Manipulierte Suchrankings können Meinungen beeinflussen. Eine neue Studie des US-Wissenschaftlers Dr. Robert Epstein, die Sputnik exklusiv vorliegt, zeigt, dass auch Googles Autovervollständigungsfunktion zu diesem Zweck dienen kann. Epstein zufolge kann diese Methode US-Präsidentenkandidatin Hillary Clinton rund drei Millionen Stimmen bringen, schreibt Sputnik.

 

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Eine Studie des Forschers aus dem Jahr 2015 zeigte, wie Suchrankings, die zugunsten eines bestimmten Kandidaten verfeinert wurden, unentschiedene Wähler leicht davon überzeugen können, ihre Meinung zu bilden. In einigen demographischen Gruppen lag dieser Wert sogar bei 80 Prozent.

 

„Meine neueste Forschung zeigt, dass eine Suchmaschine auch mit einem anderen mächtigen Werkzeug – der Autovervollständigung – Stimmen wechseln und Meinungen ändern kann “, schreibt Epstein.

 

Im Juni dieses Jahres veröffentlichte das Nachrichtenportal Sourcefed ein Video, in dem behauptet wird, dass Googles Suchtipps zugunsten von Hillary Clinton manipuliert wurden. Die siebenminütige Version auf YouTube wurde mehr als eine Million Mal angeschaut, die kürzere, dreiminütige, Version auf Facebook – mehr als 25 Millionen Mal.
 

 

Auf dem Video sind Screenshots mit Suchtipps der Suchmaschinen Google, Yahoo und Bing für die Stichwörter „Hillary Clinton“ zu sehen. Die Bilder zeigen eindeutig, dass Googles Autovervollständigung nur positive Suchvarianten für die Präsidentschaftskandidatin zeigt. Im Gegensatz dazu zeigen die anderen zwei amerikanischen Suchseiten auch negative Varianten. Wenn es aber um die Kandidaten Donald Trump und Bernie Sanders geht, hat auch Google negative Suchtipps parat.

 

Ein weiterer interessanter Punkt in diesem Zusammenhang ist die Suchstatistik von Google, die aufweist, dass bestimmte negative Stichwörter für Clinton sehr oft von Benutzern aufgerufen werden. Trotz dieser Tatsache bleibt die Autovervollständigung übermäßig positiv für diese Kandidatin.

 

„Die Absicht ist klar. Google begräbt potentielle Suchen für Stichwörter, die Hillary Clinton bei den Vorwahlen in den letzten paar Monaten irgendwie schaden könnten, indem Suchtipps auf seiner Seite manipuliert wurden“, behauptet der Sourcefed-Moderator.

 

In einem offiziellen Kommentar bestritt das Unternehmen jegliche Manipulationen und bestand darauf, dass die Autovervollständigungsfunktion sich auf einen bestimmten Algorithmus stützt, also rein mathematisch umgesetzt werde.

 

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Für Dr. Epstein und seine Forschungsgruppe schien das aber nicht überzeugend. In einer Studie analysierten sie hunderte Stichwörter und stellten fest, dass die Behauptungen aus dem Sourcefed-Video absolut korrekt sind.

 

„Im Allgemeinen müssen wir feststellen, dass Lieberman (der Sourcefed-Moderator – Anm. d. Red.) Recht hatte. Es ist irgendwie schwierig, Google dazu zu bringen, negative Suchtipps für Frau Clinton zu geben. (…) Bing und Yahoo zeigen andererseits oft eine Anzahl von negativen Tipps für die gleichen Stichwörter. Bing und Yahoo scheinen das zu zeigen, wonach die Menschen wirklich suchen; Google zeigt uns etwas anderes – aber was genau und zu welchem Zweck?“, schreibt Epstein.

 

Dem Wissenschaftler zufolge zeigt die Statistik von Google Trends, dass negative Suchergebnisse zu Hillary Clinton oft aufgerufen werden und „eine große Beliebtheit“ haben. Anscheinend ist das aber kein guter Grund für die Suchmaschine, solche Suchtipps zu entsprechenden Stichwörtern vorzuschlagen.

 

Dafür hat das Unternehmen eine Ausrede: Angeblich soll die Suchmaschine Menschen nicht in einem schlechten Licht darstellen. Laut Epstein entspricht diese Aussage aber nicht der Wirklichkeit und wird nur selektiv umgesetzt. Z.B. werden von der Autovervollständigungsfunktion oft negative Suchtipps für Clintons Rivalen, Donald Trump, vorgeschlagen.

 

Um seine Schlussfolgerungen deutlicher zu erläutern, fasste Epstein diese in Form von Screenshots. Dabei merkte der Wissenschaftler an, dass sich die Suchtipps bei verschiedenen Benutzern unterscheiden könnten, da Google eine Personalisierungsfunktion habe. In den meisten Fällen sehe das aber so aus. An der Forschung, die mehrere Monate dauerte, haben acht Menschen teilgenommen.

 

 

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Und so sieht die Statistik der Google Trends für die Stichwörter „Hillary Clinton ist eine Lügnerin“ und „Hillary Clinton ist fantastisch“ mit Stand vom 3. August aus. Die erste Variante ist bei weitem beliebter als die zweite, wie zu sehen ist.

 

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Google-Manipulationen

 

Google besteht aber darauf, dass seine Suchmaschine keine negativen Ergebnisse über Menschen zeigen wolle. Aber so sehen die Ergebnisse der Autovervollständigung für Donald Trump mit Stand vom 8. August aus: „Donald Trump ist tot“ bzw. „Donald Trump ist fantastisch“.

