moldau ableitet, dessen Verlauf vom Komponisten Friedrich Smetana durch Tonmalerei beschrieben wurde. Weder die tschechische noch die rumänische Moldau fließen durch das Staatsgebiet von Moldau beziehungsweise Moldawien. Auch in Gagausien kam es im Zuge der Ukraine-Krise 2014 zu einem Anstieg der separatistischen Bestrebungen.

 

Von Christian Lehmann