Während Washington über ein Einwirken per Gewalt auf Moskau nachdenkt, hat Russland seine Luftwehr in Syrien verstärkt und die Militärpräsenz im östlichen Mittelmeer ausgebaut, schreibt Sputnik mit Verweis auf die „Nesawissimaja Gaseta“.

 

nvo-t

 

Die russische Staatsduma (Parlament) will bereits am Freitag ein neues Abkommen zwischen Moskau und Damaskus über die ständige Stationierung des Luftwaffenverbands in Syrien ratifizieren. Dieser Beschluss wurde nach der schmerzhaften Reaktion Washingtons auf das Auftauchen des russischen Flugabwehrsystems S-300WM Antej 2500 nahe der syrischen Stadt Tartus getroffen, die von der russischen Marine als materiell-technische Versorgungsstelle genutzt wird.
 
Nach der Ratifizierung eines solchen Abkommens werden die Stützpunkte in Syrien für die gesamte Vertragszeit de facto zu russischem Territorium. Dann wird es keinen Unterschied mehr geben, wohin eine gegnerische Rakete flog – auf den Stützpunkt Hmeimim oder nach Kamtschatka. Die zu erwartende Reaktion wird diesselbe sein.

 

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Mobiles Flugabwehrsystem Antey-2500

 

 

Laut dem stellvertretenden Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses des Föderationsrats, Franz Klinzewitsch, brauche es westliche Partner nach der ständigen Stationierung der russischen Fliegerkräfte überhaupt nicht mehr zu interessieren, welche Kräfte und Mittel, außer Atomwaffen, zum Schutz genutzt würden. Zugleich komme das Abkommen mit Assad rechtzeitig, um den USA zu zeigen, dass ihre Demarche die Pläne Moskaus und Damaskus nicht geändert haben.
 
Bislang sorgte auch das Antej-2500-Abwehrsystem in amerikanischen militärpolitischen Kreisen für großes Aufsehen. Laut dem Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest, eignet sich das Flugabwehrsystem mit einer Reichweite von 200 Kilometern, welches gegen ballistische Raketen und Marschflugkörper eingesetzt werden kann, kaum zum Widerstand gegen islamische Extremisten.

 

Wie der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, sagte, handelt es sich bei Antej-2500 fast um dieselbe Anlage wie das Flugabwehrsystem Fort, mit dem der Raketenkreuzer Moskwa ausgerüstet ist, der vor einiger Zeit an der syrischen Küste stand. Doch ständig ein großes Schiff vor Ort im Meer zu halten, sei zu kostspielig.

 

Für Besorgnis aufseiten der USA sorgte auch die Verlegung der kleineren Raketenschiffe Serpuchow und Seljony Dol, die ebenfalls mit Kalibr-Raketen ausgerüstet sind, zur Unterstützung der russischen Fregatte Admiral Grigorowitsch an der syrischen Küste. Aus Moskau hieß es auch, dass eine Einheit der russischen Schiffe zu einer besseren Deckung des Stützpunktes Hmeimim und der materiell-technischen Versorgungsstelle der russischen Kriegsflotte in Tartus verstärkt wurde.
 
Allerdings handelt es sich bei den Flugabwehrsystemen Antej-2500 und Triumph um Verteidigungswaffen. Darüber hinaus würden selbst weiterentwickelte Komplexe nicht ausreichen, um einen Schlag der US-amerikanischen Tomahawk-Raketen abzuwehren. Daraus folgt, dass die russischen Flugabwehrkomplexe nicht aus militärpraktischen Gründen, sondern zu Propaganda-Zwecken stationiert wurden, also um die Möglichkeiten des Militärs zu zeigen. Die Pläne des Pentagons jedoch wirken derweil tatsächlich beunruhigend.

 

Wie die Zeitung „Washington Post“ berichtete, erwägt die US-Administration Militärhandlungen in Syrien. In der nächsten Zeit soll dieses Thema bei der Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats unter Teilnahme des Präsidenten Barack Obama besprochen werden. Eine Woche zuvor war dieses Problem mit Vertretern des Außenministeriums, CIA und Ausschusses der US-Stabschefs erörtert worden. Zu einem der Vorschläge gehörte das Versetzen der Luftangriffe mit Marschflugkörpern und anderen  Mitteln gegen Flugplätze der syrischen Luftstreitkräfte. Auch das Hauptziel der angeblich vom Pentagon geplanten Militäraktion wurde bereits skizziert – die Regierungstruppen mit Unterstützung Russlands Aleppo nicht erobern zu lassen.

 

Solange in den USA der Präsidentschaftswahlkampf läuft, wählen sowohl Demokraten, als auch Republikaner nicht besonders sorgfältig ihre Worte. Wie der republikanische Vizepräsidentschaftskandidat Mike Pence sagte, erfordert die Provokation Russlands ein Gewaltszenario seitens der USA. Falls Russland weiterhin in barbarische Angriffe auf Aleppo beteiligt seien, müssten die USA bereit sein, militärische Stärke einzusetzen, so Pence.
 
Falls die Amerikaner und ihre Verbündeten tatsächlich verdeckt die russischen Truppen in Syrien angreifen, droht ein geradezu apokalyptisches Szenario. Wenn Moskau schweigt, könnte das so verstanden werden, dass desseb geopolitische Bedeutung bei null liegt. Gibt es aber eine Antwort, dann wird diese einen großen, heißen Krieg beinhalten.