In Syrien haben Kampfjets der Koalition unter Führung der Amerikaner Stützpunkte der Armee Assads angegriffen. Die Nachrichtenagentur Sputnik berichtet unter Berufung auf Reuters, dass Stellungen in der Nähe der Stadt Deir ez-Zor angegriffen wurden. Moskau beruft Dringlichkeits-Sitzung des UN-Sicherheitsrates ein. In Washington bedaure man den Angriff.

 

Die jüngst vereinbarte Waffenruhe im Syrien-Krieg hielt nicht sehr lange, nachdem die US-Streitkräfte einen Angriff am späten Samstag-Nachmittag geflogen haben. Vier Kampfjets sollen nach Angaben des Sprechers im Verteidigungsministerium der Russischen Föderation, Generalmajor Igor Konaschenkow, vom Irak aus in den syrischen Luftraum eingedrungen sein, von wo sie aus die Angriffe flogen.

 


 

Laut RIA Novosti soll sich der Angriff am späten Nachmittag ereignet haben. Erste Angaben sprechen von 62 Toten und über 100 Verletzten. Der Angriff der F-16 und A-10 Kampfjets wurde von russischer und syrischer Seite kritisiert. Auch westliche Leitmedien haben über den Vorfall berichtet.
 


 
„Sollte dieser Angriff der Koalitionskräfte auf fehlerhafte Zielangaben zurückzuführen sein, sei dies eine direkte Folge der Weigerung der amerikanischen Seite, ihre Aktionen gegen die Terrorgruppen in Syrien mit Russland zu koordinieren,“ fügte der Sprecher des russischen Verteidigungsamtes laut Sputnik zu.

 

 

Aus syrischer Sicht sei dieser Angriff eine indirekte Unterstützung der Terrormilizen von IS. Zudem wurde der Angriff von syrischer Seite als eine „gefahrliche Agression“ bewertet, berichtet RIA Novosti in einer weiteren Meldung über den US-Angriff. Kurz darauf sollen die Terrormilizen einen Angriff vom Boden aus geführt haben. Moskau pochte auf eine Erklärung Washingtons und beantragte eine Dringlichkeitssitzung beim UN-Sicherheitsrat.

 

 

Washington schwieg zunächst zu den Vorwürfen, versuchte den Fehler zu vertuschen, der letzlich zugegeben wurde, wie Sputnik später berichtete. Letztlich wurde der Fehler auf die US-geführte Koalition umverteilt, was die Beantwortung von Fragen letztlich nur erschwert und komplizierter macht. Erst im vergangenen August flogen die westlichen Koalitionsmächte Angriffe auf zivile Einrichtungen, was kaum in westlichen Leitmedien zum Thema wurde. Dies informierte sogar der Internet-Auftritt des Hamburger Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ sowie weitere westliche Leitmedien über den Luftschlag des Westens.

 


 

Ist die Situation in Syrien so kompliziert, dass man nicht mehr zwischen IS-Kämpfern und syrischen Regierungstruppen unterscheiden kann? Liegen gravierende Mängel in der Zielortung vor oder wollte man sich mit diesem „Versehen“ tatsächlich nur IS stärken und die syrischen Regierungstruppen schwächen? Dieses Fauxpas lässt jedenfalls Spielraum für Interpretationen offen. Denn möglich und erklärbar ist in der aktuellen „komplizierten Situation in Syrien vieles. Von syrischer Seite jedenfalls betrachtet stärkte dieser Angriff sowohl die IS-Milizen als auch die Gegner der syrischen Regierung, die auch vom Westen unterstützt werden. Die amerikanische Luftwaffe und das sogenannte „Friendly Fire“ hat eine lange Tradition.

 


 

Die IS-geführten Kräfte haben nach dem US-Luftangriff nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur PressTV einen Angriff gegen die geschwächten syrischen Streitkräfte gestartet und der Kampf gegen den IS wurde während der Feuerpause wieder erschwert, so dass die westliche Koalition mit ihrem Militär länger in der Region verbleiben werden müssen – oder auch wollen?!

 

Von Christian Lehmann