Diese Woche feierte der Mainstream in Deutschland sich selbst, nachdem das Magazin Stern Neon eine Reportage veröffentlichte. In dieser Reportage schreibt ein Absolvent der Journalistenschule «Henri Nannen» über seine Erfahrungen als Praktikant beim russischen Sender RT Deutsch. Der deutschsprachige Auslandssender mit Sitz in Berlin nimmt es gelassen und lädt weitere Spione ein, ein Praktikum dort zu absolvieren.

 

Man müsste sich mal den umgekehrten Fall vorstellen: Ein junger Absolvent einer russischen Journalistenschule käme auf die Idee ein Praktikum bei einem deutschen Leitmedium zu verfassen, wo er zum folgenden Ergebnis käme: Tatsachen werden verdreht, es wird unverholen gelogen und alle Klischees der «Lügenpresse-Schreier» würden bestätigt werden. Das Echo der deutschen Leitmedien kann man sich wohl ausmalen: KGB-Methoden, Vertragsbruch und so weiter. Sicherlich ist es menschlich, dass man sich bei RT Deutsch über den Schlingel aus Hamburg erstmal geärgert hat, aber an sich nahm man es dann doch gelassen. Auf Twitter lädt man weitere Spione ein.

 

Zugegeben — es wäre nicht das erste Mal, dass sich ein ehrgeiziger Journalist als Praktikant ausgibt und dann in einer dubiosen Firma recherchiert. Beispiele gäbe es genug: Leiharbeits-Firmen (in Russland nicht erlaubt), Drückerkolonnen oder andere dubiose Firmen. Generell ist da nicht viel einzuwenden, wenn die Recherche ergebnisoffen ist und man unbefangen an eine solche Sache herangeht. Bei Medienhäusern kann das grenzwertig sein, weswegen solche Fälle eher die Ausnahme bilden. Insbesondere seitdem die Leitmedien mehr oder weniger an einem Strang ziehen, was auch in vielen Themen die große Einigkeit erklärt. Vor allem scheint ein Großteil der westlichen Journalisten-Gilde diese Reportage feiern. Jeder kann sich darüber ein eigenes Bild machen, RT Deutsch antwortete mit einem Replik, wo auch die gedruckte Reportage des Neon-Reporters abgebildet wurde.

 

 

Wie gesagt, die Reaktion im umgekehrten Fall beziehungsweise die Recherche bei einem Konkurrenz-Medium hätte sicher entweder ein juristisches Nachspiel beziehungsweise würde differenzierter rezipiert werden. Man kann sich mal im Online-Genre die Mühe machen, wie der Mainstream auf das Enthüllungsbuch von Udo Ulfkotte reagierte, als es um «Gekaufte Journalisten» ging.

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