Deutschland befindet sich in einem Propaganda- oder Informationskrieg. Das wissen wir nicht erst seit gestern. Aber wie peinlich dieser Krieg geführt wird, zeigen uns drei Beispiele aus der aktuellen Berichterstattung. Der selbsternannte Qualitätsanspruch der Medien disqualifiziert sich mehr und mehr. Und im RT Deutsch zu diskreditieren sind anscheinend auch Spitzelmethoden legitimes Mittel.

 

People inspect a damaged site after airstrikes on the rebel held Sheikh Fares neighbourhood of Aleppo, Syria October 1, 2016. REUTERS/Abdalrhman Ismail
 

 

Über den Syrien-Krieg berichten die oberen Medien fast im Einklang: Syrien und Russland gleich böse, USA und der Westen gleich gut. Gleichzeitig wirft man anderen Portalen entweder vor, sie werden vom Kreml gesteuert oder man bezicht ihr Schwarz-Weiss-Malerei zu betreiben. Aber selbst werden Tatsachen verdreht oder unterdrückt. Das geschieht nicht erst seit einem Jahr, sondern seit 2010 und das in einer bisher nie dagewesenen Art und Weise. Dass man sich dann noch über wütende Bürger auf der Straße wundert, die „Lügenpresse“ skandieren und mit den sogenannten Qualitätsblättern kaum noch ein Wort wechseln wollen, zeigt nur die sonderbare Selbstvernehmung solcher Medienmacher. Gleichzeitig bedeutet das nicht, dass die andere Seite der Medienwelt frei von Fehlern ist und dort wohl auch die Gefahr besteht, dass man falschen Informationen auf den Leim gehen könnte.

 

Nur passieren solche Dinge nicht ständig und es werden auch nicht ständig die gleichen Fehler wiederholt. Beispielweise verwenden westliche Leitmedien gerne uralte Bilder aus Aleppo oder gar von anderswo, um zu beweisen, dass die Russen oder Syrer zivile Krankenhäuser bombardieren. Oder man verwendet Bilder von abstürzenden Helikoptern, die in Syrien abgeschossen wurden, um damit die Agressivität der Donbass-Rebellen zu belegen – alles bislang schon dagewesen. Auch die Mär von „guten und bösen Terroristen“ wird gerne und immer wieder in den Leitmedien gebracht, um die westliche Agenda mit allen medialen Mitteln durchzudrücken.

 


 

Für den durchschnittlichen Konsumenten wird die Lage damit bewusst unübersichtlicher dargestellt und irgendwie glaubt man am Ende an gar nichts mehr. Man stelle sich nun einmal vor, dasselbe würden Medien der Gegenseite fabrizieren. Der Skandal wäre groß. Stichwort Skandale: Am Wahlkampf der USA sieht man fast noch deutlicher, wie sehr sich die Berichterstattung disqualifiziert. Seit Monaten veröffentlicht WikiLeaks E-Mails über Skandale bei den Demokraten: Ob Terrorunterstützung oder Terrorifinanzierung, es ist fast schon egal. Die Inhalte haben vielleicht noch vor ein paar Jahren eine Rolle gespielt, aber heute spielt hier nur noch die Herkunft eine Rolle. Assange mache einen Wahlkampf für Donald Trump oder sei vom Kreml instrumentalisiert. Wie und woher die Leaks kommen, gibt WikiLeaks nicht an.

 

Der Grund ist verständlich: Quellenschutz, worauf sich sonst die westlichen Medien ständig berufen, wenn man eine Story weiter ausschmücken will. Natürlich weisen die vergangenen Leaks eine gewisse Tendenz auf, aber WikiLeaks hat auch nur einen begrenzten Einfluss auf das, was ihnen zugespielt wird. Sie müssen letztlich entscheiden, was publiziert wird und was nicht. So einfach ist es manchmal. Und weit über 10 Millionen Dokumente werden auch nicht vollständig von jenen Plattformen ausgewertet, die nun am lautesten mit Vorwürfen gegen WikiLeaks um sich schmeissen. Die Botschaft ist doch längst seit Jahren angekommen: Demokraten kommen im US-Wahlkampf tendenziell besser weg, als die Republikaner. In diesem Wahlkampf wird das mehr als deutlich. Inzwischen sind ein paar Macho-Sprüche von Donald Trump skandalträchtiger als die Bewaffnung von Terroristen. Verstanden, setzen sechs!

 

 

Seit über zwei Jahren wissen wir nun auch von den geschätzen Leitmedien, dass aus Russland nur Propaganda kommt. Schon bevor RT Deutsch startete schoss man sich auf die Videoagentur Ruptly ein und kam mit der breiten Palette an Vorwürfen, die man aus den Inhalten gerne strickte. Wird ein unbliebsamer Zeitgenosse interviewt, so wird das schnell auf Wikipedia in der Kategorie „Kritik“ oder „Kontroversen“ schriftlich fixiert. Wer hier versucht was gerade zu biegen, dem kann man nur eines von ganzem Herzen wünschen: Viel Spaß! Die Tatsache, dass auch das öffentlich-rechtliche Programm in Deutschland solche Zeitgenossen interviewt – die Privaten machen es hin und wieder auch – spielt dabei keine Rolle mehr. Derweil schmückt sich die Studenten-Bravo Neon mit einem Enthüllungbericht über den Sender RT-Deutsch. Worum es genau geht und der Inhalt des Reportage kann man hier nachlesen.

 


 
Wer sich das ersparen will, die Kurzfassung: Ein Absolvent der Henri-Nannen-Schule ergatterte ein Praktikum beim russischen Sender, um später genau diese Reportage zu verfassen, die man auf RT mit Replik nachlesen kann. Natürlich kommt der Sender hier nicht sonderlich gut weg und die Vorwürfe sind bekannt. Um das herauszufinden oder um Berichterstattung dahingehend zu interpretieren, bedarf es kein getarntes Praktikum, sondern man findet diese Vorwürfe in jedem gängigem Heft. Das hier Grenzen überschritten wurden, braucht man fast gar nicht zu erwähnen. Manche sehen darin schon Stasi-Methoden. Aber wie auch immer: Man stelle sich vor, RT Deutsch würde ähnliche Methoden anwenden und sich bei der Bild-Zeitung oder beim Stern als Praktikant bewerben, um später auf RT einen ähnlich tendenziösen Bericht zu veröffentlichen.

 

in solcher Skandal würde in der halben Medienlandschaft ausgeschlachtet werden und man würde beim Verfassungsschutz oder beim BND um Hilfe schreien, ganz egal wie schäbig man zuvor über die Deutschen Nachrichtendienste schrieb. Aber an dieser Stelle kommt aus allen medialen Rattenlöchern nur Lob und Anerkennung. RT Deutsch nahm den Maulwurf-Fall recht gelassen, aber bleibt auch anderes noch übrig? Es kommt immer wieder vor, dass Journalisten den Sender verlassen und sich dann bei der westlichen Presse ausheulen oder auslassen, denn sowas passt immer ganz gut ins Bild. Packen allerdings Insider wie Ulfkotte oder Bartels aus, dann sind es immer gleich die bösen „Verschwörungstheoretiker“ , die aufgrund von bestimmten Vorfällen mit dem Arbeitgeber gebrochen haben. Aber Propaganda soll dann nie der Grund gewesen sein.
 
Von Christian Lehmann