Der deutsche Vizekanzler und Bundesminister für Wirtschaft und Energie, Sigmar Gabriel, wird am 21. und 22. September Moskau besuchen, wo er in Gesprächen mit Vertretern der russischen Regierung Probleme des bilateralen Handels erörtern will, wie am Freitag der Pressedienst seines Ministeriums mitteilte.

 

Neben den Verhandlungen „auf hoher Ebene“ plane Gabriel ein Treffen mit Vertretern der in Russland arbeitenden deutschen Unternehmen. Laut einer Information des Ministeriums sind es mehr als 6.000, deren Vertretungen in mehr als 83 Subjekten der Russischen Föderation tätig sind.

 

Nach eigenen Angaben des Ministeriums hat sich das Handelsvolumen zwischen deutschen und russischen Unternehmen im ersten Halbjahr 2016 erneut verringert. Der Rückgang habe demnach 13,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum betragen. Das Exportvolumen soll im selben Zeitraum von 15,4 bis auf 12,2 Milliarden Euro bzw. um 20,6 Prozent gesunken sein. Im Jahr 2015 habe der bilaterale Handel um 23,9 Prozent abgenommen, 2014 – um 12,3 Prozent. Der deutsche Export sei im selben Jahr 2014 um 18,4 Prozent zurückgegangen, teilt das Ministerium mit.

 

In einem Interview mit der Agentur RIA Novosti hatte der Ehrenvorsitzende des Rates der russischen Wirtschaft in Deutschland, Professor Andrej Swerjew, zuvor die Vermutung geäußert, dass der russisch-deutsche Warenaustausch im Vergleich zu den Parametern des Jahres 2013 riskiere, um fast die Hälfte abzunehmen – bis auf 35-37 Milliarden Dollar. Dabei habe er im Jahr 2013 noch 74,9 Milliarden Dollar erreicht, wogegen es 2015 nur 45,8 Milliarden Dollar gewesen seien. Das sind Angaben der russischen Statistik, die sich etwas von denen der deutschen unterscheiden.

 

Die Experten des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sehen die Hauptursache für den Rückgang des bilateralen Handels in der Strukturschwäche der russischen Wirtschaft wegen ihrer starken Abhängigkeit vom Öl- und Gasexport. Der Grund hierfür sei ihres Erachtens vor allem die Wirtschaftslage in der Russischen Föderation, die Schwächung des Rubels und die dadurch bedingte nachlassende Kaufkraft, was die Investitionen ebenso betreffe wie den Warenkonsum.

 

Wie das deutsche Ministerium feststellt, sind die anhaltende Destabilisierung der östlichen Ukraine, die sektoralen Wirtschaftssanktionen der EU gegen Russland und die russischen Antwortmaßnahmen in der Sphäre des Agrarsektors ein zusätzlicher Faktor geworden, der diese Tendenz beeinflusst hat.

 

Russland bleibt für Deutschland, wie im Ministerium behauptet wird, der bedeutendste Lieferant von Energieträgern, da nach wie vor ein Drittel des Gases und des Öls für Deutschland aus der Russischen Föderation kommt. Zudem kaufe Deutschland in Russland „wesentliche Volumen“ an Buntmetall, Eisen und Stahl.

 
Quelle: Sputniknews