Die Vorwürfe, wonach Moskau den US-Wahlkampf beeinflusse, häufen sich weiter, wie in einem russischen Zeitungskommentar festgestellt wird. Ein US-Analyst bestätigt: Die beiden führenden Parteien in Amerika scheinen sich darüber einig zu sein, dass ein Schulterschluss des Westens gegen Russland richtig wäre, schreibt Sputnik.

 

Die „Rossijskaja Gaseta“ schreibt am Donnerstag:

 

„Einem gängigen Witz zufolge scheint Wladimir Putin selbst bei der US-Präsidentenwahl zu kandidieren. Nur die beiden Favoriten Hillary Clinton und Donald Trump werden im Wahlkampf häufiger erwähnt als er (…) Barack Obama hat bei seinem jüngsten Auftritt in Philadelphia die Republikaner kritisiert, deren Kandidat den russischen Staatschef als starken Politiker betrachtet.“

 

Das Blatt zitierte den Direktor des Kennan Institute am Woodrow Wilson Center, Matthew Rojansky, mit den Worten:

 

„Die grundlegende Linie der US-Politik gegenüber Russland ist leider nach wie vor äußerst negativ. Das ist ein trauriger Stand für Russland und die USA, denn er setzt in absehbarer Zukunft keine Rückkehr zu einer pragmatischen Kooperation voraus. Für einen Pragmatismus wäre in Washington ein Zwei-Parteien-Konsens darüber nötig, dass eine Zusammenarbeit mit Russland den Interessen der nationalen Sicherheit entspräche. Vorerst besteht der Konsens jedoch eher darin, dass das von Putin regierte Russland sich besiegen ließe, dass der Westen zusammenhält und resolut vorgeht.“

 

„Trumps Worte, wonach Putin als Staatschef mehr überzeugend sei als Obama, bedeuten keine Sympathien mit Russland und mit dessen Präsidenten. Es geht bloß darum, dass Trumps Anhänger Obama noch mehr hassen“, so Rojansky.

 

Die Zeitung stellt fest: „Äußerungen ranghoher US-Regierungsbeamter über ‚Moskaus Hand’, die die Wahlen beeinflusse, sind praktisch täglich zu vernehmen und werden von US-Medien mehrfach verstärkt.“
Es sei zudem nicht auszuschließen, dass auch Clinton bewusst die Hysterie um eine angebliche Bedrohung von außen schüre. Die demokratische Kandidatin sei zu einer chamäleonartigen Anpassung fähig und erkenne, dass die beiden Seiten des politischen US-Spektrums gegenüber Russland misstrauisch seien.

 

„Ein charakteristisches Beispiel für diesen Ansatz war die Äußerung von Pentagon-Chef Ashton Carter, der Moskau vorwarf, die Grundlagen der Weltordnung zerstören zu wollen. Carter versprach, die Verbündeten Washingtons in Schutz zu nehmen. Im Gegenzug warnte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu die Amerikaner davor, ‚Russland, China und anderen Ländern mit einer unabhängigen Weltanschauung alles in die Schuhe zu schieben‘. Seinem US-Amtskollegen schlug Schoigu vor, die Welt- nicht mit der US-Ordnung zu verwechseln“, so der Zeitungskommentar.

 

„Doch gegen solch einen fundamentalen Wandel der Sichtweise, der viele Facetten der Politik betroffen würde, wehrt sich sowohl das republikanische als auch das demokratische Establishment der USA. Eine feindliche Hand Russlands sehen viele Amerikaner deshalb überall – unabhängig davon, ob es eine Begründung dafür gibt. All dies wirkt sich auf den Wahlkampf aus“, schreibt die „Rossijskaja Gaseta“ zum Schluss.

 

Quelle: Sputniknews