Der Krieg in Syrien wird immer unübersichtlicher. Er ist zu einem Konfliktfeld der Großmächte geworden. Es ist durchaus möglich, dass daraus ein Weltkrieg wird. Was passiert da gerade? Der Krieg ist ein Spiegel der wirren Weltverhältnisse.

 

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Es fing an mit Protesten im Land, die von den westlichen Mächten noch befeuert wurden. Man wollte Assad loswerden und Einfluss gewinnen. Es war die alte Manier. Es ging schief. Zuerst wurde daraus ein Bürgerkrieg. Ein Bürgerkrieg hat es an sich, dass er sich unaufhörlich selber radikalisiert. Der Hass steigt, die Gewalt auch. Es wird immer schwerer den Konflikt zu beenden.

 

Die westlichen Staaten mischten kräftig mit und spielten ihr eigenes Spiel. Die Türkei war auch gegen Assad und natürlich gegen eine eigenständige Macht der Kurden. Russland sah mit Skepsis die Entwicklung, weil die Gefahr bestand, dass es in Syrien noch den letzten Einfluss und einen wichtigen Stützpunkt verliert. Putin war ohnehin alarmiert von der offensiven NATO-Strategie in Europa. So begann der Kreislauf, in dem der IS auch noch kräftig mitmischte.

 

Wie ist die Lage heute? Die USA wollen Assad weg haben und das Land in ihre Hegemonialsphäre ziehen. Russland will Assad halten als säkulare Kraft und den USA nicht das Feld überlassen. Die Türkei konzentriert sich nun auf den Kampf gegen einen Kurdenstaat und will dafür zur Not auch vorübergehend Assad akzeptieren. Die USA fördern die Kurden eher. Der Iran will einen schiitischen Umschwung im Land erreichen und natürlich die USA draußen halten. Zugleich soll die Macht Saudi-Arabiens begrenzt werden. Saudi-Arabien will den Einfluss Irans bekämpfen, was auch den USA gefällt. Es ergibt sich damit eine mögliche Konfrontation USA und Saudi-Arabien gegen Russland, Iran und Türkei. Das ist hochbrisant. Hier könnte der Keim zu einem großen Krieg liegen, auch weil sich die Lage in Europa ohnehin schon aufgeheizt hat. Eine Präsidentin Clinton würde wohl stark gegen den Iran arbeiten, was alles in Flammen setzen könnte.

 

Diese verwirrende Lage in Syrien ist ein Spiegelbild der Weltverhältnisse. Überall auf dem Globus wird es unübersichtlicher, steigen die Konflikte und nähren sich gegenseitig. Leidtragende sind die Menschen in den betroffenen Gebieten. Immer wieder hören wir das Mantra, dass der Krieg in Syrien schnell beendet werden müsse. Waffenstillstände scheitern aber immer wieder. Das ist nicht verwunderlich. Es ist nicht politisch korrekt, aber Kriege können erst beendet werden, wenn die Interessengegensätze genug und mit Ergebnissen ausgefochten werden. Man kann nicht einfach „Halt“ rufen, wenn ein Krieg erst einmal im Gange ist. Entweder einer siegt oder alle Beteiligten finden einen Ausgleich, weil sie einsehen, dass niemand komplett gewinnen kann. Das geht aber nicht am grünen Tisch, sondern nur auf dem Schlachtfeld. Dazu kommt, dass unsere Welt unfähig geworden ist, vernünftige und tragfähige Friedensverträge zu schließen. Keiner ist mehr fähig ein Ende zu setzen.

 

Alles in allem düstere Voraussetzungen für einen Frieden in Syrien. Daher ist es umso wichtiger, dass Politiker in der heutigen Zeit umso vorsichtiger agieren und nicht auch noch zündeln. Das gilt gerade auch für den moralisch hochfahrenden Westen. Er muss lernen, auch andere Mächte neben sich zu akzeptieren. Die Welt wird sich ändern, wenn wir Glück haben friedlich, ansonsten aber mit Blut.

 

Von Dr. Christian Weilmeier