Um den Verfall des Milchpreises zu stoppen, wollen knapp 10.000 Milchviehbetriebe in Deutschland ihre Produktion vorübergehend einstellen, wie die „Neue Passauer Presse“ (NPP) berichtet.

 

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Die produzierte Milchmenge soll demnach für drei Monate reduziert werden. Im Gegenzug bekommen die Betriebe, die einen entsprechenden Antrag gestellt haben, eine EU-Finanzhilfe. Konkrete Informationen hierzu sollen sie bis spätestens Ende der Woche erhalten.

 

„Kurzfristig muss die Menge runter, damit der Milchpreis wieder steigen kann“, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt der NPP.

 

Seit die EU im Jahr 2014 die Sanktionen verhängt hatte und Russland seinerseits ein Embargo für Lebensmittel aus der EU beschloss, verzeichnen deutsche Landwirte Umsatzeinbußen von fast einer Milliarde Euro im Jahr. Weil der russische Markt wegfällt, gibt es für viele landwirtschaftliche Produkte ein Überangebot. Dadurch sind die Preise beispielsweise für Fleisch, Milch und Getreide stark gesunken.

 

Für ihren Beitrag zur Mengenreduzierung könnten die deutschen Milchbauern jetzt zusätzlich 40 Millionen Euro der EU in Anspruch nehmen. Wichtig bleibe jedoch, dass sich die Branche auf zukunftsfeste Marktstrukturen verständige, meinte Schmidt weiter und fügte hinzu:

 

„Eine Erholung des Milchpreises darf nicht zur Erlahmung der Reformbemühungen führen“.

 

Ihre Milchproduktion um rund 286 Millionen Liter für drei Monate zu reduzieren haben sich 9.947 Agrarbetriebe bereit erklärt, so die „Neue Passauer Presse“. Die meisten Anträge stammten aus Bayern, gefolgt von Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen.

 

Am 1. Juli hatte die EU ihre Wirtschaftssanktionen gegen Russland bis zum 31. Januar 2017 verlängert. Noch am selben Tag unterzeichnete der russische Regierungschef Dmitri Medwedew die Verordnung über die Verlängerung der Antwortsanktionen vom 6. August 2016 bis zum 31. August 2017.

 

Mehrere Länder, darunter die USA und die Mitgliedsstaaten der EU, hatten 2014 Sanktionen gegen Russland verhängt, was sie mit der Eingliederung der Krim in den Bestand der Russischen Föderation und später auch mit dem Konflikt im Osten der Ukraine in Verbindung brachten. Moskau reagierte auf diese Maßnahmen am 6. August 2014 mit der Einführung eines Importembargos für Lebensmittel aus diesen Ländern.