Wenn Russland seinen Syrien-Einsatz nicht begonnen hätte, wäre die ganze Region bereits von noch schlimmeren Katastrophen und Krisen erschüttert worden, wie Erdogan Karakus, Generalleutnant a. D. der türkischen Streitkräfte, in einem Sputnik-Interview mitteilte.

 

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„Wenn es um den Zugang zu Ressourcen geht, nehmen globale politische Spieler sofort den geopolitischen Kampf auf, um den eigenen Einfluss zu stärken und die Kontrolle über die Einkommensquellen in dieser oder jener Region zu übernehmen. Das Projekt ‚Der große Nahe Osten’ ist ein Resultat eines derartigen Kampfes. Dessen Realisierung unter der Devise des ‚Aufzwingens von demokratischen Prinzipien‘ begann zunächst im Irak und wurde in Afghanistan fortgesetzt. Letztendlich hat dieses US-Projekt auch Syrien erreicht“, sagte Karakus.

 

Hätte Russland seinen Syrien-Einsatz nicht begonnen, wäre das Projekt schon umgesetzt. Das hätte jedoch zu noch schlimmeren Erschütterungen und Krisen in allen Ländern der Region geführt, so der Experte.

 

„Bei diesem Ereignisablauf könnte keiner die territoriale Integrität Syriens mehr garantieren. Im Norden des Landes wäre bereits ein eigenständiger Staat unter der Führung der Partei der Demokratischen Union (PYD) gebildet. Da dieser Staat direkt von den USA und Israel abhängig wäre, wäre die Situation in der Welt dermaßen zugespitzt, dass der Menschheit gar ein Dritter Weltkrieg drohen würde“, so Karakus weiter.

 

Der Einsatz der russischen Luftwaffe in Syrien habe dieses Szenario verhindert. Moskau habe den Autoren des Projekts „Der Große Nahe Osten“ den Fahrplan verdorben. Aus dieser Sicht spielt Russlands Syrien-Einsatz laut dem Generalleutnant eine sehr große Rolle.

 

Zu der Zuspitzung der Lage in Syrien habe zudem die außenpolitische Fehleinschätzung der Türkei beigetragen. „Hätte die türkische Führung die Fehlerhaftigkeit ihrer Strategie und die Perspektivlosigkeit eigener Position in Bezug auf Baschar Assad rechtzeitig erkannt,  hätte die Situation keine dermaßen dramatische Wendung genommen. Dann wäre Russland eventuell auch nicht gezwungen, die Operation in Syrien zu starten“.

 

Auf Bitte des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad hin führte Russland seit dem 30. September 2015 präzise Luftschläge gegen Stellungen der Terrorgruppierung Daesh (auch „Islamischer Staat“, IS) in Syrien. Zu den russischen Kampffliegerkräften gehörten Erdkampfflugzeuge Su-25, Frontbomber Su-24M sowie Jagdbomber Su-34, die von Jagdflugzeugen Su-30SM gedeckt wurden. Auch russische Fernfliegerkräfte kamen zum Einsatz.
Seit dem 15. März hat das Verteidigungsministerium auf Befehl Wladimir Putins einen Großteil seiner Kampffliegerkräfte abgezogen, da sie die ihr gestellten Aufgaben im Großen und Ganzen erfüllt haben.