Zwei junge Männer aus Sibirien wollen dem amerikanischen Auslandsnachrichtendienst CIA gefälschtes Informationsmaterial verkaufen. Der Versuch flog auf nachdem die beiden Männer bereits per E-Mail ein entsprechendes Angebot schickten. Das teilte eine Sprecherin des Föderalen Dienstes für Staatssicherheit (FSB) der Nachrichtenagentur RIA Novosti mit, wie die Agenturen TASS und Reuters berichten.

 

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Wegen der angespannten internationalen Lage zwischen Russland und den USA haben die Beziehungen der beiden Nachrichtendienste FSB und CIA deutlich verschlechtert und befindet sich derzeit auf dem Niveau des Kalten Krieges. Brisantes und unter Verschlusssache eingestuftes Material von der einen Seite ist für die jeweilige andere Seite hoch interessant und der Preis über solches Informationsmaterial war in der Ära der Sowjetunion, also zu KGB-Zeiten, bekanntlich heiß.

 

Das dachten sich auch die beiden jungen Männer um die Zwanzig aus der sibirschen Stadt Borzi auch, allerdings kamen sie nicht an die Informationen ran. Der Computer-Freak und der ehemalige Soldat versuchten es deswegen mit gefälschten Fotos und Informationsmaterial. Aus den gefälschten Unterlagen ging hervor, dass Russland einen militärischen Angriff gegen die Amerikaner von der Ukraine aus planten. Per E-Mail bot man das gefälschte Material der Central Intelligence Agency an und wollte Geld dafür haben. Die E-Mail fing der russische Kollege vom FSB ab und informierte die Kollegen von der anderen Seite, wie das Nachrichtenportal der Suchmaschine Yahoo unter Berufung einer Agenturmeldung von Reuters berichtet.

 

Den beiden Lümmel droht aber keine strafrechtlichen Konsequenzen seitens der russischen Föderation, da sie kein geheimes Material in ihrem Besitz hatten. Der FSB beließ es bei einer Warnung, was aber nicht immer selbstverständlich ist. Vor einem Jahr kam eine junge Mutter au in Haft weil sie per Telefon über angebliche Truppenbewegungen in der Ukraine die ukrainische Botschaft zu Moskau informierte. Allerdings wurde die Strafe später abgemildert. Im Kalten Krieg gab es in der Anfangsphase einen Skandal, weil der KGB mit „gezinkten Karten“ ziemlich gut spielte und beim Bundesnachrichtendienst ziemlich schnell einen Top-Agenten platzieren konnte.

 

Der Fall Heinz Felfe entwickelte sich für den Deutschen Auslandsnachrichtendienst BND zu einem großen Skandal für den damals noch jungen BND, der 1956 seine Arbeit unter Führung von Generalmajor Reinhard Gehlen aufnahm. Felfe war ein ehemalige Reichssicherheitskommissar im Reichssicherheitshauptamt und bewarb nach seiner Entlassung aus britischer Kriegsgefangenschaft in den Niederlanden 1949 beim sowjetischen Geheimdienst, der ihn als Kundschafter des Friedens zunächst beim BND Vorgänger „Organisation Gehlen“ und auch später beim BND in die engsten Führungskreise aufstieg. Der KGB gab Felfe immer wieder über einen Mittelsmann offizielle Dokumente mit, die er dann als Beute dem Nachrichtendienst BND gab.

 

Über 10 Jahre lang war Felfe also für den KGB in Pullach bei München tätig, was er später in seinem Buch „Im Dienst des Gegeners“ beschreibt, nachdem er nach seiner Verhaftung 1961 zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Er wurde 1969 vorzeitig aus der Haft entlassen und lebte fortan in der DDR, wo ihn der damalige Chef der Auslandsaufklärung HVA Markus Wolf als Kundschafter des Friedens herzlich empfangen hat. Dort arbeitete er als Professor für Kriminalistik an der Humbold-Universität in Ost-Berlin. Der erfolgreichste KGB-Agent in der Bundesrepublik starb Mai 2008 mit 90 Jahren. Der KGB-Nachfolger FSB gratulierte im einen Monat zuvor zu seinem letzten Runden Geburtstag, wie RIA Novosti berichtet.

 

Von Christian Lehmann