 

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Wenn man dem Kommentar von Google glaubt, dürfte doch eigentlich die erste Variante nicht erscheinen.

 

Auf den nächsten Bildern ist das Ergebnis zu den Stichwörtern „Anti-Hillary“ und „Anti-Trump“ zu sehen. Für den ersten Fall hat Google gar keine Vorschläge – die Suchmaschine Yahoo jedoch hatte gleich acht Ideen.

 

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Auch andere Beispiele zeigen den gleichen Trend. Bei einem davon geht es um die „korrupte Hillary“, was laut Google Trends ein populäres Stichwort ist.

 

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So sahen aber die Ergebnisse der Autovervollständigung bei Epsteins Experiment aus.

 

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„Keine Überraschung hier“, betont der Forscher und zeigt einen sehr ungewöhnlichen Suchtipp von Google für dasselbe Stichwort.

 

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„Was zum Teufel soll das heißen? Wahrscheinlich nichts Bedeutendes, aber das haben ich und meine Kollegen wiederholt erhalten. Wenn Sie in der Lage sind, Google dazu zu bringen, negative Suchtipps für Frau Clinton zu zeigen, dann haben diese manchmal keinen Sinn und wiederspiegeln fast sicherlich nicht das, wonach die anderen Menschen suchen“, so Epstein.

 

Um den Benutzer zu täuschen, damit er nicht denkt, dass die Autovervollständigung absolut manipuliert ist, werden einige nicht beliebte negative Stichwörter zu Clinton doch vorgeschlagen, wie die Forschungsgruppe feststellte. Die gleiche „Maske“, nur anders rum, werde auch für Donald Trump benutzt – für den US-Präsidentschaftskandidaten werden neutrale oder positive Suchtipps gezeigt.

 

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Aber all das sei nichts weiter als „eine Maskierung der Manipulation“, und „Google ist ein Meister der Verschleierung“, so Epstein.

 

Viel schlimmer sind aber die Folgen der manipulierten Autovervollständigung. Um diese festzustellen, wurden 300 amerikanische Bürger aus 44 Bundesstaaten zu einem Experiment eingeladen. Den Teilnehmern wurden verschiedene Suchtipps zu bestimmten Stichwörtern vorgeschlagen. Dabei gab es auch negative Vorschläge.

 

„Insgesamt haben die Menschen in 40 Prozent der Fälle die negativen Stichwörter angeklickt. (…) Was unentschiedene Wähler betrifft – und da muss man im Kopf behalten, dass diese Menschen leicht zu beeindrucken sind – haben die negativen Stichwörter sogar mehr Klicks erhalten, um 15 Mal mehr, als die neutralen Stichwörter“, schreibt der Forschungsleiter in seinem Bericht.

 

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Bei Menschen, die sich einer bestimmten politischen Partei zuordnen, sah das Ergebnis so aus, dass „sie den negativen Vorschlag für den Kandidaten von ihrer Partei weniger angeklickt haben, als den negativen Vorschlag für den anderen Kandidaten“, so Epstein weiter.

 

 

„Mit anderen Worten haben negative Vorschläge die größte Anzahl von Klicks angezogen, wenn sie den Vorurteilen der Menschen entsprochen haben“, schlussfolgert er.

 

In diesem Zusammenhang behauptet der Wissenschaftler, dass Google-Mitarbeiter manuell die negativen Suchtipps für Clinton unterdrücken, um die Anzahl der Suchen nach Inhalt zu reduzieren, der die Präsidentschaftskandidatin in einem schlechten Licht darstellen würde. Bei anderen Kandidaten sei das nicht der Fall. Diese zwei weiteren Beispiele könnten auch etwas über Googles Einstellung bei der bevorstehenden US-Präsidentenwahl zeigen. Am 6. August hat Epstein die Suchmaschine gefragt, wann die Wahl stattfindet…

 

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Interessanterweise wurde bei den Suchergebnissen sofort ein Foto von Hillary Clinton veröffentlicht. Andere Kandidaten waren da nicht zu sehen.

 

2015 fragte das Technologieportal Next Web Google, wer der nächste Präsident von Amerika sein wird. Damals zeigte die Suchmaschine in den Ergebnissen Kästen mit eindeutigen Antworten.

 

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„Hillary Clinton ist die nächste Präsidentin der Vereinigten Staaten. (…) Zehn Gründe, warum Hillary Clinton zur nächsten Präsidenten wird.“

 

 

„Im Laufe der Zeit werden unterschiedlich unterdrückte Suchtipps wiederholt Millionen von Menschen viel positivere Suchergebnisse für den einen Kandidaten im Vergleich zum anderen zeigen“, behauptet Epstein.

 

Laut dem Wissenschaftler haben die Menschen sehr großes Vertrauen zu PC-generierten Suchergebnissen, weil sie der Meinung sind, dass diese absolut unparteiisch und objektiv sind. Der gleichen Meinung seien die Benutzer über die Autovervollständigungsvorschläge, fügt er hinzu.

 

Dabei sei Google für rund 90 Prozent der Suchen in den meisten Ländern der Welt verantwortlich. Und allein die Suchtippfunktion der Seite könnte 800.000 bis 3,2 Millionen Stimmen bei der bevorstehenden US-Präsidentenwahl beeinflussen, wie Epstein in einer Forschung feststellte.

 

Google selbst hat Epstein keinen Kommentar im Zusammenhang mit seiner Studie gegeben und stattdessen einen Link zu einem Blogartikel vom Juni geschickt, wo wieder einmal erläutert wird, wie die Autovervollständigung der Suchmaschine funktioniert.

 

Quellle: Sputniknews