Russland ist nunmehr seit einem Jahr im Syrienkrieg ein aktiver Part und derzeit fliegen auf allen ebenen des Krieges regelrecht die Fetzen. Ob auf dem Land,  in der Luft oder auf hoher See: Aus dem Bürgerkrieg, der klein anfing ist ein großes Schlachtfeld geworden, der sich auf alle Ebenen der Politik auswirkt. Und Deutschland befindet sich irgendwo zwischen Tauziehen, Tauwetter und Tauroggen.

 

Aus der „Putin-Orgel“ wird die Beinahe-Atombombe gemacht, die laut Presse gerade die Bevölkerung in Aleppo massakrieren soll. Seit einer Woche fühlt sich der Westen von Russland ertappt, nachdem ein Angriff gegen Assads reguläre Streitkräfte eine Dringlichkeitssitzung beim Sicherheitsrat der Vereinten Nationen nach sich gezogen hatte. Egal was der Westen auch falsch macht, inzwischen wissen wir aus den Leitmedien längst, dass Russlands Präsident an allem Schuld ist und die Infokrieger haben ihre medialen Bomben mit Polemik prall gefüllt, was Präsident Putin allerdings schon längst weiß.

 

 

Der Syrienkrieg hat in Deutschland eine Flüchtlingskrise ausgelöst, weswegen im alternativen Flügel der Medienlandschaft schon längst von einer Migrationswaffe gesprochen wird. Eine These, die man mit einem wissenschaftlichen Essay über Migranten als Waffe durch diesen Aufsatz aus dem Belfercenter (ein politikwissenschaftliches Institut der US-Eliteuniversität Havard) stammend, vertreten kann. Immerhin gibt es in den alternativen Medien dazu unterschiedliche Auffassungen wie und wo man diese Waffe einsetzt und vor allem: Wem wird mehr geschadet? Aber man erfährt dort auch einiges über die Vorwürfe der Finanzierung des internationalen Terrorismus. Inzwischen ist sogar WikiLeaks zu einer Waffe des Kremls geworden, nachdem die jüngsten E-Mail-Leaks um Kriegsbefürworterin Hillary Clinton anscheinend viele Anknüpfungspunkte geliefert haben. Und laut WikiLeaks ist das Münchner Magazin Focus ein BND-Sprachrohr, zumal der Focus an vorderster Front mit den Kreml-Gerüchten um sich wirft. WikiLeaks stützt sich hierbei auf die BND-Affäre, die beim Focus einen Skandal ausgelöst hatte. Der Focus stützt seine Vorwürfe gegen WikiLeaks auf die Tendenz der Transpararenz-Plattform, nur solches Material zu veröffentlichen, das der amerikanischen Außenpolitik schadet. Dieser Tweet fasst es kurz zusammen und verweist auf den WikiLeaks-Account.
 

 
Der deutsche Nachrichtendienst aus Pullach steckt mit der Münchner Illustrieren unter einem Schlapphut, während die Hacker von WikiLeaks, um es überspitzt darzustellen, wie einst zu Anfangszeiten des Computer Chaos Clubs ein Dienstleister des Moskauer KGB ist. Nur diesmal umgekehrt: Diesmal sollen die russischen Offiziere die Daten an WikiLeaks liefern und nicht umgekehrt wie in den 1980er Jahren. Zugegeben, eine komplizierte Sache, die hier nicht gelöst werden kann. Der BND aus Pullach bei München schweigt hierzu und macht seine Arbeit, wo auch immer. Der Münchner Publizist Todenhöfer kämpfte in den 1980er Jahren einst zusammen mit Al-Quaida gegen die Truppen der Sowjetunion. Heute berichtet der Stern über ein Interview Todenhöfers mit den islamistischen Rebellen. Worum es geht, kann man auf dem Portal Stern nachlesen, der sich auf den Kölner Stadtanzeiger beruft. Ist Todenhöfer nun auch ein Agent Moskaus?
 


 
Man kann Todenhöfers Tätigkeiten sehen wie man will, aber er redet vor Ort mit den Leuten, macht sich dort ein Bild und die operativen Tätigkeiten der US-Dienste sind bekannt und sprechen für sich. Man muss dafür kein Schlapphut oder Verschwörungstheoretiker sein, um diese Überraschung zu lesen. Und diese Reaktion auf Todenhöfers Geschichte aus Berlin zu bekommen, muss man auch kein Lügenpresse-Rufer sein, sondern nur ab und an einen Blick auf Twitter werfen.
 


 

Mehr Hintergrund will man dann auch nicht wissen, denn die Frage über Deutschlands Rolle ist dann doch spannender. Militärisch ist die Bundeswehr offiziell keine Kriegspartei und die beiden Generäle außer Dienst Harald Kujat und Karl Heinz Domröse stehen irgendwo zwischen Tauwetter und Tauroggen, wie man auch lesen kann. Die Konvention von Tauroggen im Jahre 1812 bildete übrigens die Basis für einen nachhaltigen Frieden, wie man auf Wikipedia und vielleicht auch auf WikiLeaks nachlesen kann. „Man kann mit Russland praktisch arbeiten. Militärisch sind wir gleich gestrickt“, sagte Dömröse bei Maybrit Illner.

 


 

Und die Politik spielt gerade Tauziehen, wie man meinen könnte. Während Seehofer, Steinmeier und Gabriel versöhnliche Töne in Richtung Moskau gesendet haben, gibt es das andere Lager, welches immer noch giftige Töne spuckt – vor allem bei den Grünen. Aber auch das Weißbuch des Verteidigungsministerium zeigte den Wählern, dass man am harten Kurs der leitenden Westmächte USA, England und Frankreich festhalte. Besser wäre es doch, die Musiker der der Bundeswehr zu unterstützen, die dann künftig noch ein paar Mal beim Großen Zapfenstreich diesen Marsch aus der Zeit des Großen Friedrichs spielen. Der Pariser Einzugsmarsch aus dem Jahre 1815 muss es ja auch nicht unbedingt sein.

 

Von Christian Saarländer, Contra Magazin