Inzwischen sind die Gespräche zwischen Russland und den USA in der Syrien-Frage beendet. Nachdem der Ton immer rauer wurde und sich beide Seiten gegenseitig die Vorwürfe an den Kopf geworfen haben, zeichnet sich nun eine diplomatische Eiszeit ab. Aber könnte es bald zu einer direkten militärischen Auseinandersetzung kommen? Zumindest der Informationskrieg zwischen Ost und West dürfte in die nächste Runde gehen.
 

303609495
 

Bis auf ein paar Zwischenfälle im Kalten Krieg, kam es bislang noch nie zu einer direkten militärischen Auseinandersetzung zwischen den USA und Russland (Sowjetunion). Bislang sind die militärischen Auseinandersetzungen als Stellvertreterkriege zwischen Ost und West geführt worden, wie es im Vietnam-Krieg beispielsweise der Fall gewesen ist. Allerdings zeigte uns auch die Kuba-Krise, dass aus einem kalten Krieg zwischen Ost und West schnell ein heisser Krieg werden kann, wo es zu fatalen Folgen gekommen wäre.

 

In Syrien jedenfalls sind nun Zwischenfälle zwischen beiden Militärmächten nicht mehr gänzlich ausgeschlossen. Ob solche Zwischenfälle zu einem Dauerkonflikt führen könnte, wo auch andere Regionen betroffen sein könnten, das wissen nur die Entscheider zwischen Krieg und Frieden. Bislang ist ein solches Szenario noch relativ unwahrscheinlich. Jede Seite wird nun ohne offizielle Absprachen versuchen, seine Pläne durchzuziehen und der Propaganda-Krieg in den Medien wird sich weiter ausbreiten. Die US-nahen Medien werden wie bisher versuchen Russland beschuldigen, ein Kriegsverbrechen nach dem anderen in Syrien zu verüben, während die US-Koalition lediglich terroristische Ziele bekämpfe. Das gleiche Spiel wie gehabt, nur intensiver und noch verlogener als bislang gehabt. Die üblichen verdächtigen Medien kennen wir ja bereits und auf ihre Erwähnung kann an dieser Stelle verzichtet werden.

 


 

Das gleiche Spiel geht auf der anderen Seite weiter. Für die Medien, welche versuchen Russlands Standpunkt zu vertreten, werden weiterhin die Amerikaner und den Westen als Lügner und Betrüger hinzustellen, wobei sie wohl auch nicht gänzlich daneben liegen, um es mal restriktiv auszudrücken. Die letzten beiden Wochen haben gezeigt, dass beide Parteien auf höchster diplomatischer Ebene in der Lage sein können, ihren Ton zu verschärfen. Ob nun das letzte Wort zwischen Russland und den USA gesprochen ist, bleibt abzuwarten.э
 


 

Es ist nicht ausgeschlossen, dass beide Seiten auch in den nächsten Wochen sich wieder an einen Tisch setzen und dann konstruktive Gespräche führen werden, die zu einem dauerhaften Frieden führen könnten. Aber auf der Ebene des Informationskriegs zwischen westlichen Medien und der anderen Seite, wird man weiterhin von „guten und bösen Islamisten“ sprechen, wobei hier vor allem der Westen seine Glaubwürdigkeit verloren hat. Dafür muss man auch kein Anhänger der pro-russischen Medienfront sein, um das zu erkennen.
 

Auch wenn beide Seiten offiziell den IS in Syrien bekämpfen, so gibt es viele kleinere Gruppierungen in Syrien, die zwar gegen Assad kämpfen, was auch der Westen befürwortet, aber gleichzeitig auch dem internationalen Netzwerk von Al-Kaida angehören, also jene die nun mehr als ein Jahrzehnt als die schlimmste Bedrohung für den Westen und auch für Russland darstellen soll. Es grenzt schon fast an ein Wunder, dass man der breiten Mehrheit im Westen vermitteln konnte, dass es in Syrien auf einmal ganz anders ist und islamistische Terrorististen für jene Werte einstehen, die sie zuvor ablehnten und lange Zeit als die globale Bedrohung schlechthin galten.
 

 

In den 1980er Jahren haben sich Ost und West in Afghanistan bekriegt und damals wie heute in Syrien, waren die islamistischen Gruppierungen, die gegen die Sowjetunion kämpften ebenfalls die Freunde der westlichen Welt. Osama bin Laden, der nach den Anschlägen vom 11. September als der meistgesuchte Terrorist auf der Welt galt, wär wie man auf dem oberen Artikel erkennen kann, noch medial als Held gefeiert. Ob die russischen Medien ebenfalls so wechselhaft berichten? Wohl kaum.

 

 

Die westliche Medienfront wirft den russischen Medien gerne vor, sie würde Propaganda betreiben und die Journalisten wären nicht frei in ihrer Berichterstattung. Es mag vielleicht stimmen, dass die im Westen bekannten russischen Medienvertreter nicht gerade die mediale Berichterstattung der westlichen Leitmedien wiederholen oder gar unterstreichen, aber umgekert ist es keinesfalls viel besser. Es mag vielleicht hierzulande ein paar kritische Stimmen geben, die Russland in Schutz nehmen, aber man kann sich mal selbst die Mühe machen und recherchieren wie oft sich solche Stimmen harsche Kritik anhören müssen.

 

CDU-Politiker Willy Wimmer ist dabei nur ein Beispiel von vielen, aber dieses Beispiel veranschaulicht recht gut, dass man im Westen schon fast verzweifelt versucht dem irgendwie Paroli entgegenzusetzen. Um auf die Titelfrage zurückzukommen, so lässt sich festhalten, dass der Informationskrieg, der ohnehin schon im Gange ist, künftig noch brutaler geführt wird. Und dass die Deutschen Medien hier eine Schlüsselrolle eingenommen haben, ist mehr als offenkundig. Und wenngleich diese Form von Krieg milder ist als ein bewaffneter Konflikt, so wird es dem durchschnittlich politisch interessierten Menschen künftig noch schwerer gemacht werden, sich ein Bild über die weltpolitische Lage zu machen.
 

Von Christian Lehmann