Spekulationen zufolge soll es zwischen Putin und Erdogan zu einem Geheimdeal bezüglich Syrien gekommen sein. Verrät der türkische Präsident tatsächlich die islamistischen Verbündeten?

 

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Israelische Geheimdienstinformationen sind stets mit Vorsicht zu genießen, vor allem dann, wenn diese auch noch veröffentlicht werden, wie es auf deren Geheimdienst-Webseite «DEBKAfile» der Fall ist. Zwischen echten Informationen finden sich dort auch genügend Desinformationen und Spekulationen.

 

Dort heißt es in einem neuen Beitrag: «Der türkische Führer schirmt sich mit seinem geheimen Deal mit Putin ab, wobei seine Armee freie Hand im Norden Syriens ohne russische Einmischung hat, während Aleppo eine russisch-syrische Zone wird, die für die Türkei Tabu ist. Dieser Geheimdeal hat auch die in Nordsyrien eingesetzten US-Special-Operation-Forces genauso wie die kleinen Rebellenmilizen neutralisiert, die von ihnen trainiert und gesponsert werden.»
 
Die Frage hierbei ist: Inwieweit kann Putin Erdogan hier vertrauen, sofern es eine solche Vereinbarung tatsächlich gibt? Immerhin ist die Türkei nach wie vor in der NATO und in den letzten Monaten hat der türkische Präsident die strategisch wichtige Stellung des Landes und die massive militärische Kraft inklusive der engen Vernetzung mit diversen Milizen in Syrien dafür genutzt, sowohl die USA als auch Russland zu seinen eigenen strategischen Gunsten auszuspielen. Vor allem jedoch gilt es seitens des Kremls eine (von US-Kräften gewünschte) Spaltung des Landes zu verhindern. Inwieweit ein Syrien in den jetzigen Grenzen für die Türkei von Vorteil ist, hängt auch von der Kurdenfrage ab. Immerhin will man seitens Ankaras verhindern, dass in Nordysrien quasi-staatliche Strukturen der Kurden entstehen.
 
Andererseits sorgt die Einbindung von Kämpfern der «Freien Syrischen Armee» (FSA), einer Miliz aus arabischen und turkmenischen Islamisten, in die türkischen Operationen («Euphrat Shield») dafür, dass diese Extremisten sich mit den Kämpfern des «Islamischen Staats» (und wahrscheinlich auch mit kurdischen Milizen) beschäftigen, so dass sich die Russen gemeinsam mit den syrischen Regierungstruppen auf die komplette Befreiung Aleppos konzentrieren können, ohne dass sie sich auch noch mit dieser Islamistengruppierung herumschlagen müssen.
 
Doch auch hier gibt es eine Frage, die man sich stellen muss: Ist Ankara dazu bereit, die jetzt noch verbündeten Islamisten der FSA, die sich ideologisch nicht wirklich vom «Islamischen Staat» unterscheiden, später auch fallenzulassen? Denn eines ist klar: Russland und die syrische Regierung werden solche Milizen nach der Stabilisierung des Kernlandes auch weiterhin massiv gegen diese Gruppierungen vorgehen. Und das weiß man auch in Ankara.

 

Von Marco Maier, Contra Magazin