US-Marineexperten sind einem Zeitungsbericht zufolge besorgt über die Effizienz neuer russischer Atom-U-Boote, Fregatten und Marschflugkörper. Russlands Kriegsflotte gilt nun wieder als durchaus konkurrenzfähig.

 

2449193 17.06.2014 Первая многоцелевая атомная подводная лодка (АПЛ) проекта "Ясень" К-560 "Северодвинск" у причала оборонной судоверфи "Севмаш" в Северодвинске./Пресс-служба ОАО "ПО "Севмаш"

 

Michael Petersen, Direktor des in Newport (Rhode Island, USA) ansässigen Russia Maritime Studies Institute, sagte der russischen Tageszeitung „Iswestija“: „Russlands Überwasserflotte löst aus meiner Sicht vorwiegend defensive Aufgaben. Die Indienststellung von Atom-U-Booten der Jassen-Klasse wird von der US-Navy indes oft als Grund zur Besorgnis betrachtet. Diese U-Boote sind sehr stark und gefährlich – es ist uns vorerst nicht ganz klar, für welche Aufgaben sie konzipiert wurden.“

 

Die U-Boote der Jassen-Klasse (Projekt 885) sind leise und mit Marschflugkörpern ausgerüstet. Sie stehen seit 2014 in Dienst und sind in der Lage, sowohl gegnerische U-Boote und Kriegsschiffe zu jagen, als auch landgestützte Ziele zu zerstören.

 

„Aufsehen erregen Hyperschall-Raketen des Typs Zirkon sowie Marschflugkörper des Typs Kalibr. Diese Waffen sind stark und verwirklichen beeindruckende technologische Errungenschaften. Hinsichtlich Überwasserschiffe würde ich neue Fregatten der Admiral-Gorschkow-Klasse nennen. Diese Schiffe haben sehr große Möglichkeiten“, so Petersen weiter.

 

Die erwähnten Fregatten (Projekt 22350) sind für Einsätze in abgelegenen Meeresgebieten geeignet. Die „Admiral Gorschkow“ ist das erste große Überwasser-Kriegsschiff, das im postsowjetischen Russland auf Kiel gelegt wurde.

 

 
Die gegen Ziele in Syrien bereits eingesetzten Kalibr-Raketen können sowohl von Überwasserschiffen als auch von U-Booten abgefeuert werden. Die Zirkon-Raketen sollen fünf- bis sechsmal so schnell wie der Schall fliegen, stehen allerdings noch nicht in Dienst.

 

Petersen sagte:

 

„Trotz der Schwierigkeiten der vergangenen Jahrzehnte hat die russische Marine in Bezug auf die Ausbildung der Besatzungen und auf das technologische Potenzial einen Stand erreicht, der ihr ermöglicht, mit jeder Kriegsflotte der Welt zu konkurrieren. Im Vergleich zur Sowjetzeit wurde die russische Flotte viel kompakter, ist aber nach wie vor technologisch sehr fortgeschritten.“

 

 

Der russische Marineexperte Alexander Mosgowoj erläuterte, womit die Befürchtungen der Amerikaner zusammenhängen:

 

„Waren U-Boote zuvor gegen die Kriegsmarine zum Einsatz gekommen, so rücken derzeit küstengestützte Ziele mehr ins Visier. Jedes U-Boot der Jassen-Klasse trägt 32 Kalibr-Marschflugkörper. Diese sind fähig, Infrastruktur-Anlagen anzugreifen, beispielsweise Ölspeicher, Hafen-Terminals und so weiter. Künftig sollen auch Fregatten der Gorschkow-Klasse mit Kalibr-Raketen ausgerüstet werden. Diese Fregatten sollen auch in der Lage sein, U-Boote zu bekämpfen.“

 

Die neuen Raketen bieten der russischen Kriegsmarine laut Mosgowoj mehr Möglichkeiten:

 

„Das strategische Offensiv-Potenzial Russlands nimmt zu, denn mit Kalibr-Raketen werden sogar Diesel-U-Boote der Paltus-Klasse zu furchterregenden Waffensystemen. Allerdings lassen sich Kalibr-Raketen mit viel Glück theoretisch abfangen, denn sie fliegen unter der Schallmauer. Die Zirkon-Rakete ist dagegen eine Hyperschallwaffe, die sowohl gegen see- als auch gegen landgestützte Ziele eingesetzt werden kann. Sie ist praktisch nicht abzufangen.“

 

Quelle: Sputniknews